Regenwürmer im Garten: Wie sie Boden verbessern und wie Sie sie fördern
Unter einem scheinbar ruhigen Rasen passiert ständig etwas. Regenwürmer bewegen sich durch den Boden, fressen abgestorbenes Pflanzenmaterial, vermischen organische Substanz mit mineralischer Erde und hinterlassen Röhren, durch die Luft und Wasser gelangen können.
Diese Arbeit geschieht weitgehend unsichtbar. Erst nach feuchtem Wetter verraten kleine Wurmkothäufchen auf dem Rasen oder ein Regenwurm beim Graben, wie aktiv das Bodenleben tatsächlich ist.
Dabei ist Regenwurm nicht gleich Regenwurm. Einige Arten leben unmittelbar unter Laub und Mulch, andere verbringen fast ihr gesamtes Leben im Mineralboden. Tiefgräber wie der Tauwurm bauen dauerhafte senkrechte Röhren und ziehen Pflanzenreste von der Oberfläche nach unten. Die Bayerische Gartenakademie unterscheidet genau diese drei ökologischen Lebensformen.
Wer Regenwürmer im Garten fördern möchte, muss deshalb keine Tiere kaufen und aussetzen. Viel wirksamer ist es, ihren vorhandenen Lebensraum zu verbessern: Boden bedeckt halten, organisches Material bereitstellen, Verdichtung vermeiden und möglichst wenig tief in das Bodengefüge eingreifen.
Inhaltsverzeichnis
- Drei Lebensformen
- Was Regenwürmer im Boden leisten
- Woran man einen lebendigen Boden erkennt
- Was Regenwürmern schadet
- Wie man sie fördert
- Regenwürmer im Kompost
- Regenwürmer im Rasen
- Regenwürmer und Tiere
- Häufige Fehler
- Häufige Fragen
- Fazit
Drei Lebensformen
Regenwürmer lassen sich nach ihrer Lebensweise grob in drei ökologische Gruppen einteilen. Diese Einteilung erklärt besser als die reine Artbestimmung, was ein bestimmter Wurm im Gartenboden leistet.
Streubewohner
Streubewohnende oder epigäische Regenwürmer leben nahe der Bodenoberfläche.
Sie halten sich vor allem in Laubstreu, Mulch, Humusauflagen und anderem organischen Material auf. Ihre dunklere Pigmentierung unterscheidet sie häufig von den blasseren Arten, die dauerhaft tiefer im Boden leben.
Für sie ist eine organisch bedeckte Bodenoberfläche besonders wichtig.
Wird ein Beet vollständig leergeräumt und bleibt anschließend lange nackt, verschwindet ein großer Teil ihres bevorzugten Lebensraumes und ihrer Nahrung.
Mineralbodenbewohner
Die zweite Gruppe lebt überwiegend im oberen Mineralboden.
Diese endogäischen Regenwürmer sind meist heller gefärbt und kommen nur selten freiwillig an die Oberfläche. Sie bauen vor allem horizontal verlaufende Röhrensysteme. Die Bayerische Gartenakademie beschreibt diese Lebensweise ausdrücklich als weitgehend unterirdisch.
Sie bewegen und vermischen dabei Bodenmaterial und beeinflussen dessen Struktur.
Tiefgräber
Die dritte Gruppe sind die Tiefgräber. Zu ihnen gehört der bekannte Tauwurm (Lumbricus terrestris).
Diese Tiere bauen vergleichsweise dauerhafte, überwiegend senkrechte Wohnröhren, die tief in den Boden reichen können. Sie kommen an die Oberfläche, um organisches Material aufzunehmen und beispielsweise Blätter in ihre Röhren zu ziehen.
Genau deshalb sieht man manchmal Blätter, die scheinbar mit der Spitze im Rasen oder Beetboden feststecken. Ein Regenwurm kann sie von unten in seine Röhre gezogen haben.
Was Regenwürmer im Boden leisten
Regenwürmer sind keine kleinen Bodenfräsen. Ihre Wirkung entsteht biologisch und kontinuierlich durch Fressen, Graben und Ausscheiden.
Röhren schaffen Poren
Wenn ein Regenwurm durch den Boden wandert, entstehen Gänge.
Diese Poren können die Belüftung des Bodens verbessern. Gleichzeitig können sie Wege bilden, über die Niederschlagswasser in tiefere Bodenschichten gelangt.
