Schmetterlinge, die als Falter überwintern: 6 Arten im Überblick
Wenn im Februar oder März die ersten milden Sonnentage kommen, erscheinen manchmal erstaunlich früh die ersten Schmetterlinge. Sie sind nicht gerade erst aus einer Puppe geschlüpft. Einige heimische Arten haben bereits den gesamten Winter als ausgewachsene Falter überwintert.
Schmetterlinge nutzen sehr unterschiedliche Strategien für die kalte Jahreszeit. Je nach Art wird der Winter als Ei, Raupe, Puppe oder fertiger Schmetterling überstanden. Zu den klassischen sechs heimischen Tagfalterarten, die regelmäßig als Imago überwintern, gehören Zitronenfalter, Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs, Großer Fuchs, C-Falter und Trauermantel.
Eine Besonderheit ist inzwischen der Admiral (Vanessa atalanta). Er galt lange vor allem als Wanderfalter, der Deutschland im Herbst verlässt. Mittlerweile überwintern jedoch zunehmend Admirale in wärmeren Regionen Deutschlands als ausgewachsene Falter. Der BUND zählt ihn deshalb inzwischen ebenfalls zu den Arten, bei denen eine Überwinterung als Imago vorkommt.
Die klassischen sechs Arten zeigen eindrucksvoll, wie unterschiedlich ein Schmetterling den Winter verbringen kann – vom nahezu frei hängenden Zitronenfalter bis zum Tagpfauenauge im dunklen Keller.
Wie können ausgewachsene Schmetterlinge den Winter überleben?
Mit sinkenden Temperaturen wird der Stoffwechsel der überwinternden Falter stark reduziert. Die Tiere bewegen sich kaum und verbrauchen dadurch möglichst wenig von ihren Energiereserven.
Dabei brauchen nicht alle Arten denselben Schutz. Einige suchen trockene Baumhöhlen, Felsspalten oder unbeheizte Gebäude. Andere bleiben draußen zwischen Vegetation und Laub.
Gerade deshalb können ein strukturreicher Garten, alte Bäume, Hecken, Laub und ungestörte Gartenecken für überwinternde Schmetterlinge wertvoll sein.
1. Zitronenfalter (Gonepteryx rhamni)
Der Zitronenfalter gehört zu den bekanntesten Frühlingsboten. Gleichzeitig besitzt er eine außergewöhnlich lange Lebensdauer als ausgewachsener Falter. Laut BUND kann das Imaginalstadium annähernd zehn Monate dauern.
Typischer Überwinterungsort
Anders als Tagpfauenauge oder Kleiner Fuchs benötigt der Zitronenfalter nicht unbedingt ein Gebäude oder eine Baumhöhle. Er kann relativ ungeschützt draußen überwintern.
Die Falter sitzen beispielsweise in dichter Vegetation, an Zweigen oder geschützt in bodennaher Vegetation und Laub. Eine NABU-Publikation beschreibt ausdrücklich die Überwinterung frei an Zweigen beziehungsweise in der Laubstreu.
Verhalten
Während kalter Perioden bleibt der Falter nahezu regungslos. Sobald im Frühjahr geeignete Temperaturen erreicht werden, kann er wieder aktiv werden. Deshalb gehören Zitronenfalter häufig zu den ersten auffälligen Tagfaltern des Jahres.
Für die Fortpflanzung sind Faulbaum und Kreuzdorn besonders wichtig, da diese Pflanzen den Raupen als Nahrung dienen.
2. Tagpfauenauge (Aglais io)
Das Tagpfauenauge ist mit seinen großen Augenflecken unverwechselbar. Im Gegensatz zum Zitronenfalter sucht es für den Winter bevorzugt einen geschützten Unterschlupf.
Typischer Überwinterungsort
Baumhöhlen und andere geschützte natürliche Strukturen kommen ebenso infrage wie kühle Dachböden, Keller, Garagen und Schuppen. Genau deshalb entdecken Menschen diese Art vergleichsweise häufig während des Winters in Gebäuden.
Wichtig ist dabei nicht Wärme, sondern ein möglichst kühler, ruhiger und geschützter Platz.
Verhalten
Im Winter sitzt das Tagpfauenauge lange nahezu bewegungslos. Wird sein Quartier stark erwärmt, kann es jedoch vorzeitig aktiv werden.
Das ist problematisch: Der Falter verbraucht dann Energiereserven, obwohl draußen noch kaum geeignete Nahrung vorhanden ist. NABU empfiehlt deshalb, im Winter in Wohnräumen gefundene Tagpfauenaugen behutsam an einen geeigneten kühlen Überwinterungsort zu bringen.
