Tagpfauenauge und Kleiner Fuchs im Winter: Wo überwinternde Schmetterlinge ruhen
An einem kalten Wintertag wirkt der Garten beinahe schmetterlingsleer. Keine bunten Falter schweben über Stauden, keine Tiere sitzen mit ausgebreiteten Flügeln in der Sonne. Einige Schmetterlinge sind trotzdem noch da – nur fast unsichtbar.
Tagpfauenauge und Kleiner Fuchs gehören zu den Arten, die den Winter als ausgewachsene Falter überdauern. Sie können sich dafür in geschützte Bereiche zurückziehen und ihren Stoffwechsel stark herunterfahren. Andere Arten wählen ganz andere Strategien: Sie überwintern als Ei, Raupe oder Puppe, während manche Wanderfalter im Herbst große Strecken zurücklegen.
Wer Schmetterlinge überwintern sieht, sollte deshalb vor allem eines tun: sie in Ruhe lassen. Ein scheinbar regungsloser Falter an einer Schuppenwand ist nicht automatisch tot und benötigt normalerweise keine menschliche „Rettung“. Störungen und Wärme können seine begrenzten Energiereserven unnötig beanspruchen.
Inhaltsverzeichnis
- Welche Arten als Falter überwintern
- Winterquartiere
- Ruhe und Energie
- Was tun, wenn ein Falter im Haus fliegt?
- Wie der Garten helfen kann
- Nahrung im Spätherbst und Frühling
- Wann sie erwachen
- Häufige Fehler
- Häufige Fragen
- Fazit
Welche Arten als Falter überwintern
Schmetterlinge haben erstaunlich unterschiedliche Strategien entwickelt, um die kalte Jahreszeit zu überstehen.
Je nach Art wird als Ei, Raupe, Puppe oder fertiger Falter überwintert. Nur ein Teil unserer Tagfalter verbringt die kalte Jahreszeit als ausgewachsener Schmetterling. Der NABU nennt unter anderem Tagpfauenauge, Kleinen Fuchs, Zitronenfalter, C-Falter, Trauermantel und Großen Fuchs.
Tagpfauenauge
Das Tagpfauenauge (Aglais io) gehört zu den bekanntesten Gartenfaltern.
Seine großen Augenflecken sind im Sommer kaum zu übersehen. Im Winter sieht das Tier dagegen viel unscheinbarer aus: Mit geschlossenen Flügeln dominieren dunkle Farbtöne, die eine gute Tarnung ermöglichen.
Tagpfauenaugen können geschützte Bereiche in Gebäuden oder natürliche Verstecke zur Überwinterung nutzen. Der NABU nennt unter anderem Keller, Dachstühle und ähnliche frostgeschützte Bereiche.
Kleiner Fuchs
Auch der Kleine Fuchs (Aglais urticae) überwintert als ausgewachsener Falter.
Nach Angaben des NABU nutzt er dafür witterungsgeschützte Orte wie Höhlen, Dachböden, Keller oder Schuppen. An den ersten geeigneten warmen Tagen kann er sein Winterquartier wieder verlassen.
C-Falter
Der C-Falter (Polygonia c-album) ist an seinen stark gezackten Flügelrändern und dem hellen C-förmigen Zeichen auf der Flügelunterseite zu erkennen.
Auch er gehört zu den Arten, die als fertige Falter überwintern können. Geschützte natürliche Strukturen spielen dabei eine wichtige Rolle.
Zitronenfalter
Der Zitronenfalter verfolgt eine bemerkenswert andere Strategie.
Während Tagpfauenauge und Kleiner Fuchs häufig geschütztere Quartiere aufsuchen, kann der Zitronenfalter den Winter auch in der Vegetation verbringen. Der NABU beschreibt spezielle physiologische Anpassungen, die ihm eine hohe Kältetoleranz ermöglichen.
Deshalb sollte man nicht von einer Art auf alle anderen schließen.
Admiral
Beim Admiral (Vanessa atalanta) ist die Situation komplexer.
Er ist ein Wanderfalter, und Wanderbewegungen spielen bei seiner Überwinterungsstrategie eine wichtige Rolle. Der NABU beschreibt den herbstlichen Zug von Admiralen nach Süden. Deshalb sollte man den Admiral nicht pauschal genauso als heimischen Winterfalter behandeln wie Tagpfauenauge oder Kleinen Fuchs.
Winterquartiere

Kühle, dunkle und frostfreie Räume wie Schuppen und Holzlager dienen vielen Faltern als Winterquartier.
Ein gutes Winterquartier für Tagpfauenauge oder Kleinen Fuchs ist nicht gemütlich im menschlichen Sinn.
