Feldhase im Winter: Wie er überlebt, wo er ruht und wie man ihn schützt
Ein Feldhase auf einem verschneiten Acker wirkt auf den ersten Blick erstaunlich ungeschützt. Kein Bau, keine Höhle und kein warmes Nest trennt ihn von Wind, Frost und Niederschlag. Trotzdem verbringt der Feldhase den Winter vollständig oberirdisch.
Seine Strategie besteht aus Tarnung, einem wärmenden Winterfell, geschützten Ruheplätzen und einer sehr zurückhaltenden Lebensweise. Tagsüber liegt er häufig in einer flachen Mulde, der sogenannten Sasse. Erst in der Dämmerung und nachts wird er deutlich aktiver.
Der Feldhase (Lepus europaeus) wird in der nationalen Roten Liste der Säugetiere geführt. Aussagen über seine Situation sollten dennoch differenziert bleiben: Bestände und Lebensbedingungen können regional unterschiedlich sein. Klar ist, dass strukturreiche Agrarlandschaften mit Brachen, Hecken, Wildkräutern und Deckung für die Art wichtig sind.
Der Feldhase
Der Feldhase gehört zu den bekanntesten Bewohnern offener Kulturlandschaften. Trotzdem wird er häufig mit dem Wildkaninchen verwechselt.
Ein ausgewachsener Feldhase ist deutlich größer und langbeiniger. Besonders auffällig sind seine sehr langen Ohren mit dunklen Spitzen und die kräftigen Hinterläufe. Im Winter erscheint sein Fell häufig heller und graubrauner als im Sommer.
Hase oder Kaninchen?
Der Unterschied liegt nicht nur in der Größe.
Wildkaninchen besitzen vergleichsweise kürzere Ohren und Beine und leben in Gruppen. Sie graben ausgedehnte Baue, in die sie sich bei Gefahr zurückziehen.
Feldhasen graben dagegen keinen Wohnbau. Sie leben überwiegend einzelgängerisch und ruhen oberirdisch in ihrer Sasse. Das BfN beschreibt Feldhasen als Bewohner von Feldern und Wiesen, während Kaninchen stärker an ihre unterirdischen Baue gebunden sind.
Auch bei der Flucht zeigt sich der Unterschied. Ein Feldhase kann über offene Flächen weit davonlaufen und dabei abrupt die Richtung wechseln. Das bekannte „Hakenschlagen“ hilft ihm, Verfolger abzuschütteln.
Winter im Feld

In der Sasse ruht der Hase tagsüber, durch sein Fell ist er im Gras kaum zu sehen.
Der Feldhase hält keinen Winterschlaf.
Er bleibt auch während der kalten Jahreszeit aktiv und muss weiterhin Nahrung finden. Die Deutsche Wildtier Stiftung beschreibt, dass Feldhasen selbst im Winter ihre Sassen auf dem Acker nutzen und sich dort bei Schnee sogar einschneien lassen können.
Die Sasse als Ruhelager
Eine Sasse ist keine tiefe Höhle.
Es handelt sich um eine flache Mulde im Boden, die der Hase als Ruheplatz nutzt. Je nach Landschaft kann sie beispielsweise zwischen Vegetation, in einer Ackerfurche oder an einer anderen übersichtlichen und geschützten Stelle liegen.
Dort drückt sich der Feldhase eng an den Boden. Seine Fellfarbe lässt ihn mit trockener Vegetation, Erde und winterlichen Brauntönen verschmelzen.
Diese Tarnung erklärt ein Verhalten, das Spaziergänger manchmal überrascht: Ein Hase bleibt sehr lange liegen und springt erst im letzten Augenblick auf.
Nahrung im Winter
Feldhasen sind Pflanzenfresser.
Während in der Vegetationsperiode verschiedene Gräser und Kräuter verfügbar sind, verändert sich das Angebot im Winter. Dann können unter anderem verholzte Pflanzenteile, Knospen und Rinde an Bedeutung gewinnen. Die Deutsche Wildtier Stiftung beschreibt ausdrücklich, dass im Winter und Frühjahr der Anteil von Holz und Rinde an der Nahrung steigt.
NABU-Material nennt Gräser und Wildkräuter als wichtige Bestandteile der Hasennahrung und betont den Wert vielfältiger Vegetation.
Wer im Schnee Hasenspuren entdeckt, kann sie mit dem Einfache-Idee-Ratgeber Spuren im Schnee lesen genauer einordnen.
Fortpflanzung
Beim Feldhasen kann die Fortpflanzungsaktivität erstaunlich früh im Jahr beginnen.
Der genaue Verlauf hängt jedoch von Witterung, Region und individuellen Bedingungen ab. Besonders in milden Wintern können bereits früh Paarungsaktivitäten auftreten.