3. Kleiner Fuchs (Aglais urticae)
Auch der Kleine Fuchs ist ein typischer Gartenbesucher. Seine Raupen sind eng an Brennnesseln gebunden, während die erwachsenen Falter Nektar zahlreicher Blütenpflanzen nutzen.
Typischer Überwinterungsort
Kleine Füchse suchen im Herbst geschützte Plätze. Dazu gehören Höhlen und natürliche Hohlräume, aber auch Dachböden, Keller, Schuppen und andere unbeheizte Gebäude.
Deshalb gehört diese Art neben dem Tagpfauenauge zu den Schmetterlingen, die im Winter besonders häufig in menschlichen Gebäuden entdeckt werden.
Verhalten
Während der Winterruhe reduziert der Falter seine Aktivität stark. Bereits an den ersten warmen Tagen kann er sein Quartier verlassen und nach frühen Nektarquellen suchen.
Für einen schmetterlingsfreundlichen Garten sind nicht nur Blüten wichtig. Eine Brennnesselecke bietet den Raupen des Kleinen Fuchses ihre entscheidende Nahrungspflanze. Spät blühende Pflanzen wie Astern helfen den erwachsenen Tieren zusätzlich beim Aufbau ihrer Reserven vor dem Winter.
4. Großer Fuchs (Nymphalis polychloros)
Der Große Fuchs ähnelt dem Kleinen Fuchs auf den ersten Blick, ist jedoch größer und unterscheidet sich in mehreren Zeichnungsmerkmalen. Er gehört ebenfalls zu den klassischen sechs Tagfaltern Deutschlands, die den Winter als ausgewachsene Tiere verbringen.
Typischer Überwinterungsort
Für die Winterruhe werden geschützte, kühle Verstecke genutzt. Natürliche Hohlräume, Spalten und geschützte Bereiche in oder an Gehölzen können geeignete Quartiere bieten.
Entscheidend ist ein Platz, an dem der Falter vor starken Witterungseinflüssen geschützt bleibt und nicht ständig gestört wird.
Verhalten
Nach der Überwinterung können Große Füchse bereits früh im Jahr wieder erscheinen. Wie andere überwinternde Edelfalter müssen sie dabei zunächst von den Energiereserven leben, die vor der Winterruhe aufgebaut wurden.
Ein naturnaher Garten mit geeigneten Gehölzen ist für diese Art besonders interessant. Die Raupen nutzen unter anderem verschiedene Laubbäume als Nahrungspflanzen. Alte Gehölzstrukturen sollten deshalb nicht allein unter dem Gesichtspunkt der Gartendekoration betrachtet werden.
5. C-Falter (Polygonia c-album)
Der C-Falter fällt durch seine stark gezackten Flügelränder auf. Auf der Unterseite des Hinterflügels befindet sich eine kleine weiße Zeichnung, die an den Buchstaben C erinnert.
Typischer Überwinterungsort
Seine unregelmäßige Flügelform und die braun-graue Unterseite bieten eine ausgezeichnete Tarnung zwischen trockenen Blättern, Holz und Vegetation.
Als ausgewachsener Falter verbringt er die kalte Jahreszeit an geschützten Stellen in seinem Lebensraum. Wald- und Gebüschstrukturen spielen dabei eine wichtige Rolle.
Verhalten
C-Falter können je nach Region unterschiedliche Generationenfolgen zeigen. Überwinternde Tiere erscheinen anschließend wieder im Frühjahr und können bis zum Beginn der nächsten Generation beobachtet werden.
Die Art profitiert von vielfältigen Gehölzen und Wildpflanzen. Zu den Raupennahrungspflanzen gehören unter anderem Salweide, Hasel, Hopfen und Große Brennnessel. Erwachsene C-Falter nutzen außerdem Blüten sowie im Sommer reifes Fallobst als Nahrungsquelle.

6. Trauermantel (Nymphalis antiopa)
Mit seinen dunkelbraunen Flügeln, dem hellen Rand und einer Spannweite von bis zu etwa sieben Zentimetern gehört der Trauermantel zu den besonders auffälligen heimischen Tagfaltern.
Er ist stärker an lichte Wälder und gehölzreiche Landschaften gebunden als typische Gartenschmetterlinge.
Typischer Überwinterungsort
Trauermäntel suchen geschützte natürliche Strukturen. Der BUND nennt insbesondere Baumhöhlen und Reisighaufen als Winterquartiere.
