Seidenschwärme fressen Vogelbeeren im Winter

Seidenschwänze in Deutschland: Warum sie nur manche Winter auftauchen

Plötzlich sitzen sie da: Dutzende ungewöhnlich gefärbte Vögel in einer Vogelbeere mitten in der Stadt. Sie tragen auffällige Federhauben, besitzen gelbe Schwanzspitzen und lassen helle, klingelnde Rufe hören.

Für Vogelbeobachter ist das ein besonderer Moment.

Denn der Seidenschwanz gehört zu den Wintergästen, deren Auftreten in Deutschland schwer vorherzusagen ist. Manche Jahre bleiben nahezu ohne größere Beobachtungen. In anderen Wintern erscheinen zahlreiche Schwärme, die innerhalb weniger Tage ganze Stadtviertel durchstreifen.

Der Grund liegt weit entfernt von deutschen Gärten.

Seidenschwänze brüten in den nördlichen Nadelwäldern Eurasiens. Wie viele von ihnen im Winter nach Mitteleuropa gelangen, hängt eng mit dem Nahrungsangebot und den Bedingungen in ihren nördlichen Lebensräumen zusammen.

Besonders wichtig sind dabei die Früchte der Vogelbeere.

Doch die Zusammenhänge sind komplexer als die einfache Behauptung, ein schlechter Vogelbeerwinter im Norden führe automatisch zu einer Seidenschwanzinvasion in Deutschland.

Inhaltsverzeichnis

  1. Der Seidenschwanz im Überblick
  2. Brutgebiete
  3. Was eine Invasion auslöst
  4. Wann und wo man Seidenschwänze in Deutschland sehen kann
  5. Nahrung
  6. Wie der eigene Garten attraktiv wird
  7. Beobachtungstipps
  8. Häufige Fragen
  9. Fazit

Der Seidenschwanz im Überblick

Der Seidenschwanz trägt den wissenschaftlichen Namen Bombycilla garrulus.

Er gehört zu einer kleinen Vogelfamilie, deren Vertreter durch ihr weiches Gefieder und ihre auffälligen Farben bekannt sind.

Schon aus einiger Entfernung wirkt der Seidenschwanz ungewöhnlich.

Sein Körper ist überwiegend graubraun bis zimtfarben. Auf dem Kopf sitzt eine spitze Federhaube, die je nach Erregung angelegt oder aufgerichtet werden kann.

Besonders charakteristisch ist die schwarze Gesichtsmaske.

Sie zieht sich über die Augen und wird von helleren Bereichen eingerahmt.

Am Schwanz fällt ein leuchtend gelber Endsaum auf. Auch die Flügel zeigen auffällige gelbe und weiße Zeichnungen.

Einige der Armschwingen besitzen kleine rote, wachsartig wirkende Fortsätze.

Diese besonderen Federspitzen erinnern an winzige Siegellacktropfen und sind eines der bekanntesten Merkmale der Art.

Der unverwechselbare Ruf

Seidenschwänze sind häufig schon zu hören, bevor man sie entdeckt.

Ihre Rufe klingen hoch, fein und etwas metallisch.

Viele Beobachter beschreiben sie als klingelndes Trillern.

Wenn ein größerer Schwarm in einem Baum sitzt, entsteht daraus ein charakteristisches, lebhaftes Stimmengewirr.

Gerade in winterlichen Städten kann dieser Klang die Aufmerksamkeit auf einen Baum lenken, der aus der Entfernung völlig unscheinbar wirkt.

Die Vögel sind ungefähr starengroß, erscheinen durch ihre kompakte Gestalt und das dichte Gefieder jedoch oft besonders rundlich.

Brutgebiete – zu Hause in der nördlichen Taiga

Der Seidenschwanz ist ein Vogel der borealen Wälder.

Seine Brutgebiete erstrecken sich über große Teile des nördlichen Eurasiens.

Dazu gehören Nordskandinavien, Finnland und weite Gebiete Russlands.

Besonders typisch sind lichte Nadelwälder, Waldmoore und strukturreiche Übergangsbereiche mit geeigneten Sträuchern.

Die Landschaft unterscheidet sich deutlich von einem deutschen Stadtpark.

In der kurzen nordischen Brutzeit nutzen Seidenschwänze vor allem tierische Nahrung, darunter verschiedene Insekten.

Diese liefern wichtige Nährstoffe für die Aufzucht der Jungvögel.