Bekannt sind die auffälligen Verfolgungsjagden und „Boxkämpfe“, bei denen sich Tiere mit den Vorderpfoten gegenüberstehen. Die Deutsche Wildtier Stiftung beschreibt außerdem die besondere Fortpflanzungsbiologie der Art, bei der Häsinnen während einer bestehenden Trächtigkeit erneut befruchtet werden können.
Für Spaziergänger ist vor allem eine Konsequenz wichtig: Schon relativ früh im Jahresverlauf können junge Feldhasen in der Landschaft vorkommen. Deshalb sollte man auch außerhalb des klassischen Frühlings mit ihnen rechnen und vermeintlich „verlassene“ Jungtiere nicht vorschnell aufnehmen.
Gefährdung
Der Feldhase wird in der nationalen Roten Liste der Säugetiere Deutschlands geführt. Daraus sollte jedoch keine pauschale Aussage abgeleitet werden, dass seine Situation überall in Deutschland identisch wäre.
Lebensraumqualität und Bestandsentwicklung unterscheiden sich regional.
Intensive Landwirtschaft
Ein wichtiges Problem ist der Verlust strukturreicher Lebensräume.
Große, einheitlich bewirtschaftete Flächen können zeitweise wenig Deckung und ein eingeschränktes Nahrungsangebot bieten. NABU und Deutsche Wildtier Stiftung heben deshalb Brachen, Wildkräuter, Altgrasstreifen und andere Refugialflächen als wichtige Maßnahmen hervor.
Besonders für Junghasen ist Deckung entscheidend.
Straßenverkehr
Straßen zerschneiden Lebensräume und schaffen zusätzliche Gefahren.
Wer besonders in der Dämmerung durch offene Feldlandschaften fährt, sollte deshalb mit querenden Wildtieren rechnen.
Prädatoren
Feldhasen gehören natürlicherweise zum Nahrungsspektrum verschiedener Beutegreifer.
NABU nennt insbesondere für Junghasen unter anderem Füchse, Marder, Wildschweine und Greifvögel als mögliche Prädatoren.
Prädation ist ein natürlicher ökologischer Prozess. Problematisch wird die Situation vor allem dann, wenn gleichzeitig geeignete Deckung und Rückzugsräume fehlen.
Wetter
Junghasen leben von Anfang an oberirdisch und sind damit unmittelbar der Witterung ausgesetzt.
Nasskalte Phasen können für sie besonders ungünstig sein. Untersuchungen zur Feldhasenökologie zeigen, dass Witterung und Lebensraumqualität gemeinsam den Fortpflanzungserfolg beeinflussen können.
Wie man Hasen schützt
Feldhasenschutz bedeutet vor allem Lebensraumschutz.
Ein einzelner Garten kann keine strukturreiche Feldflur ersetzen. Gärten, Feldränder, landwirtschaftliche Flächen und Landschaftselemente können zusammen aber Rückzugsräume schaffen.
Brachen erhalten
Brachen bieten Nahrung und Deckung.
NABU nennt Rotationsbrachen und mehrjährige Blühflächen ausdrücklich als Maßnahmen, von denen Feldhasen profitieren können.
Hecken und Säume
Hecken, Gebüsche, Altgras und krautreiche Säume unterbrechen offene Flächen und erhöhen die Strukturvielfalt.
Dabei ist nicht nur das Gehölz selbst wichtig. Besonders wertvoll sind Übergangsbereiche zwischen Hecke, Gras, Kräutern und offener Fläche.
Auch Totholz- und Reisigstrukturen können in einem naturnahen Garten zusätzliche Deckung für verschiedene Tiere schaffen. Der Einfache-Idee-Beitrag Benjeshecke selber bauen erklärt, wie eine solche Struktur sicher angelegt wird.
Blühstreifen
Mehrjährige Blühflächen können neben Insekten auch Feldtieren zugutekommen.
Für Feldhasen sind dabei nicht nur Blüten entscheidend. Die Vegetation bietet zugleich Nahrung und Deckung. Die Deutsche Wildtier Stiftung betont den Nutzen mehrjähriger Wildpflanzenbestände auch während des Winters.
Hunde kontrollieren
Wer mit einem Hund durch Feld und Wiese geht, sollte ihn in Gebieten mit Feldhasen zuverlässig unter Kontrolle halten und, wo erforderlich oder ökologisch sinnvoll, anleinen.
Ein aufgescheuchter Hase muss Energie für die Flucht aufwenden. Noch kritischer kann ein frei laufender Hund für versteckte Jungtiere sein.
Besonders während der Fortpflanzungszeit ist Rücksicht wichtig.
Beobachten
Feldhasen lassen sich besonders gut aus der Entfernung beobachten.
Da sie überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv sind, steigen die Chancen am frühen Morgen oder gegen Abend.
Ein Fernglas ist dabei hilfreicher als der Versuch, näher heranzugehen.
Bleibt ein Hase regungslos sitzen, bedeutet das nicht, dass er einen Menschen nicht bemerkt hat. Das Stillhalten ist Teil seiner Tarnstrategie.