Damit zeigt die Art besonders gut, weshalb Totholz, Reisig und alte Gehölzstrukturen im Garten ökologisch wertvoll sein können.
Verhalten
Der Trauermantel bildet normalerweise eine Generation. Die Falter erscheinen ab dem Sommer, überwintern und sind anschließend im Frühjahr erneut unterwegs.
Erwachsene Trauermäntel besuchen vergleichsweise selten Blüten. Sie nutzen unter anderem austretende Baumsäfte und Fallobst; im Frühjahr werden auch Weidenblüten besucht. Die Raupen fressen vor allem an Weiden und Birken.
Einen Schmetterling im Winter im Haus gefunden – richtig reagieren
Ein Tagpfauenauge oder Kleiner Fuchs an einer Kellerwand ist zunächst kein Grund einzugreifen. Befindet sich das Tier bereits an einem kühlen, frostgeschützten und ruhigen Ort, kann es dort häufig bleiben.
Problematisch wird es, wenn ein überwinternder Falter in einem beheizten Wohnraum sitzt. Nach Angaben des BUND können Temperaturen über etwa 12 °C überwinternde Falter wieder aktiv werden lassen. Dadurch werden wertvolle Energiereserven verbraucht.
Ein solcher Falter sollte nicht einfach unmittelbar aus dem warmen Wohnzimmer in starken Frost gesetzt werden.
Der BUND empfiehlt für einen aktiv gewordenen Falter eine kleine Pappschachtel mit einer später nutzbaren Öffnung. Das Tier kann darin vorsichtig an einen geschützten, kalten Platz gebracht werden, beispielsweise in eine unbeheizte Garage, einen Geräteschuppen oder ein Gartenhaus. Nach der Abkühlung beziehungsweise spätestens bei frühlingshaften Temperaturen muss ein Weg ins Freie vorhanden sein. Bei strengem Frost kann vorübergehend ein kalter Keller geeigneter sein.
Flügel sollten möglichst nicht angefasst werden. Unnötiges Herumtragen und wiederholtes Aufwecken bedeuten zusätzlichen Stress und Energieverbrauch.
Den Garten für überwinternde Falter attraktiv machen
Ein schmetterlingsfreundlicher Wintergarten muss nicht perfekt aufgeräumt aussehen. Im Gegenteil: Viele ökologisch wertvolle Strukturen entstehen gerade dort, wo im Herbst nicht alles entfernt wird.
Laub teilweise liegen lassen
Eine dünne Laubschicht unter Sträuchern und Hecken bietet zahlreiche geschützte Mikrohabitate. Für den Zitronenfalter kann bodennahe Vegetation beziehungsweise Laub sogar direkt als Winterquartier dienen.
Reisighaufen erhalten
Äste und Reisig müssen nicht vollständig entsorgt werden. Ein ungestörter Haufen in einer ruhigen Gartenecke schafft Spalten und geschützte Zwischenräume. Beim Trauermantel sind Reisighaufen sogar als Überwinterungsplätze dokumentiert.
Alte Bäume und Gehölze bewahren
Baumhöhlen, lockere Rindenbereiche und andere natürliche Strukturen bieten Verstecke, die in einem vollständig aufgeräumten Garten fehlen.
Alte Gehölze erfüllen außerdem weitere Funktionen: Weiden und Birken sind beispielsweise Nahrungspflanzen der Trauermantel-Raupen, während Faulbaum und Kreuzdorn für den Nachwuchs des Zitronenfalters wichtig sind.
Brennnesseln zulassen
Eine kleine Brennnesselecke gehört zu den wirkungsvollsten Maßnahmen für mehrere bekannte Tagfalter. Die Große Brennnessel dient unter anderem den Raupen des Kleinen Fuchses und Tagpfauenauges als wichtige Nahrungspflanze.
Vom Frühjahr bis zum Herbst Blüten anbieten
Überwinternde Falter brauchen sowohl vor als auch nach dem Winter Nahrung. Spätblühende Pflanzen helfen im Herbst beim Aufbau von Energiereserven. Frühblüher bieten Nahrung, wenn überwinterte Tiere wieder aktiv werden.
Eine Mischung verschiedener heimischer oder ökologisch wertvoller Blütenpflanzen verlängert das Nahrungsangebot erheblich.
Gartenarbeiten zeitlich zurückhaltend durchführen
Wer im Herbst jedes Blatt entfernt, sämtliche Stauden bodennah abschneidet und alle Reisighaufen beseitigt, entfernt möglicherweise gleichzeitig Winterquartiere.