Mit dem Ende der Brutzeit verändert sich das Nahrungsangebot.

Beeren und andere kleine Früchte gewinnen zunehmend an Bedeutung.

Genau dieser Wechsel spielt für das spätere Wanderverhalten eine entscheidende Rolle.

Seidenschwänze besitzen keine für jedes Jahr gleichbleibende Zugroute wie viele klassische Langstreckenzieher.

Ihre Winterbewegungen sind wesentlich stärker davon abhängig, wo ausreichend Nahrung verfügbar ist.

Deshalb können sich die Winterverbreitung und die Zahl der nach Deutschland gelangenden Vögel von Jahr zu Jahr erheblich unterscheiden.

Was eine Invasion auslöst

In der Ornithologie bezeichnet man besonders starke, unregelmäßige Einflüge bestimmter Vogelarten als Invasionen.

Das Wort klingt dramatisch, beschreibt aber ein natürliches Wanderungsphänomen.

Seidenschwänze gehören zu den bekanntesten nordischen Invasionsvögeln.

Der NABU beschreibt solche Arten als Vögel, die in manchen Wintern in großer Zahl ihre üblichen Aufenthaltsgebiete verlassen.

Beim Seidenschwanz spielt das Angebot an Beeren eine zentrale Rolle.

Die Bedeutung der Vogelbeerenernte

Die Vogelbeere, auch Eberesche genannt, trägt im Spätsommer und Herbst zahlreiche kleine Früchte.

In den nördlichen Verbreitungsgebieten des Seidenschwanzes gehört sie zu den wichtigen Nahrungsquellen.

Fällt die Fruchternte reichlich aus, können viele Vögel zunächst länger in nördlichen Regionen bleiben.

Werden die Früchte knapp, müssen die Schwärme neue Nahrungsgebiete suchen.

Dann können sie weiter nach Süden und Westen wandern.

Das erklärt einen wichtigen Teil der unregelmäßigen Wintereinflüge.

Allerdings ist die Beziehung nicht so einfach, dass jede schlechte Vogelbeerenernte automatisch eine große Invasion auslöst.

Warum nicht jeder Winter gleich verläuft

Mehrere Faktoren wirken zusammen.

Entscheidend ist zunächst, wie viele Seidenschwänze nach der Brutzeit überhaupt vorhanden sind.

Ein guter Bruterfolg kann die Zahl der Vögel erhöhen, die später nach Nahrung suchen.

Hinzu kommt die räumliche Verteilung der Beeren.

Ein Mangel in einem Gebiet bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Vögel sofort bis nach Deutschland fliegen.

Möglicherweise finden sie bereits in einer benachbarten Region ausreichend Nahrung.

Auch Wetterbedingungen und die großräumige Zugrichtung beeinflussen, wo die Schwärme schließlich auftauchen.

Deutschland liegt dabei nicht jedes Jahr auf derselben Hauptbewegungsroute.

Was frühere Invasionswinter zeigen

Der Dachverband Deutscher Avifaunisten dokumentierte für den Winter 2004/05 einen außergewöhnlich starken Einflug.

Damals gingen Meldungen über mehr als eine halbe Million beobachtete Seidenschwänze ein.

Diese Zahl bezeichnet gemeldete Beobachtungsindividuen und darf nicht mit der Zahl eindeutig verschiedener Vögel gleichgesetzt werden.

Auch der Winter 2012/13 brachte auffällige Bewegungen.

Der DDA zeigte, dass die Verteilung innerhalb Deutschlands stark unterschiedlich war. Während in manchen Regionen zahlreiche Seidenschwänze beobachtet wurden, blieben sie anderswo selten.

Das ist typisch für Invasionsereignisse.

Sie sind nicht nur von Jahr zu Jahr verschieden, sondern auch innerhalb eines Winters regional sehr ungleich verteilt.

Wann und wo man Seidenschwänze in Deutschland sehen kann

Die besten Chancen bestehen während der kalten Jahreszeit.

Erste größere Einflüge können bereits im Oktober oder November auftreten.

In vielen Jahren liegen Beobachtungen vor allem zwischen November und März.

Bei starken Einflügen können Seidenschwänze regional auch noch im zeitigen Frühjahr erscheinen.

Ein bestimmter Monat garantiert jedoch keine Sichtung.

Entscheidend ist, ob überhaupt größere Schwärme nach Mitteleuropa gelangen.