Deshalb sollte man nicht versuchen, ihn zum Aufstehen zu bringen, nur um ein Foto von einem laufenden Tier zu bekommen.
Auch eine gefundene Sasse wird nicht näher untersucht oder betreten. Wer Spuren, Fell oder Ruheplätze entdeckt, kann sie aus Abstand betrachten und anschließend weitergehen.
Junge Feldhasen finden
Ein allein sitzender Junghase ist einer der häufigsten Gründe für unnötige menschliche Eingriffe.
Feldhasen verstecken ihre Jungen nicht gemeinsam in einem Nest. Die Jungtiere sind behaart, können sehen und liegen häufig einzeln in Deckung.
Nicht anfassen
Ein gesund wirkender Junghase wird nicht aufgenommen, gestreichelt oder mit nach Hause genommen.
Auch wenn weit und breit keine Mutter zu sehen ist, ist das zunächst normal.
Die Deutsche Wildtier Stiftung weist ausdrücklich darauf hin, dass junge Feldhasen häufig verlassen wirken, obwohl sie es nicht sind. Die Häsin hält Abstand und sucht ihre Jungen nur kurz zum Säugen auf.
Dieses Verhalten reduziert die Aufmerksamkeit, die Fressfeinde auf die Jungtiere richten könnten.
Abstand gewinnen
Wer einen Junghasen entdeckt, entfernt sich ruhig und hält auch Hunde fern.
Kinder sollten den Hasen aus der Entfernung betrachten und ihn ebenfalls nicht anfassen.
Nur wenn ein Tier eindeutig verletzt ist, von Hund oder Katze attackiert wurde oder sich in einer unmittelbaren Gefahrensituation befindet, ist fachkundige Hilfe sinnvoll. Dann sollte eine Wildtierstation oder tierärztliche Fachstelle kontaktiert werden, statt das Tier eigenmächtig aufzuziehen.
Häufige Fragen
Hält der Feldhase Winterschlaf?
Nein. Feldhasen bleiben während des Winters aktiv. Sie ruhen tagsüber häufig in ihrer Sasse und suchen weiterhin pflanzliche Nahrung.
Wo schläft ein Feldhase im Winter?
Er nutzt eine flache Bodenmulde, die Sasse. Sie liegt oberirdisch und wird so gewählt, dass Tarnung, Übersicht und ein gewisser Schutz zusammenkommen.
Was frisst ein Feldhase im Winter?
Neben verbliebener krautiger Vegetation können im Winter verholzte Pflanzenteile und Rinde wichtiger werden. Feldhasen sind reine Pflanzenfresser.
Wie unterscheidet man Feldhase und Kaninchen?
Feldhasen sind größer, langbeiniger und besitzen auffallend lange Ohren mit dunklen Spitzen. Sie leben oberirdisch und nutzen Sassen. Kaninchen sind kleiner und ziehen sich in selbst gegrabene Baue zurück.
Soll man einen allein gefundenen Junghasen mitnehmen?
Nein. Ein allein liegender, unverletzter Junghase ist normalerweise kein verlassenes Tier. Nicht anfassen, Hunde fernhalten und den Ort verlassen.
Wann kann man Feldhasen gut beobachten?
Die Chancen sind vor allem in der Dämmerung gut, weil Feldhasen überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv sind. Beobachtet wird aus größerer Entfernung, idealerweise mit einem Fernglas.
Fazit
Der Feldhase im Winter braucht weder einen unterirdischen Bau noch einen Winterschlaf. Er bleibt aktiv und begegnet Kälte mit einer Strategie, die auf Tarnung, Ruhe und sparsamer Bewegung beruht.
Seine Sasse ist dabei von zentraler Bedeutung. In dieser flachen Bodenmulde verbringt der Hase einen großen Teil seiner Ruhezeit. Selbst Schnee kann zur zusätzlichen Deckung werden.
Schwieriger wird das Überleben dort, wo die Landschaft kaum noch Rückzugsräume bietet. Brachen, Blühflächen, Altgras, Hecken und andere Landschaftselemente schaffen Nahrung und Deckung. Besonders Jungtiere profitieren von solchen Strukturen.
Für Spaziergänger ist die wichtigste Schutzmaßnahme erstaunlich einfach: Abstand halten.
Ein Feldhase, der still in einer Mulde liegt, muss nicht aufgescheucht werden. Hunde sollten zuverlässig kontrolliert werden. Und ein allein gefundener Junghase ist normalerweise kein Notfall. Er wird nicht angefasst oder mitgenommen, denn die Häsin hält sich bewusst fern und kommt nur zum Säugen zurück.
So lässt sich der Feldhase am besten erleben: nicht aus nächster Nähe, sondern als Wildtier in seiner Landschaft – mit genügend Raum, um selbst zu entscheiden, wann er liegen bleibt und wann er über den winterlichen Acker davonläuft.