Steinhaufen im Naturgarten anlegen: Lebensraum für Eidechsen und Insekten schaffen
Ein ungeordneter Haufen aus Feldsteinen gehört für manche Gartenbesitzer zu den Dingen, die möglichst schnell verschwinden sollen. Aus Sicht vieler Tiere sieht derselbe Haufen völlig anders aus.
Zwischen den Steinen entstehen trockene, warme und geschützte Hohlräume. Die Oberfläche erwärmt sich in der Sonne, während tiefer liegende Bereiche deutlich ausgeglichenere Bedingungen bieten. Direkt daneben können Pflanzen Deckung schaffen und offene Bodenstellen als Jagd- oder Eiablagebereiche dienen.
Damit wird aus einem scheinbar „unordentlichen“ Gartenelement ein kleiner strukturreicher Lebensraum.
Eidechsen können Steine als Sonnen- und Versteckplätze nutzen. Käfer, Spinnen und andere Gliederfüßer finden Hohlräume. In feuchteren Randbereichen können auch Amphibien Deckung suchen.
Entscheidend ist jedoch der Aufbau.
Ein kompakter Haufen ohne Zwischenräume ist deutlich weniger wertvoll als eine stabile Struktur aus unterschiedlich großen Steinen mit bewusst erhaltenen Lücken.
Inhaltsverzeichnis
- Warum Steinhaufen so wertvoll sind
- Der richtige Standort
- Größe und Aufbau
- Welches Steinmaterial geeignet ist
- Wer einzieht
- Kombination mit anderen Strukturen
- Pflege
- Rechtlicher Schutzstatus einheimischer Reptilien
- Häufige Fehler
- Häufige Fragen
- Fazit
Warum Steinhaufen so wertvoll sind – Wärmespeicherung, Versteck und Überwinterung
Steine schaffen auf kleinem Raum sehr unterschiedliche Bedingungen.
Eine dunkle oder sonnenexponierte Steinoberfläche kann sich tagsüber deutlich erwärmen. Reptilien sind wechselwarm und nutzen externe Wärmequellen, um ihre Körpertemperatur zu regulieren.
Deshalb sind besonnte Steine attraktive Ruhe- und Aufwärmplätze.
Der entscheidende Lebensraum befindet sich aber nicht nur auf dem Stein.
Er liegt vor allem dazwischen.
Hohlräume bieten Schutz vor Fressfeinden und Witterung. Je nach Aufbau können tiefere Bereiche außerdem als Rückzugs- oder potenzielle Überwinterungsplätze dienen.
Das Bundesamt für Naturschutz beschreibt bei Mauereidechsen ausdrücklich Lebensräume mit einem kleinräumigen Mosaik aus Sonnen-, Versteck- und Eiablageplätzen, Nahrungsgründen sowie Winterquartieren.
Bei Zauneidechsen ist das Prinzip ähnlich.
Sie bevorzugen strukturreiche, wärmebegünstigte Lebensräume mit besonnten Bereichen, Verstecken und grabfähigem Boden.
Ein Steinhaufen erfüllt nicht automatisch alle diese Anforderungen.
Er kann aber ein wichtiger Baustein eines größeren Habitatmosaiks sein.
Der richtige Standort – sonnig, windgeschützt und in der Nähe von Deckung
Für einen wärmeliebenden Steinhaufen ist Sonne entscheidend.
Ein vollständig beschatteter Platz unter großen Bäumen bietet zwar Hohlräume, erfüllt aber eine wichtige Funktion für Reptilien kaum: die schnelle Erwärmung.
Besser ist ein sonniger bis überwiegend sonniger Gartenbereich.
Besonders wertvoll wird er, wenn unterschiedliche Bedingungen direkt nebeneinanderliegen.
Auf einer Seite befindet sich eine freie, besonnte Steinfläche. Wenige Schritte entfernt stehen Gräser, Stauden, eine lockere Hecke oder andere Vegetation.
Damit können Tiere zwischen Wärmeplatz und Deckung wechseln.
Ein vollkommen freistehender Steinhaufen mitten auf einer kurz gemähten Rasenfläche ist deshalb nicht unbedingt die beste Lösung.
Die Umgebung gehört zum Lebensraum.
Auch Windschutz kann hilfreich sein. Eine sonnenexponierte Stelle vor einer Hecke oder an einem geschützten Randbereich erwärmt sich oft besser als eine ständig stark durchlüftete Fläche.