Ein beheiztes Wohnzimmer wäre gerade das Gegenteil dessen, was ein überwinternder Falter benötigt.
Der NABU nennt für überwinternde Schmetterlinge unter anderem Holzschuppen, Scheunen, Keller, Dachstühle und Naturhöhlungen. Beim Kleinen Fuchs werden ebenfalls Dachböden, Keller, Schuppen und Höhlen als mögliche witterungsgeschützte Quartiere genannt.
Auch Baumhöhlen und andere natürliche Hohlräume können je nach Art und Situation Schutz bieten.
Wichtig ist dabei die vorsichtige Formulierung: Nicht jeder Schuppen beherbergt Schmetterlinge, nicht jeder Keller ist geeignet, und nicht jede überwinternde Art stellt dieselben Ansprüche.
Kühl statt warm
Für Tagpfauenauge und Kleinen Fuchs sind kühle Bedingungen wichtig, damit die Tiere nicht unnötig aktiv werden.
Der NABU warnt davor, überwinternde Schmetterlinge dauerhaft in warmen Räumen zu belassen. Werden sie durch Wärme aktiv, verbrauchen sie Energie, obwohl im Winter kaum geeignete Nahrungsquellen zur Verfügung stehen.
Ein überwinternder Falter, der regungslos in einem kühlen Schuppen sitzt, befindet sich daher nicht in einer Situation, die automatisch menschliches Eingreifen erfordert.
Ruhe und Energie
Schmetterlinge sind wechselwarme Tiere. Ihre Aktivität hängt stark von der Umgebungstemperatur ab.
Während der kalten Jahreszeit wird der Stoffwechsel stark reduziert. Der NABU beschreibt überwinternde Falter als starr ruhend und weist darauf hin, dass Störungen unnötig Energiereserven kosten können.
Genau deshalb lautet die wichtigste Regel:
Einen ruhenden Schmetterling nicht anfassen, aufwecken oder in einen warmen Raum bringen.
Auch eine vermeintlich hilfreiche Fütterung ist bei einem ruhig überwinternden Falter nicht notwendig.
Frühjahrsputz mit Blick auf die Wand
Besonders leicht werden Wintergäste beim Aufräumen übersehen.
Wer im Winter oder zeitigen Frühjahr einen Schuppen, Dachboden oder kühlen Keller aufräumt, sollte dunkle Ecken, Balken und Wände vorher ansehen.
Ein Falter mit geschlossenen Flügeln kann erstaunlich unauffällig wirken.
Auch Holzstapel und andere geschützte Gartenstrukturen sollten im Winter nicht unnötig komplett auseinandergenommen werden.
Was tun, wenn ein Falter im Haus fliegt?
Manchmal passiert genau das Gegenteil: Statt ruhig in seinem Winterquartier zu sitzen, fliegt plötzlich mitten im Winter ein Tagpfauenauge durchs Wohnzimmer.
Häufig hat Wärme den Falter aktiviert.
Der NABU weist darauf hin, dass überwinternde Schmetterlinge in warmen Räumen ihre Energiereserven zu schnell verbrauchen können. Für aufgefundene Falter empfiehlt er deshalb einen kühlen, unbeheizten Raum, in dem sie möglichst ungestört weiter ruhen können.
Nicht einfach in Frost hinaussetzen
Ein im warmen Zimmer aktiv gewordener Falter sollte nicht reflexartig direkt in eine frostige Winternacht gesetzt werden.
Gerade Tagpfauenauge und Kleiner Fuchs suchen geschützte Winterquartiere. Ein abrupter Wechsel vom beheizten Raum in starken Frost ist daher keine sinnvolle Standardlösung.
Besser ist es, den Falter möglichst vorsichtig in einen geeigneten kühlen, unbeheizten und geschützten Bereich zu bringen, sofern ein solcher vorhanden ist. Dort kann er wieder zur Ruhe kommen.
Das Tier sollte dabei möglichst wenig angefasst werden. Besonders die Flügel werden nicht zwischen den Fingern gegriffen.
Wenn der Falter bereits in einem geeigneten kühlen Quartier sitzt, gilt weiterhin: nichts tun.
Wie der Garten helfen kann
Ein schmetterlingsfreundlicher Garten besteht nicht nur aus Sommerblumen.
Überwinterungsstrukturen gehören ebenfalls dazu.
Nicht jede Ecke aufräumen
Reisig, Laub, Totholz und andere geschützte Strukturen können verschiedenen Insekten während des Winters Rückzugsmöglichkeiten bieten.
Der NABU empfiehlt ausdrücklich, nicht sämtliches Falllaub zu entfernen und Reisighaufen als mögliche Winterquartiere beziehungsweise geschützte Bereiche im Garten zu belassen.