Die Bayerische Gartenakademie beschreibt, dass Regenwurmröhren die Sauerstoffversorgung der Pflanzenwurzeln unterstützen und das Versickern von Regenwasser fördern können.
Auch das Julius Kühn-Institut nennt Regenwürmer deshalb als wichtige Zeigerorganismen der Bodengesundheit und verbindet ihre Aktivität unter anderem mit Streuabbau, Nährstoffkreisläufen und Wasserspeicherung.
Wurmkot ist mehr als ausgeschiedene Erde
Regenwürmer nehmen organisches und mineralisches Material auf.
Nach der Verdauung wird es als feinkrümeliger Kot wieder ausgeschieden. Dabei entstehen stabile Bodenaggregate beziehungsweise Ton-Humus-Verbindungen. Die LWG hebt hervor, dass solche Ausscheidungen zur stabilen Bodenstruktur beitragen.
Wurmkot sollte deshalb nicht als Abfall betrachtet werden.
Er ist Teil der natürlichen Bodenbildung und des Nährstoffkreislaufs.
Laub wandert in den Boden
Besonders Tiefgräber ziehen abgestorbenes Pflanzenmaterial von der Oberfläche in ihre Röhren.
Dort wird das Material weiter zersetzt und steht Mikroorganismen und anderen Bodenlebewesen zur Verfügung.
Das erklärt, warum eine dünne Laub- oder Mulchschicht auf geeigneten Beetflächen langsam verschwinden kann, ohne dass sie jemand entfernt.
Woran man einen lebendigen Boden erkennt

Kleine Häufchen aus feinem Wurmkot zeigen, dass im Boden aktive Regenwürmer arbeiten.
Ein einzelner Regenwurm beweist noch nicht, dass ein Boden in jeder Hinsicht gesund ist. Trotzdem gibt es einige praktische Hinweise auf aktive Regenwurmpopulationen.
Wurmkothäufchen
Kleine krümelige Erdhäufchen auf Rasen oder Beetflächen sind ein besonders sichtbares Zeichen.
Sie entstehen, wenn Regenwürmer Material an der Oberfläche ausscheiden.
Auf dem Rasen können diese Häufchen optisch stören. Ökologisch sind sie jedoch zunächst ein Zeichen dafür, dass Bodenorganismen aktiv sind. Die LWG beschreibt solche Häufchen ausdrücklich als Regenwurmkot.
Sichtbare Röhren
Beim vorsichtigen Öffnen des Bodens können runde Gänge sichtbar werden.
Manche sind leer, andere enthalten Wurzeln oder organisches Material.
Besonders senkrechte, relativ stabile Röhren können von tiefgrabenden Regenwürmern stammen.
Die Spatenprobe
Eine einfache Spatenprobe vermittelt einen Eindruck vom Boden.
Dabei wird ein zusammenhängender Bodenblock vorsichtig ausgestochen und betrachtet.
Interessant sind nicht nur die Regenwürmer selbst. Auch eine krümelige Struktur, sichtbare Poren, Pflanzenwurzeln und organische Reste geben Hinweise auf den Bodenzustand.
Aus einer einzigen Probe sollte jedoch keine vermeintlich exakte „Regenwurmdichte“ für den ganzen Garten berechnet werden. Bodenart, Feuchtigkeit, Jahreszeit und Standort beeinflussen stark, wie viele Tiere gerade gefunden werden.
Was Regenwürmern schadet
Regenwürmer brauchen Nahrung, Feuchtigkeit, ausreichend Sauerstoff und einen Boden, dessen Lebensraum nicht ständig massiv gestört wird.
Bodenverdichtung
Stark verdichteter Boden besitzt weniger günstige Porenräume.
Wasser kann schlechter versickern, während gleichzeitig die Sauerstoffversorgung problematisch werden kann.
Besonders wiederholtes Befahren oder Betreten nasser Gartenböden sollte deshalb vermieden werden.
Tiefes Umgraben
Ein Spatenstich ist nicht automatisch eine Katastrophe für das Bodenleben. Regelmäßiges tiefes Wenden verändert jedoch die gewachsene Schichtung des Bodens und kann Regenwürmer sowie ihre Gänge und Kokons stören.
Die Bayerische Gartenakademie empfiehlt ausdrücklich, auf tiefes Umgraben zu verzichten, wenn es nicht notwendig ist. Das schützt sowohl erwachsene Regenwürmer als auch Jungtiere in ihren Kokons.