Staunasse Senken sind ungeeignet.
Wer insbesondere Reptilien fördern möchte, kombiniert Wärme mit trockenem, gut drainiertem Untergrund und nahe gelegenen Versteckmöglichkeiten.
Größe und Aufbau – Schichtung, unterschiedliche Steine und Hohlräume
Ein wertvoller Steinhaufen muss nicht riesig sein.
Er sollte aber groß genug sein, um nicht nur eine dünne Lage Steine auf dem Boden zu bilden.
Je mehr Tiefe und unterschiedliche Hohlraumgrößen entstehen, desto vielfältiger wird die Struktur.
Am Anfang stehen die größten und stabilsten Steine.
Sie bilden die Basis.
Darauf werden mittelgroße Steine so verteilt, dass der Aufbau stabil bleibt, aber nicht sämtliche Zwischenräume verschlossen werden.
Kleinere Steine können einzelne Bereiche ergänzen.
Das Ziel ist ausdrücklich keine lückenlose Pflasterfläche.

Bewusst gelassene Lücken zwischen den Steinen machen den Haufen erst richtig bewohnbar.
Unterschiedlich große Lücken erfüllen unterschiedliche Funktionen.
Sehr kleine Spalten können von Gliederfüßern genutzt werden. Größere Hohlräume schaffen potenzielle Verstecke für größere Tiere.
Gleichzeitig muss die Konstruktion stabil sein.
Lose aufeinander balancierende schwere Steine sind weder für Menschen noch für Tiere sinnvoll. Besonders in Gärten mit spielenden Kindern darf der Haufen nicht einsturzgefährdet sein.
Soll die Struktur auch tiefere frostgeschützte Bereiche bieten, muss der Aufbau entsprechend dimensioniert sein. Eine oberflächliche Lage aus zwei oder drei Steinen ersetzt kein Winterquartier.
Wichtig ist außerdem die Verbindung zum Boden.
Nicht jede Lücke sollte mit Erde, Mörtel oder feinem Material verfüllt werden. Gerade die offenen Zwischenräume machen einen Lesesteinhaufen wertvoll.
Welches Steinmaterial geeignet ist
Am sinnvollsten ist unbehandeltes Natursteinmaterial.
Feld- oder Lesesteine, die ohnehin auf dem Grundstück vorhanden sind, können direkt wiederverwendet werden. Auch regional verfügbares Natursteinmaterial passt häufig gut in das Landschaftsbild.
Damit vermeidet man unnötige Transporte und schafft eine optisch natürliche Struktur.
Steine dürfen unterschiedliche Größen und Formen besitzen.
Einige flachere Oberflächen sind als Sonnenplätze besonders interessant. Größere Brocken sorgen für stabile Hohlräume.
Problematisch sind dagegen Materialien mit scharfen Metallteilen, Glasresten, Schadstoffbelastungen oder unbekannter Behandlung.
Auch frisch gebrochene extrem scharfkantige Materialien sind für einen frei zugänglichen Garten weniger geeignet als robuste Natursteine mit sicheren Oberflächen.
Ein Naturgarten-Lebensraum ist kein Entsorgungsplatz für beliebigen Bauschutt.
Wer vorhandenes Recyclingmaterial verwenden möchte, muss sicher wissen, dass es unbelastet und für den vorgesehenen Einsatz geeignet ist.
Mörtel braucht ein einfacher Steinhaufen nicht.
Gerade offene Fugen und Hohlräume sind Teil seines ökologischen Wertes.
Wer einzieht
Welche Tiere einen Steinhaufen tatsächlich nutzen, lässt sich nicht planen.
Der Garten stellt den Lebensraum bereit. Die Tiere entscheiden selbst, ob er zu ihren Bedürfnissen und ihrem natürlichen Vorkommen passt.
Zauneidechse und Mauereidechse
Zauneidechsen brauchen mehr als Steine.
Das BfN beschreibt ihre Lebensräume als halboffen, wärmebegünstigt und strukturreich. Neben Sonnenplätzen benötigen sie Verstecke und für die Eiablage geeigneten grabfähigen Boden.
Ein Steinhaufen in Verbindung mit Vegetation und offenen Bodenstellen kann deshalb wertvoll sein.