Schuppen und Dachböden
Ein wenig genutzter, kühler Schuppen kann ein mögliches Winterquartier sein.
Auch Dachböden werden von überwinternden Faltern genutzt. Wird dort ein Tagpfauenauge oder Kleiner Fuchs entdeckt, sollte der Platz möglichst ungestört bleiben.
Das bedeutet allerdings nicht, Gebäude dauerhaft weit offen stehen zu lassen. Gebäudeschutz, Feuchtigkeit, andere Tiere und Sicherheit müssen ebenfalls berücksichtigt werden.
Schmetterlingskästen kritisch betrachten
Sogenannte Schmetterlingshäuser oder Schmetterlingskästen werden im Handel häufig als fertige Lösung angeboten.
Ein Kasten allein macht einen Garten jedoch nicht schmetterlingsfreundlich. Wesentlich wichtiger sind geeignete Raupenfutterpflanzen, Nektarquellen und ungestörte natürliche Strukturen.
Wer Tagpfauenauge und Kleinen Fuchs fördern möchte, sollte deshalb auch an Brennnesseln denken. Das Bundesamt für Naturschutz nennt Brennnesseln als wichtige Raupenfutterpflanzen dieser beiden Arten.
Mehr dazu erklärt der verifizierte Einfache-Idee-Beitrag Brennnesseln im Garten: Raupenfutter für Schmetterlinge.
Nahrung im Spätherbst und Frühling
Überwinterung beginnt nicht erst mit dem ersten Frost.
Im Herbst müssen Falter geeignete Nahrungsquellen finden, bevor sie sich zurückziehen beziehungsweise – bei wandernden Arten – ihre Reise fortsetzen.
Efeu als späte Nektarquelle
Alter, blühfähiger Efeu ist dabei besonders interessant.
Seine Blüte liegt spät im Jahr und wird von unterschiedlichen Insekten besucht. Auch Schmetterlinge können die Blüten nutzen; unter anderem werden Admiral und C-Falter als Besucher beobachtet.
Mehr über diese ungewöhnlich späte Nahrungsquelle steht im verifizierten Einfache-Idee-Artikel Efeu im Garten: Warum die Herbstblüte für Insekten so wichtig ist.
Spät blühende heimische oder standortgeeignete Pflanzen ergänzen das Angebot.
Weiden und Frühblüher im Frühjahr
Nach dem Winter zählt das andere Ende der Saison.
Das Bundesamt für Naturschutz weist darauf hin, dass Frühblüher Insekten bereits kurz nach dem Winter Nahrung bieten. Beim Tagpfauenauge nennt das BfN beispielsweise blühende Weidenkätzchen und Löwenzahn als frühe Nahrungsquellen.
Ein schmetterlingsfreundlicher Garten sollte deshalb nicht nur im Hochsommer blühen.
Interessant ist eine möglichst lange Abfolge geeigneter Pflanzen – von frühen Frühlingsblüten bis zu späten Herbstblüten.
Wann sie erwachen
Ein festes Datum für das Erwachen überwinternder Schmetterlinge gibt es nicht.
Temperatur, Sonneneinstrahlung, Mikroklima, Region und Art beeinflussen, wann die ersten Falter aktiv werden.
Der NABU beschreibt Tagpfauenauge, Kleinen Fuchs und andere als Falter überwinternde Arten als besonders frühe Frühlingsbeobachtungen. An geeigneten warmen Tagen können sie ihre Winterquartiere verlassen.
Beobachten statt aufwecken
Wer einen überwinternden Falter kennt, sollte nicht regelmäßig prüfen, ob er „schon wach“ ist.
Besser ist es, Abstand zu halten und später draußen nach den ersten aktiven Tieren Ausschau zu halten.
Sonnige, windgeschützte Gartenbereiche mit frühen Blüten sind dafür besonders interessant.
Beobachtungen können auch einen wissenschaftlichen Wert bekommen. Das Portal Schmetterlinge Baden-Württemberg dokumentiert aktuelle und historische Nachweise der Schmetterlingsfauna Baden-Württembergs und ermöglicht auch die Meldung von Beobachtungen.
Häufige Fehler
Einen ruhenden Falter ins warme Wohnzimmer holen: Wärme kann ihn aktivieren und dadurch seine Energiereserven beanspruchen.
Einen im Haus fliegenden Tagpfauenauge sofort in starken Frost setzen: Für Arten, die geschützte Quartiere nutzen, ist ein geeigneter kühler, unbeheizter Schutzraum die vorsichtigere Lösung.
Den Falter regelmäßig anfassen: Überwinternde Tiere sollten möglichst ungestört bleiben.