Pflanzenschutzmittel
Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass Pflanzenschutzmittel in das komplexe Nahrungsnetz des Bodens eingreifen können und Regenwürmer zu den betroffenen Organismengruppen gehören. Auch das JKI beschreibt Regenwürmer als empfindlich gegenüber Veränderungen durch intensive Bodenbearbeitung und Pflanzenschutzmitteleinsatz.
Für die Förderung von Regenwürmern im Hausgarten besteht daher kein Grund, chemische Mittel einzusetzen.
Trockenheit und nackter Boden
Regenwürmer benötigen eine feuchte Umgebung, weil ihre Haut für den Gasaustausch feucht bleiben muss.
Bei heißem, trockenem Boden ziehen sich viele Arten in günstigere Bodenschichten zurück und reduzieren ihre Aktivität. Eine Mulchdecke kann Verdunstung vermindern und gleichzeitig Nahrung bereitstellen.
Torf ist dafür keine notwendige Lösung. Im Garten lässt sich organisches Material aus Laub, Kompost, Ernteresten oder geeigneter Gründüngung verwenden.
Zu viel Kalk und Kupfer
Kalk sollte nicht nach dem Prinzip „viel hilft viel“ verteilt werden. Eine Kalkung richtet sich nach Boden und pH-Wert, nicht nach dem Wunsch, Regenwürmer direkt anzulocken.
Besonders eindeutig ist die Situation bei Kupfer: Das Umweltbundesamt warnt davor, dass hohe Kupferkonzentrationen im Boden zahlreiche Bodenorganismen einschließlich Regenwurmarten schädigen können. Kupfer wird zudem nicht im Boden abgebaut.
Wie man sie fördert
Die beste Regenwurmförderung besteht nicht darin, Würmer zu kaufen.
Sie besteht darin, vorhandenen Bodenorganismen bessere Bedingungen zu schaffen.
Mulchen
Eine lockere Mulchschicht schützt den Boden vor schneller Austrocknung und liefert organisches Material.
Geeignet sind je nach Beet beispielsweise Laub, angetrockneter Rasenschnitt, gesunde Pflanzenreste oder andere passende Gartenmaterialien.
Mulch sollte nicht als dicke, nasse, luftundurchlässige Masse aufgebracht werden.
Laub liegen lassen
Unter Hecken, Bäumen und größeren Stauden darf gesundes Falllaub teilweise liegen bleiben.
Die LWG beschreibt Laub ausdrücklich als Nahrung und Lebensraum für Regenwürmer und andere Zersetzer.
Kompost verwenden
Reifer Gartenkompost bringt organische Substanz in den Boden.
Er muss nicht tief eingegraben werden. Je nach Kultur kann er oberflächlich verteilt und leicht eingearbeitet werden.
Boden im Winter bedecken
Auch nach der Gemüseernte sollte Boden nicht unnötig monatelang nackt bleiben.
Mulch, Erntereste oder geeignete Gründüngung schützen die Oberfläche und liefern dem Bodenleben organische Nahrung.
Gründüngung
Lebende Zwischenfrüchte durchwurzeln den Boden. Nach dem Absterben oder Abschneiden bleibt zusätzlich Pflanzenmaterial zurück.
Damit entsteht Nahrung für Zersetzer, während die Wurzeln selbst zur Strukturierung des Bodens beitragen.
Regenwürmer im Kompost
Im Kompost begegnet man häufig Würmern – aber nicht unbedingt denselben Arten, die tief durch das Gemüsebeet graben.
Der Kompostwurm
Kompostwürmer gehören zur Gruppe der Streubewohner.
Sie sind an sehr organikreiche Lebensräume angepasst und finden in gut geführtem Kompost reichlich Nahrung. Die LWG ordnet den Kompostwurm ausdrücklich dieser oberflächennah lebenden Gruppe zu.
Bodenwürmer leben anders
Tiefgräber benötigen dagegen ihren Boden mit dauerhaften Röhren.
Ein Komposthaufen ersetzt diesen Lebensraum nicht.
Deshalb ist es wenig sinnvoll, gekaufte Kompostwürmer im Gartenboden auszusetzen und zu erwarten, dass sie dort die Aufgaben eines Tauwurms übernehmen.