Auch Mauereidechsen nutzen warme Steinstrukturen intensiv. Das BfN nennt unter anderem Stein- und Felshänge, Weinberge, alte Mauern und andere wärmebegünstigte Strukturen.
Allerdings kommen Mauereidechsen natürlicherweise nicht überall in Deutschland vor.
Ein Steinhaufen ist deshalb kein Grund, Eidechsen irgendwo einzufangen und in den eigenen Garten zu bringen.
Lebensraum schaffen – und anschließend beobachten.
Wildbienen und Grabwespen
Nicht jede Wildbiene wohnt in einem Insektenhotel.
Viele Arten nutzen Boden, vorhandene Hohlräume oder andere natürliche Kleinstrukturen.
Steine können dabei vor allem das Mikroklima und die Strukturvielfalt verbessern.
Noch wertvoller wird der Bereich, wenn daneben offene, sonnige und grabfähige Boden- oder Sandstellen vorhanden sind.
Auch verschiedene Grabwespen nutzen solche offenen Bereiche.
Der Steinhaufen und ein benachbartes Sandarium erfüllen deshalb unterschiedliche, aber gut kombinierbare Funktionen.
Käfer
Laufkäfer und zahlreiche andere Käfer können die dunklen Zwischenräume zwischen Steinen als Tagesversteck oder Rückzugsraum nutzen.
Welche Arten erscheinen, hängt stark von Garten, Region und Umgebung ab.
Zusätzliche Strukturen erhöhen die Vielfalt.
Steine neben Laub, Totholz, Gräsern und Stauden bieten mehr unterschiedliche Mikrohabitate als eine isolierte Steinfläche.
Spinnen
Spinnen nutzen Spalten, kleine Höhlen und geschützte Übergänge zwischen Vegetation und Steinen.
Einige jagen aktiv am Boden, andere bauen ihre Netze an geeigneten Strukturen.
Für sie ist vor allem entscheidend, dass genügend Beutetiere vorhanden sind und der Bereich nicht ständig gereinigt oder umgebaut wird.
Kröten und Molche in feuchteren Randbereichen
Amphibien brauchen andere Bedingungen als sonnenliebende Eidechsen.
Trotzdem können sie ebenfalls Steinstrukturen nutzen.
Interessant sind besonders kühlere und feuchtere Randbereiche, die nicht den ganzen Tag vollständig austrocknen.
Dort können Kröten oder Molche geschützte Tagesverstecke finden.
Das bedeutet nicht, den gesamten Steinhaufen feucht zu halten.
Gerade die Kombination unterschiedlicher Mikroklimata ist wertvoll: sonnig und trocken auf einer Seite, dichter bewachsen und kühler auf einer anderen.
Kombination mit anderen Strukturen – Totholz, Trockenmauer und Sandarium
Ein einzelner Steinhaufen ist gut.
Ein verbundenes Mosaik verschiedener Strukturen ist meist besser.
Totholz ergänzt Stein hervorragend.
Dicke Äste und Stammstücke bieten andere Temperatur- und Feuchtigkeitsbedingungen und werden von zahlreichen Insekten, Pilzen und weiteren Organismen genutzt.
Eine Trockenmauer funktioniert nach einem ähnlichen Prinzip wie ein gut aufgebauter Steinhaufen.
Auch hier bleiben Fugen offen.
Das BfN hebt für Mauereidechsen ausdrücklich den Wert von Trockensteinmauern mit geeignetem Lückensystem hervor.
Ein Sandarium ergänzt wiederum eine Funktion, die der Steinhaufen selbst kaum erfüllen kann.
Viele bodennistende Wildbienen benötigen offene, möglichst wenig bewachsene, grabfähige Bodenstellen.
Auch Zauneidechsen legen ihre Eier in geeignete besonnte und grabfähige Böden.
Ideal ist deshalb kein Garten voller identischer „Wildtiermodule“.
Besser ist ein Übergang aus Stein, Sand, Totholz, Stauden, Gräsern und dichterer Deckung.
Pflege – möglichst wenig eingreifen und im Winter nicht stören
Ein gut angelegter Steinhaufen braucht kaum Pflege.
Das ist einer seiner größten Vorteile.
Einzelne Pflanzen dürfen an den Rändern wachsen. Gleichzeitig sollte ein Teil der sonnenexponierten Steine frei bleiben, wenn wärmeliebende Tiere gefördert werden sollen.
