Hummelkönigin auf einer späten Herbstblüte

Hummelköniginnen im Winter: Wo sie überwintern und wie Sie ihnen helfen

Ein Hummelvolk kann im Sommer geschäftig zwischen Nest und Blüten pendeln. Im Winter scheint davon nichts mehr übrig zu sein. Tatsächlich hängt die Zukunft eines neuen Volkes zu diesem Zeitpunkt von einzelnen jungen Königinnen ab.

Eine begattete Hummelkönigin überwintert allein. Sie sucht sich ein geschütztes Winterquartier und verbringt dort die kalte Jahreszeit, während das alte Volk im Herbst nach und nach abstirbt. Gelingt die Überwinterung, kann die Königin im folgenden Frühjahr wieder aktiv werden und nach einem geeigneten Platz für eine neue Kolonie suchen.

Für Gartenbesitzer ergibt sich daraus eine überraschend einfache Form des Hummelschutzes: Nicht jedes Stück Boden muss im Herbst umgegraben, nicht jedes Blatt entfernt und nicht jede wilde Ecke gemäht werden. Vor allem aber gilt: Eine gefundene überwinternde Königin wird weder ausgegraben noch angefasst oder an einen vermeintlich besseren Ort umgesetzt.

Inhaltsverzeichnis

  1. Das Hummeljahr
  2. Wo Königinnen überwintern
  3. Was Königinnen im Herbst brauchen
  4. Warum Aufräumen und Umgraben schaden
  5. Wie der Garten hilft
  6. Im Frühjahr
  7. Hummelkästen
  8. Häufige Fehler
  9. Häufige Fragen
  10. Fazit

Das Hummeljahr

Das Leben eines Hummelvolkes folgt einem jahreszeitlichen Rhythmus.

Im Frühjahr beginnt bei den in Deutschland heimischen sozialen Hummelarten eine überwinterte Königin mit der Suche nach einem geeigneten Nistplatz. Sie muss zunächst selbst Nahrung finden, einen Neststandort auswählen und die ersten Brutzellen versorgen.

Erst wenn die ersten Arbeiterinnen vorhanden sind, verändert sich ihre Aufgabe. Die Arbeiterinnen übernehmen zunehmend das Sammeln von Nahrung und weitere Arbeiten im Nest.

Im Laufe des Jahres wächst das Volk. Später werden Geschlechtstiere hervorgebracht: Männchen und junge Königinnen.

Das alte Volk lebt nicht einfach weiter

Anders als bei Honigbienen überwintert bei den heimischen Hummeln normalerweise nicht das gesamte Volk gemeinsam.

Nach Angaben des NABU stirbt das alte Hummelvolk im Herbst ab; lediglich die begatteten Jungköniginnen überleben und suchen ein Winterquartier.

Das erklärt eine Beobachtung, die zunächst merkwürdig wirken kann: Im Spätsommer oder Herbst sieht man mitunter auffällig große Hummeln allein an Blüten.

Dabei kann es sich um junge Königinnen handeln, die Energiereserven für die bevorstehende Überwinterung aufbauen.

Im folgenden Frühjahr beginnt der Kreislauf erneut – vorausgesetzt, die Königin übersteht den Winter.

Wo Königinnen überwintern

Hummelkönigin ruht in einer kleinen Erdhöhle unter Laub

Königinnen überwintern einzeln in lockerem Boden oder unter Laub, dabei sollte man sie nicht stören.

Ein Hummelnest aus dem Sommer und das Winterquartier einer Königin sind zwei verschiedene Dinge.

Die junge Königin verbringt den Winter allein und sucht dafür einen geschützten Platz.

Je nach Hummelart und Standort können geeignete Winterquartiere unterschiedlich aussehen. In der Literatur und in Naturschutzinformationen werden unter anderem kleine Hohlräume beziehungsweise selbst gewählte Stellen im Boden, Bereiche unter Moos oder Laub und andere geschützte bodennahe Strukturen beschrieben.

Lockere Erde kann wichtig sein

Manche Königinnen graben sich in lockeren Boden ein.

Das Winterquartier ist dabei keineswegs eine große, von außen gut sichtbare Höhle. Es kann so unscheinbar sein, dass Gartenbesitzer beim Graben überhaupt nicht bemerken, dass sich dort ein Tier befindet.

Gerade deshalb ist Zurückhaltung in wenig genutzten Gartenbereichen sinnvoll.

Warum auch Nordlagen genannt werden

Für bestimmte Hummelarten beziehungsweise Beobachtungen werden eher schattige, kühle Lagen als Überwinterungsplätze beschrieben. In Fachinformationen finden sich beispielsweise Hinweise auf Nordhänge beziehungsweise nordexponierte Stellen.