Ein strukturreicher Garten mit ruhigen Bereichen bietet deshalb häufig bessere Bedingungen als eine vollständig bereinigte Fläche.
FAQ zu überwinternden Schmetterlingen
Welche heimischen Schmetterlinge überwintern als ausgewachsene Falter?
Klassischerweise werden in Deutschland sechs regelmäßig als Imago überwinternde Arten genannt: Zitronenfalter, Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs, Großer Fuchs, C-Falter und Trauermantel.
Beim Admiral verändert sich das Bild. Inzwischen überwintert ein zunehmender Anteil auch in milderen Regionen Deutschlands erfolgreich als Falter.
Warum sterben die Falter bei Frost nicht?
Überwinternde Arten sind physiologisch an niedrige Temperaturen angepasst. Während der Winterruhe wird der Stoffwechsel stark reduziert. Wichtig sind außerdem geeignete Mikrohabitate, die die Tiere vor ungünstiger Witterung schützen. Der Zitronenfalter kann dabei deutlich exponierter überwintern als Arten wie Tagpfauenauge oder Kleiner Fuchs.
Soll man einen Schmetterling im Winter füttern?
Ein ruhig überwinternder Falter an einem geeigneten kalten Standort sollte vor allem nicht unnötig aufgeweckt werden. Wird ein Tier durch einen warmen Wohnraum aktiv, besteht die sinnvollere Maßnahme darin, wieder geeignete kühle Überwinterungsbedingungen herzustellen.
Darf ein Schmetterling im Keller bleiben?
Ein kühler, ruhiger Keller kann für Arten wie Tagpfauenauge oder Kleinen Fuchs ein geeignetes Quartier darstellen. Entscheidend ist, dass das Tier im Frühjahr wieder nach draußen gelangen kann und der Raum nicht dauerhaft beheizt wird.
Wann werden überwinternde Falter wieder aktiv?
Das hängt von Art, Region und Witterung ab. An milden, sonnigen Tagen können einzelne Tiere bereits sehr früh im Jahr erscheinen. Kleine Füchse verlassen beispielsweise an den ersten warmen Tagen ihre Winterquartiere und suchen nach den ersten verfügbaren Blüten.
Fazit
Nur ein kleiner Teil unserer heimischen Schmetterlinge verbringt die kalte Jahreszeit als ausgewachsener Falter. Zitronenfalter, Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs, Großer Fuchs, C-Falter und Trauermantel gehören zu den klassischen sechs Arten mit dieser bemerkenswerten Überwinterungsstrategie.
Ihre Quartiere unterscheiden sich deutlich. Während Tagpfauenauge und Kleiner Fuchs gern geschützte Hohlräume oder unbeheizte Gebäude nutzen, kann der Zitronenfalter draußen zwischen Zweigen und Vegetation überwintern. Der Trauermantel findet unter anderem in Baumhöhlen und Reisighaufen Schutz.
Für Gartenbesitzer ergibt sich daraus eine einfache Konsequenz: Ein wenig weniger Ordnung kann im Winter mehr Lebensraum bedeuten. Laub, Reisig, alte Gehölze, Brennnesseln sowie früh und spät blühende Pflanzen schaffen Nahrung und Rückzugsräume. Wer einen Falter im Winter im Haus entdeckt, sollte außerdem nicht automatisch Wärme als Hilfe betrachten. Für ein überwinterndes Tagpfauenauge oder einen Kleinen Fuchs ist ein kühles, ruhiges Quartier meist wesentlich wertvoller.
Entomologische und fachliche Quellen
- NABU – Insektentrainer: Kleiner Fuchs – Angaben zur Überwinterung als Imago, zu Winterquartieren, Brennnesseln und Nektarpflanzen.
- NABU Nordrhein-Westfalen – Schmetterlinge im Garten – Informationen zu den Überwinterungsstrategien von Tagpfauenauge und Zitronenfalter sowie zur Bedeutung naturnaher Gartenstrukturen.
- BUND – Schmetterlingskunde – Überblick über die verschiedenen Überwinterungsstadien heimischer Schmetterlinge sowie aktuelle Angaben zur zunehmenden Überwinterung des Admirals in Deutschland.
- BUND – Schmetterlingen in der Wohnung helfen – Fachliche Empfehlungen zum Umgang mit Tagpfauenauge, Kleinem Fuchs und anderen überwinternden Faltern in beheizten Gebäuden.
- BUND – Artenporträts Zitronenfalter, C-Falter und Trauermantel – Informationen zu Lebensraum, Raupennahrung, Flugzeit, Ernährung und Überwinterung der Arten.