Wer Regenwürmer im Freiland fördern möchte, verbessert den Lebensraum und überlässt die Besiedlung den lokal vorhandenen Arten.
Regenwürmer im Rasen
Auf einem Rasen werden Regenwürmer manchmal erst bemerkt, wenn ihre Ausscheidungen sichtbar werden.
Besonders bei feuchtem Wetter können kleine dunkle Häufchen erscheinen.
Eigentlich ein gutes Zeichen
Die Häufchen zeigen, dass organisches Material verarbeitet und Boden bewegt wird.
Sie sind daher zunächst kein Grund, Regenwürmer zu bekämpfen.
Praktischer Umgang mit Wurmhäufchen
Bei trockenem Wetter können störende Häufchen mit einem Rechen, Besen oder durch vorsichtiges Verteilen wieder in die Grasnarbe eingearbeitet werden.
Die LWG empfiehlt ebenfalls, die Häufchen bei trockenem Wetter zwischen den Gräsern zu verteilen.
Bei nassem Boden sollte man sie nicht platt treten. Dadurch können schmierige Stellen entstehen und der Boden wird zusätzlich verdichtet.
Eine dauerhaft geschlossene dicke Laubschicht gehört ebenfalls nicht auf den Rasen. Das Laub kann stattdessen auf Beeten, unter Hecken oder im Kompost genutzt werden.
Regenwürmer und Tiere
Regenwürmer sind nicht nur Bodenverbesserer. Sie sind gleichzeitig Teil des Nahrungsnetzes.
Amsel
Wer eine Amsel über den Rasen laufen sieht, beobachtet häufig kurze Stopps und konzentriertes Lauschen beziehungsweise Suchen.
Regenwürmer gehören zu ihrer tierischen Nahrung.
Igel
Auch Igel nutzen verschiedene wirbellose Bodentiere als Nahrung. Regenwürmer können dabei Teil eines breiten Nahrungsspektrums sein.
Dachs
Der Dachs sucht einen Teil seiner Nahrung im und auf dem Boden.
Regenwürmer können dabei eine wichtige tierische Nahrungsquelle darstellen, abhängig von Jahreszeit und Verfügbarkeit.
Maulwurf
Der Maulwurf lebt selbst unterirdisch und ernährt sich von Bodentieren, darunter Regenwürmern.
Damit wird deutlich: Regenwürmer verbinden verschiedene Ebenen des Gartenökosystems. Sie verarbeiten organisches Material, beeinflussen die Bodenstruktur und werden gleichzeitig von anderen Tieren gefressen.
Ein Garten mit aktivem Bodenleben schafft deshalb nicht nur bessere Bedingungen für Pflanzen.
Er unterstützt ein ganzes Nahrungsnetz.
Häufige Fehler
Rasenschnitt zu dick auflegen
Frischer Rasenschnitt enthält viel Wasser.
Wird er in einer dicken, kompakten Schicht auf den Boden gelegt, kann er zusammenkleben und unter Sauerstoffmangel unangenehm faulen.
Besser sind dünne, lockere Schichten beziehungsweise leicht angetrocknetes Material.
Boden nackt lassen
Ein vollständig leergeräumtes Beet bietet oberflächennahen Regenwürmern wenig Nahrung und trocknet schneller aus.
Mulch, Pflanzenreste oder Gründüngung schaffen günstigere Bedingungen.
Jedes Jahr tief umgraben
Ständiges Wenden des Bodens zerstört vorhandene Röhren und verändert die natürliche Bodenschichtung.
Wo keine besondere Bodenbearbeitung erforderlich ist, reicht häufig eine schonendere Lockerung.
Regenwürmer kaufen und aussetzen
Kompostwürmer sind nicht automatisch für normalen Gartenboden geeignet.
Statt Tiere zu kaufen, sollte der vorhandene Lebensraum verbessert werden.
Wurmhäufchen als Schaden behandeln
Auf dem Rasen können die Häufchen störend aussehen.
Die Tiere deshalb bekämpfen zu wollen, wäre jedoch kontraproduktiv. Bei trockenem Wetter lässt sich das Material einfach verteilen.
Häufige Fragen
Sind viele Regenwürmer automatisch ein Zeichen für perfekten Boden?
Nein. Regenwurmaktivität ist ein wertvoller Hinweis auf biologisch aktiven Boden, aber kein vollständiger Bodentest. Bodenart, Feuchtigkeit, pH-Wert, organische Substanz und Bewirtschaftung beeinflussen das Vorkommen.