Stark überwuchernde Gehölze können langfristig zu viel Schatten erzeugen.
Dann reicht ein vorsichtiger Rückschnitt der Vegetation.
Der Steinhaufen selbst wird nicht jedes Frühjahr auseinandergenommen und „gereinigt“.
Genau dadurch würden seine Bewohner gestört.
Besonders wichtig ist Ruhe im Winter.
Zauneidechsen ziehen sich im Jahresverlauf in Winterquartiere zurück und können während der Winterstarre nicht einfach vor einer Störung fliehen.
Deshalb gilt: Ein etablierter Steinhaufen bleibt in der kalten Jahreszeit möglichst unangetastet.
Keine Steine umschichten, keine tiefen Hohlräume öffnen und keine vermeintlich schlafenden Tiere herausnehmen.
Rechtlicher Schutzstatus einheimischer Reptilien
Beim Beobachten von Reptilien ist Zurückhaltung nicht nur ökologisch sinnvoll.
Für mehrere heimische Arten gelten strenge artenschutzrechtliche Vorschriften.
Zauneidechse (Lacerta agilis) und Mauereidechse (Podarcis muralis) stehen beispielsweise in Anhang IV der europäischen FFH-Richtlinie. Das BfN führt beide entsprechend als geschützte Arten.
Für streng geschützte Arten gelten die Zugriffsverbote des Bundesnaturschutzgesetzes.
Für Gartenbesitzer ergibt sich daraus eine einfache praktische Konsequenz:
Wildlebende Eidechsen werden beobachtet und ihr Lebensraum wird erhalten.
Sie werden nicht eingefangen, aus der Natur entnommen oder eigenmächtig an einen vermeintlich besseren Ort umgesetzt.
Auch wenn beim Umbau eines Gartens ein besiedeltes Winterquartier entdeckt wird, sollte nicht improvisiert werden.
Bei einem notwendigen Eingriff in einen nachweislich besiedelten Lebensraum ist fachlicher beziehungsweise behördlicher Rat erforderlich.
Einen Steinhaufen neu anzulegen, damit Tiere ihn freiwillig besiedeln können, ist etwas völlig anderes als Tiere aus der Natur zu holen.
Häufige Fehler
Der Haufen ist zu klein
Drei flache Steine aufeinander schaffen kaum unterschiedliche Temperaturzonen oder tiefere Hohlräume.
Eine dreidimensionale Struktur ist wertvoller.
Der Standort liegt vollständig im Schatten
Für wärmeliebende Reptilien und viele Insekten fehlt dann die wichtige Sonnenwärme.
Mindestens ein größerer Bereich sollte gut besonnt sein.
Alle Lücken werden verfüllt
Erde, Mörtel oder feiner Schotter in jeder Fuge beseitigen genau die Hohlräume, die Tiere benötigen.
Ein Teil der Spalten bleibt bewusst offen.
Der Steinhaufen steht isoliert im Rasen
Lebensräume funktionieren besser als Netzwerk.
Vegetation, offene Bodenstellen, Totholz und weitere Deckung in der Umgebung erhöhen den Wert.
Im Winter wird umgebaut
Ein scheinbar leerer Hohlraum kann als Winterquartier genutzt werden.
Größere Umbauten deshalb nicht während der Überwinterungszeit durchführen.
Eidechsen werden angesiedelt
Ein attraktiver Garten wird nicht dadurch verbessert, dass Tiere aus der Natur eingefangen werden.
Geeignete Strukturen schaffen und natürliche Besiedlung zulassen.
Häufige Fragen
Wie groß sollte ein Steinhaufen im Naturgarten sein?
Es gibt keine universelle Mindestgröße für jeden Garten. Entscheidend ist, dass eine echte dreidimensionale Struktur mit unterschiedlich großen und möglichst auch tieferen Hohlräumen entsteht. Ein größerer stabiler Haufen bietet in der Regel mehr Mikrohabitate als eine dünne Steinschicht.
Muss ein Steinhaufen in voller Sonne liegen?
Für Eidechsen und andere wärmeliebende Tiere ist ein gut besonnter Bereich besonders wertvoll. Ideal ist ein Standort, der Sonnenplätze mit nahe gelegener Vegetation und Deckung verbindet.
Kann ich dafür Bauschutt verwenden?