Daraus sollte jedoch keine allgemeine Regel gemacht werden, nach der jede Hummelkönigin zwingend an einem Nordhang überwintert.

Arten unterscheiden sich in ihren Ansprüchen, und auch lokale Boden- und Klimaverhältnisse spielen eine Rolle.

Für den Garten ist die praktische Schlussfolgerung einfacher: Unterschiedliche, wenig gestörte Bodenbereiche sind wertvoller als eine vollständig vereinheitlichte Fläche.

Eine gefundene Königin bleibt liegen

Wird beim vorsichtigen Arbeiten zufällig eine ruhende Hummelkönigin entdeckt, sollte sie nicht herausgenommen, herumgetragen oder an einen anderen Ort gesetzt werden.

Auch wenn der neue Platz aus menschlicher Sicht „sicherer“ erscheint, ist eine solche Umsiedlung eine Störung der Winterruhe.

Wenn möglich, wird die Stelle wieder vorsichtig geschützt und anschließend in Ruhe gelassen.

Was Königinnen im Herbst brauchen

Bevor die eigentliche Winterruhe beginnt, müssen junge Königinnen Energiereserven aufbauen.

Dafür brauchen sie Blüten.

Gerade im Spätsommer und Herbst kann deshalb ein durchgehendes Nahrungsangebot im Garten wichtig sein.

Spätblüher stehen lassen

Spät blühende Stauden und heimische Wildpflanzen verlängern das Blütenangebot.

Welche Pflanzen besonders geeignet sind, hängt von Standort, Boden und Region ab. Sinnvoll ist eine Mischung verschiedener Blütenformen und Blühzeiten statt einer einzigen vermeintlichen „Hummelpflanze“.

Efeu als späte Nahrungsquelle

Älterer, blühfähiger Efeu kann vergleichsweise spät im Jahr Blüten entwickeln und wird dann von zahlreichen Insekten besucht.

Er sollte deshalb nicht mit jungem Efeu verwechselt werden, der noch keine Blüten bildet.

Wer mehr über diese späte Nahrungsquelle erfahren möchte, findet dazu den Einfache-Idee-Beitrag über Efeu und Insekten.

Ruhe gehört ebenfalls dazu

Nach der Nahrungssuche braucht eine Königin einen geeigneten Platz für ihre Winterruhe.

Hummelschutz im Herbst besteht deshalb aus zwei Teilen: Nahrung anbieten und potenzielle Rückzugsräume nicht unnötig zerstören.

Warum Aufräumen und Umgraben schaden

Ein vollständig aufgeräumter Garten wirkt für Menschen übersichtlich.

Für überwinternde Tiere kann genau diese Ordnung problematisch sein.

Wenn Laub entfernt, Boden tief umgegraben und sämtliche Randbereiche kurz gemäht werden, verschwinden viele kleine Strukturen, die als Schutz dienen können.

Das Problem mit dem Spaten

Besonders Bodenarbeiten können versteckte Hummelköniginnen direkt treffen.

Wer im Herbst jedes freie Stück Erde tief umgräbt, kann ein bereits bezogenes Winterquartier zerstören.

Das bedeutet nicht, dass ein Gemüsebeet niemals bearbeitet werden darf.

Sinnvoll ist vielmehr eine räumliche Trennung: intensiv genutzte Gemüseflächen werden weiterhin gärtnerisch bewirtschaftet, während andere Bereiche bewusst weniger gestört bleiben.

Laub ist nicht automatisch Abfall

Unter Hecken und Sträuchern kann Falllaub liegen bleiben, sofern dort keine anderen praktischen Gründe dagegensprechen.

Es schützt den Boden und schafft eine strukturreiche Grenzschicht zwischen Vegetation und Erde.

Auch andere Gartenorganismen profitieren davon.

Wie Herbstlaub sinnvoll genutzt werden kann, ohne Wege, Rasen und empfindliche Pflanzen einfach unter dicken nassen Schichten verschwinden zu lassen, wird im Einfache-Idee-Beitrag über Laub im Garten ausführlicher behandelt.

Wie der Garten hilft

Ein hummelfreundlicher Garten benötigt keine komplizierte Spezialausstattung.

Oft hilft bereits, einige Bereiche weniger intensiv zu bearbeiten.

Ungestörte Ecken erhalten

Unter einer Hecke, am Rand einer Wildstaudenfläche oder in einem wenig betretenen Bereich kann der Boden weitgehend in Ruhe bleiben.