Soll man Regenwürmer für den Garten kaufen?
Nein. Für die Freilandförderung ist das weder notwendig noch sinnvoll. Unterschiedliche Regenwurmgruppen besitzen unterschiedliche Lebensraumansprüche. Besser ist es, die lokal vorhandenen Tiere durch Mulch, organische Substanz und schonende Bodenbearbeitung zu fördern.
Warum kommen Regenwürmer nach Regen an die Oberfläche?
Feuchte Bedingungen erleichtern ihnen die Bewegung an der Oberfläche und schützen ihre empfindliche Haut vor Austrocknung. Das bekannte Bild vom Regenwurm, der ausschließlich vor dem Ertrinken flieht, erklärt das Verhalten nicht vollständig.
Sind Wurmhäufchen im Rasen schädlich?
Meist sind sie vor allem optisch störend. Bei trockenem Wetter können sie verteilt werden. Große Mengen sollten nicht bei Nässe breitgetreten werden, weil dadurch schmierige Stellen entstehen können.
Ist Umgraben grundsätzlich verboten?
Nein. Es gibt Situationen, in denen eine tiefere Bodenbearbeitung notwendig sein kann. Als jährliche Routine ist tiefes Umgraben jedoch nicht für jeden Garten erforderlich. Weniger intensive Bearbeitung schont Regenwürmer, ihre Röhren und Kokons.
Hilft Kalk gegen einen Mangel an Regenwürmern?
Eine pauschale Kalkgabe ist keine Regenwurmförderung. Ob Kalk notwendig ist, sollte sich nach Bodenanalyse und pH-Wert richten. Übermäßige Eingriffe in die Bodenchemie sind nicht sinnvoll.
Was machen Regenwürmer im Winter?
Bei kalten Bedingungen ziehen sich viele Regenwürmer in tiefere, frostgeschützte Bodenschichten zurück und reduzieren ihre Aktivität. Eine Mulch- oder Laubdecke schützt die Bodenoberfläche, hält Feuchtigkeit und stellt zugleich organische Nahrung bereit.
Fazit
Regenwürmer im Garten arbeiten dort, wo wir einen großen Teil der Bodenpflege gar nicht sehen.
Streubewohner verarbeiten organisches Material nahe der Oberfläche. Mineralbodenbewohner durchziehen den oberen Boden mit ihren Röhren. Tiefgräber wie der Tauwurm verbinden Oberfläche und tiefere Bodenschichten, indem sie dauerhafte Gänge anlegen und Pflanzenreste nach unten ziehen.
Diese unterschiedlichen Lebensweisen haben einen gemeinsamen Effekt: Organisches Material wird verarbeitet, Boden wird biologisch strukturiert und Nährstoffe werden in den Kreislauf zurückgeführt. Regenwurmröhren schaffen zugleich Wege für Luft, Pflanzenwurzeln und versickerndes Wasser.
Wer diese Arbeit unterstützen möchte, braucht keine gekauften Würmer und keine chemischen Hilfsmittel.
Die wirksamsten Maßnahmen sind erstaunlich einfach: gesundes Laub unter Gehölzen liegen lassen, Beete mulchen, reifen Kompost verwenden, Gründüngung einsetzen, Boden im Winter bedecken und unnötiges tiefes Umgraben vermeiden.
Gleichzeitig sollte der Boden nicht überpflegt werden.
Eine dicke faulende Schicht Rasenschnitt ist ebenso wenig hilfreich wie ständige Bodenbearbeitung. Auch Pflanzenschutzmittel und unnötige kupferhaltige Anwendungen können Bodenorganismen belasten. Das Umweltbundesamt weist ausdrücklich auf Risiken für Regenwürmer und andere Bodenlebewesen hin.
Der beste Regenwurmgarten ist deshalb kein Garten, in den möglichst viele Würmer eingebracht werden.
Es ist ein Garten, in dem die bereits vorhandenen Bodenorganismen Nahrung, Feuchtigkeit, Schutz und möglichst wenig unnötige Störung finden.
Wer beim nächsten Spatenstich einen Regenwurm entdeckt, sieht damit nur einen kleinen Ausschnitt dieses Systems. Der größere Teil der Arbeit findet weiterhin verborgen statt – in Röhren, unter Mulch und zwischen den Krümeln eines lebendigen Bodens.