Unbekanntes oder möglicherweise belastetes Material gehört nicht in einen Naturgarten-Lebensraum. Unbehandelter Naturstein beziehungsweise vorhandener Feld- oder Lesestein ist die einfachste Wahl.
Wie locke ich Eidechsen in meinen Garten?
Am besten gar nicht aktiv. Man schafft geeignete Lebensräume aus Sonnenplätzen, Verstecken, Deckung und gegebenenfalls offenen grabfähigen Bodenstellen. Ob Eidechsen einwandern, hängt davon ab, ob natürliche Populationen in erreichbarer Umgebung vorkommen.
Darf ich eine gefundene Eidechse in meinen Steinhaufen setzen?
Wildlebende Reptilien sollten nicht eingefangen und eigenmächtig umgesetzt werden. Bei streng geschützten Arten wie Zaun- und Mauereidechse gelten zudem besondere artenschutzrechtliche Vorschriften.
Muss ich den Steinhaufen reinigen?
Nein. Laub und kleine Mengen organischen Materials in geschützten Randbereichen können sogar zusätzliche Mikrohabitate schaffen. Wichtig ist lediglich, dass sonnenexponierte Bereiche nicht vollständig zuwachsen und die Konstruktion stabil bleibt.
Ist ein Steinhaufen auch ohne Eidechsen sinnvoll?
Ja. Hohlräume und unterschiedliche Mikroklimata können von Käfern, Spinnen und anderen Kleintieren genutzt werden. Zusammen mit Totholz, Sandstellen und vielfältiger Vegetation erhöht der Steinhaufen die Strukturvielfalt des Gartens.
Fazit
Ein Steinhaufen ist eines der einfachsten Beispiele dafür, dass ein wertvoller Naturgarten nicht perfekt aufgeräumt aussehen muss.
Seine Wirkung entsteht durch Struktur.
Besonnte Oberflächen speichern Wärme. Schmale Spalten und größere Hohlräume schaffen Verstecke. Tiefere Bereiche können geschütztere Bedingungen bieten, während angrenzende Vegetation schnelle Flucht- und Rückzugsmöglichkeiten schafft.
Für Zaun- und Mauereidechsen ist genau dieses Nebeneinander verschiedener Funktionen wichtig.
Ein Steinhaufen allein ist deshalb noch kein vollständiger Eidechsenlebensraum.
Besonders wertvoll wird er zusammen mit offenen Bodenstellen, dichterer Vegetation, Totholz und möglichst störungsarmen Bereichen.
Dasselbe Prinzip hilft zahlreichen kleineren Tieren.
Käfer und Spinnen nutzen andere Hohlräume als Eidechsen. Bodennistende Wildbienen profitieren zusätzlich von offenen Sand- und Bodenstellen. Kröten und Molche können wiederum kühlere, feuchtere Randbereiche als Deckung nutzen.
Beim Aufbau gilt deshalb nicht: möglichst viele Steine möglichst dicht stapeln.
Große und kleinere Natursteine werden stabil kombiniert, aber ein Teil der Zwischenräume bleibt bewusst offen.
Danach beginnt der vielleicht wichtigste Teil der Pflege: wenig tun.
Nicht ständig umschichten, nicht jede Fuge reinigen und besonders im Winter keine potenziellen Quartiere öffnen.
Und wenn tatsächlich eine Eidechse auf einem warmen Stein erscheint, bleibt sie genau dort.
Heimische Reptilien sind Wildtiere, und mehrere Arten genießen strengen gesetzlichen Schutz. Naturgartenpflege bedeutet deshalb Lebensräume anzubieten, nicht Tiere einzufangen oder aus anderen Gebieten anzusiedeln.
So wird aus einem scheinbar unscheinbaren Haufen Steine ein dauerhaftes Stück Gartenstruktur – warm an der Oberfläche, geschützt im Inneren und für seine Bewohner vor allem deshalb wertvoll, weil es in Ruhe gelassen wird.
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- Naturgarten anlegen: die wichtigsten Grundlagen
- Totholz im Naturgarten
- Insektenfreundlicher Garten anlegen
Quellen und weiterführende Informationen
- Bundesamt für Naturschutz – Artenporträts von Zauneidechse und Mauereidechse sowie Hinweise zu Lebensraum und Artenschutz
- NABU – naturnahe Gartengestaltung, Lesesteinhaufen und Trockenmauern
- Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde – Feldherpetologie, Zauneidechse und Schutz heimischer Reptilien