Nicht jede Fläche muss jedes Jahr umgegraben werden.

Laubhaufen und Laubschichten

Laub kann in ruhigen Gartenbereichen gesammelt oder locker unter Gehölzen verteilt werden.

Es sollte nicht als kompakter, dauerhaft nasser Haufen unmittelbar auf empfindliche Pflanzen gepresst werden.

Totholz integrieren

Totholz, alte Äste und andere natürliche Strukturen erhöhen die Vielfalt im Garten.

Nicht jede dieser Strukturen wird direkt als Winterquartier einer Hummelkönigin dienen. Zusammen schaffen sie jedoch ein weniger steriles Umfeld mit mehr Rückzugsräumen für zahlreiche Tiere.

Randbereiche nicht unnötig mähen

Je nach Region und Witterungsverlauf endet das Pflanzenwachstum im Herbst unterschiedlich früh.

Wenig genutzte Randbereiche müssen dann nicht noch einmal besonders kurz gemäht werden.

Ein später Einsatz des Rasenmähers oder Freischneiders kann bodennahe Strukturen beseitigen und Tiere stören.

Das bedeutet nicht, dass die gesamte Rasenfläche hoch bleiben muss. Entscheidend sind bewusst erhaltene Rückzugsbereiche.

Im Frühjahr

Wenn die Temperaturen regional wieder steigen, werden überwinterte Hummelköniginnen aktiv.

Nun beginnt eine besonders anspruchsvolle Phase.

Die Königin muss Nahrung finden und gleichzeitig nach einem geeigneten Nistplatz suchen.

Frühblüher helfen

Früh blühende Pflanzen können deshalb besonders wertvoll sein.

Krokusse, bestimmte Zwiebelpflanzen und andere frühe Blüten erweitern das Nahrungsangebot zu einer Jahreszeit, in der noch vergleichsweise wenige Pflanzen blühen.

Der Einfache-Idee-Beitrag über bienenfreundliche Blumenzwiebeln zeigt, wie solche Pflanzen bereits bei der Herbstpflanzung eingeplant werden können.

Beobachten statt eingreifen

Eine große Hummel, die im Frühjahr dicht über dem Boden fliegt und wiederholt Hohlräume untersucht, kann eine Königin auf Nistplatzsuche sein.

Dieses Verhalten ist zunächst kein Grund einzugreifen.

Sie sollte weder gefangen noch zu einem bestimmten Nistplatz gebracht werden.

Wasser anbieten

Eine flache Wasserstelle kann Insekten im Garten unterstützen.

Wichtig sind sichere Landemöglichkeiten, beispielsweise flache Steine, sodass Tiere nicht in tiefem Wasser landen müssen.

Das Wasser wird sauber gehalten und regelmäßig erneuert.

Hummelkästen

Hummelkästen werden häufig als schnelle Lösung für einen hummelfreundlichen Garten angeboten.

Die Realität ist komplizierter.

Ein aufgestellter Kasten garantiert nicht, dass eine Königin einzieht. Standort, Konstruktion, Mikroklima und die Ansprüche der jeweiligen Art spielen eine Rolle.

Keine Königin einsetzen

Eine wild lebende Königin sollte nicht eingefangen und in einen Hummelkasten gesetzt werden.

Sie entscheidet selbst, welcher Nistplatz geeignet ist.

Ein Kasten kann höchstens als zusätzliches Angebot verstanden werden.

Pflegeaufwand berücksichtigen

Ein besetzter Hummelkasten ist nicht einfach Gartendekoration.

Er kann Aufmerksamkeit hinsichtlich Standort, Überhitzung, Feuchtigkeit und möglicher Parasitenprobleme erfordern.

Wer sich damit nicht beschäftigen möchte, kann Hummeln auf wesentlich unkompliziertere Weise unterstützen: vielfältige Blüten, ungestörte Bodenbereiche, heimische Vegetation und der Verzicht auf unnötige Pestizide.

Ein naturnaher Garten ist wichtiger als ein einzelnes künstliches Nisthilfenprodukt.

Häufige Fehler

Eine überwinternde Königin ausgraben

Wird eine Königin entdeckt, sollte sie weder angefasst noch umgesetzt werden. Das Winterquartier wird möglichst wenig verändert.

Den Garten vollständig umgraben

Vor allem ungenutzte Randbereiche können bewusst ungestört bleiben.

Alles Laub entfernen

Unter Gehölzen und in wilden Ecken kann eine lockere Laubschicht wertvolle Struktur schaffen.

Im Herbst sämtliche Blüten abschneiden

Späte Blüten können jungen Königinnen vor der Überwinterung noch Nahrung bieten.