Flügel zwischen den Fingern greifen: Schmetterlingsflügel sind empfindlich und sollten nicht unnötig berührt werden.
Schuppen und Holzstapel mitten im Winter vollständig ausräumen: Darin können sich überwinternde Tiere befinden.
Nur Nektarpflanzen setzen: Schmetterlinge benötigen auch geeignete Pflanzen für ihre Raupen. Tagpfauenauge und Kleiner Fuchs sind eng mit Brennnesseln verbunden.
Jeden Schmetterling gleich behandeln: Zitronenfalter, Tagpfauenauge und wandernde Admirale verfolgen unterschiedliche Überwinterungsstrategien.
Häufige Fragen
Überwintert das Tagpfauenauge als Schmetterling?
Ja. Das Tagpfauenauge gehört zu den Arten, die als ausgewachsene Falter überwintern. Geschützte Bereiche in Gebäuden und natürliche Verstecke können dabei als Quartier dienen.
Wo überwintert der Kleine Fuchs?
Der NABU nennt unter anderem Höhlen, Dachböden, Keller und Schuppen als mögliche witterungsgeschützte Winterquartiere. Nicht jeder Falter nutzt jedoch zwangsläufig denselben Quartiertyp.
Soll ich einen schlafenden Schmetterling füttern?
Ein ruhig überwinternder Falter sollte vor allem nicht gestört werden. Der NABU weist darauf hin, dass Aktivität wertvolle Energiereserven verbraucht.
Was mache ich mit einem Tagpfauenauge im warmen Wohnzimmer?
Ist der Falter durch die Wärme aktiv geworden, sollte er nicht dauerhaft im beheizten Raum bleiben. Der NABU empfiehlt für aufgefundene überwinternde Schmetterlinge einen kühlen, unbeheizten Raum, in dem sie ungestört weiter ruhen können.
Darf ich einen aktiven Falter im Winter einfach nach draußen setzen?
Bei Frost sollte das nicht reflexartig geschehen. Tagpfauenauge und Kleiner Fuchs nutzen geschützte Winterquartiere. Ein geeigneter kühler, unbeheizter Schutzraum ist daher bei einem versehentlich aktivierten Tier die vorsichtigere Zwischenlösung.
Überwintert der Zitronenfalter ebenfalls als erwachsener Falter?
Ja. Anders als Tagpfauenauge und Kleiner Fuchs kann er auch relativ ungeschützt in der Vegetation überwintern. Seine physiologischen Anpassungen machen ihn besonders kälteresistent.
Wann kommen die ersten überwinternden Schmetterlinge wieder hervor?
Das hängt von Art, Region und Witterung ab. An geeigneten warmen Frühlingstagen können Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs, C-Falter und andere als Falter überwinternde Arten wieder aktiv werden. Ein starres Kalenderdatum gibt es nicht.
Fazit
Wer im Winter ein Tagpfauenauge an der Wand eines Schuppens entdeckt, erlebt etwas, das normalerweise verborgen bleibt.
Der Falter wartet.
Tagpfauenauge und Kleiner Fuchs gehören zu den Schmetterlingen, die als erwachsene Tiere durch die kalte Jahreszeit kommen. C-Falter und Zitronenfalter verfolgen ebenfalls diese Strategie, wobei sich die genutzten Quartiere und die Kältetoleranz zwischen den Arten unterscheiden können. Beim Admiral spielen dagegen Wanderbewegungen eine wichtige Rolle.
Für Gartenbesitzer ist die wichtigste Hilfe überraschend einfach: überwinternde Schmetterlinge in Ruhe lassen.
Ein Falter in einem kühlen Schuppen oder Dachraum muss nicht ins Haus geholt, gefüttert oder regelmäßig kontrolliert werden. Wärme kann ihn unnötig aktivieren und seine Energiereserven beanspruchen.
Wird ein Falter dagegen mitten im Winter in einem beheizten Wohnraum aktiv, sollte er möglichst vorsichtig in einen geeigneten kühlen, unbeheizten und geschützten Bereich gelangen. Direktes Aussetzen bei Frost ist keine gute Standardmaßnahme.
Auch der Garten selbst kann helfen.
Laub, Reisig, Holz und geschützte Ecken müssen nicht vollständig verschwinden. Brennnesseln versorgen die Raupen von Tagpfauenauge und Kleinem Fuchs, alte Efeupflanzen liefern späte Blüten, und Frühblüher sowie Weiden können nach dem Winter wieder erste Nahrungsquellen bieten.
So entsteht Schmetterlingsschutz nicht durch ständiges Eingreifen, sondern häufig durch das Gegenteil: weniger aufräumen, genauer beobachten und einem stillen Wintergast einfach seinen Platz lassen.