Eine Königin in einen Hummelkasten setzen

Ein Hummelkasten ist ein freiwilliges Nistangebot. Eine wild lebende Königin wird nicht eingefangen oder hineingesetzt.

Nur an den Sommer denken

Hummelschutz beginnt nicht erst, wenn im Juni viele Arbeiterinnen unterwegs sind. Herbstnahrung, sichere Winterquartiere und Frühblüher gehören zum gleichen Jahreskreislauf.

Häufige Fragen

Überwintert ein ganzes Hummelvolk?

Nein. Bei den heimischen sozialen Hummeln stirbt das alte Volk im Herbst ab. Begattete junge Königinnen überwintern einzeln und können im folgenden Frühjahr neue Völker gründen.

Wo überwintert eine Hummelkönigin?

Je nach Art und Standort können geschützte Stellen im oder nahe am Boden genutzt werden, beispielsweise kleine Hohlräume in lockerer Erde oder Bereiche unter Moos und Laub. Die konkreten Ansprüche unterscheiden sich zwischen Arten.

Wann beginnt der Winterschlaf?

Das lässt sich nicht für alle Hummelarten und Regionen Deutschlands auf ein fixes Datum festlegen. Junge Königinnen suchen nach Paarung und ausreichender Nahrungsaufnahme im späteren Jahresverlauf geeignete Quartiere. Witterung, Art und Region beeinflussen den Zeitpunkt.

Darf ich eine gefundene Hummelkönigin umsetzen?

Eine überwinternde Königin sollte nicht gestört, ausgegraben, angefasst oder an einen anderen Ort gebracht werden. Wenn sie zufällig freigelegt wurde, wird die Stelle möglichst vorsichtig wieder geschützt und anschließend in Ruhe gelassen.

Soll ich im Herbst Laub liegen lassen?

In geeigneten, wenig genutzten Bereichen kann Laub liegen bleiben. Es schafft Struktur und schützt den Boden. Wege oder andere Flächen, auf denen nasses Laub ein Problem darstellt, können selbstverständlich weiterhin geräumt werden.

Brauche ich einen Hummelkasten?

Nein. Ein Hummelkasten ist keine Voraussetzung für einen hummelfreundlichen Garten. Blüten vom Frühjahr bis in den Herbst, ungestörte Bereiche und ein strukturreicher Garten sind grundlegender.

Was brauchen Hummelköniginnen im Frühjahr?

Nach der Winterruhe benötigen sie erreichbare Blüten als Nahrungsquelle und geeignete, ungestörte Möglichkeiten zur Nistplatzsuche. Frühblüher können deshalb besonders hilfreich sein.

Fazit

Eine Hummelkönigin zu überwintern bedeutet im Garten vor allem eines: ihr möglichst wenig in die Quere zu kommen.

Hummelvölker sind saisonale Gemeinschaften. Während im Sommer zahlreiche Arbeiterinnen zwischen Blüten und Nest unterwegs sind, verändert sich die Situation im Herbst grundlegend. Das alte Volk stirbt ab, während begattete junge Königinnen geeignete Plätze für ihre Winterruhe suchen.

Diese Quartiere können erstaunlich unscheinbar sein.

Lockerer Boden, kleine geschützte Hohlräume und Bereiche unter Moos oder Laub können je nach Art und Standort eine Rolle spielen. Genau deshalb können tiefes Umgraben, vollständiges Abräumen und intensive Pflege jedes Quadratmeters problematisch sein.

Wer Hummeln helfen möchte, muss den Garten jedoch nicht komplett sich selbst überlassen.

Einige ungestörte Randbereiche, Laub unter Hecken, Totholz und weniger intensiv gemähte Ecken schaffen zusätzliche Struktur. Spätblüher liefern im Herbst Nahrung, während frühe Blüten im folgenden Frühjahr die ersten aktiven Königinnen unterstützen.

Besonders wichtig ist die Zurückhaltung bei einem Fund.

Eine ruhende Hummelkönigin wird nicht ausgegraben, angefasst oder an einen vermeintlich besseren Ort umgesetzt. Auch Hummelkästen sind kein Grund, wild lebende Königinnen einzufangen.

Manchmal ist Naturschutz im Garten deshalb erstaunlich unspektakulär.

Ein paar Blätter bleiben liegen. Ein Stück Boden bleibt ungegraben. Die letzten Blüten dürfen ausblühen. Und irgendwo darunter wartet vielleicht bereits die einzelne Königin, von der im nächsten Sommer ein ganzes Hummelvolk ausgehen kann.

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