Warum Städte besonders interessant sind

Seidenschwänze suchen im Winter vor allem fruchttragende Bäume und Sträucher.

Deshalb können Städte überraschend gute Beobachtungsorte sein.

In Wohngebieten, Parks, auf Friedhöfen und entlang von Straßen stehen häufig Ebereschen und andere beerentragende Gehölze.

Solche Bäume können große Mengen an Früchten anbieten.

Ein Schwarm entdeckt eine geeignete Nahrungsquelle und bleibt möglicherweise längere Zeit in der Umgebung.

Dabei wechseln die Vögel zwischen verschiedenen Bäumen.

Oft sitzen sie zunächst gemeinsam auf einer höheren Warte und fliegen anschließend zum Fressen.

Besonders lohnend sind daher ältere Parkanlagen, begrünte Wohngebiete und Straßen mit fruchttragenden Vogelbeerbäumen.

Gibt es regionale Schwerpunkte?

Nord- und Ostdeutschland können bei bestimmten Einflügen früh betroffen sein.

Andere Invasionen erreichen Deutschland jedoch über unterschiedliche Routen.

Der DDA dokumentierte beispielsweise für 2012/13 ein regional sehr ungleiches Auftreten, bei dem später auch süddeutsche Gebiete stärker betroffen waren.

Deshalb wäre es falsch, Seidenschwänze grundsätzlich nur im Norden Deutschlands zu erwarten.

Auch Bayern, Baden-Württemberg und westdeutsche Städte können in geeigneten Wintern bemerkenswerte Beobachtungen bieten.

Nahrung – warum Beeren so wichtig sind

Seidenschwanz im Flug zwischen Vogelbeerzweigen

Die roten, wachsartigen Flügelspitzen geben dem Seidenschwanz seinen Namen.

Seidenschwänze sind im Winter ausgesprochene Fruchtfresser.

Besonders wichtig sind Vogelbeeren.

Daneben nutzen sie weitere geeignete Früchte, darunter die Beeren beziehungsweise kleinen Früchte verschiedener Mehlbeeren, Weißdornarten und Ziergehölze.

Auch Mistelbeeren können zur Nahrung gehören.

Die Vögel sind darauf spezialisiert, zahlreiche kleine Früchte aufzunehmen.

Ein Seidenschwanzschwarm kann deshalb innerhalb kurzer Zeit einen auffällig stark behangenen Baum nahezu leer fressen.

Dabei entsteht ein lebhaftes Schauspiel.

Einzelne Vögel hängen an dünnen Zweigen, andere fliegen kurz auf und setzen sich an einer neuen Stelle wieder ab.

Immer wieder erklingen die hellen Rufe.

Warum die Schwärme so auffällig sind

Seidenschwänze treten außerhalb der Brutzeit häufig gesellig auf.

Sie suchen gemeinsam nach Nahrung und bewegen sich als Trupp zwischen geeigneten Bäumen.

Das macht sie einerseits auffällig.

Andererseits kann ein Schwarm genauso plötzlich verschwinden, wie er aufgetaucht ist.

Sind die Früchte eines Baumes weitgehend gefressen, ziehen die Vögel häufig weiter.

Deshalb lohnt es sich, einen beobachteten Schwarm nicht nur an einem einzigen Baum zu suchen.

Auch benachbarte Straßen und Parkanlagen können interessante Nahrungsplätze bieten.

Wie der eigene Garten attraktiv wird

Ein Garten kann Seidenschwänzen im Winter natürliche Nahrung bieten.

Die wichtigste Voraussetzung sind geeignete fruchttragende Gehölze.

Das bedeutet allerdings nicht, dass jeder Garten mit einer Vogelbeere automatisch Seidenschwänze anzieht.

Ob die Art überhaupt in der Region erscheint, hängt vom großräumigen Wintergeschehen ab.

Vogelbeere pflanzen

Die heimische Eberesche (Sorbus aucuparia) ist eine besonders sinnvolle Wahl.

Ihre Früchte werden von verschiedenen Vogelarten genutzt.

Sie besitzt außerdem einen hohen Wert für die heimische Tierwelt und bietet im Frühjahr Blüten für Insekten.

Bei der Pflanzung sollte auf ausreichend Platz geachtet werden.

Eine Eberesche entwickelt sich zu einem Baum und ist deshalb nicht für jeden sehr kleinen Garten geeignet.

Mehlbeeren und andere Gehölze

Auch geeignete Mehlbeeren können interessante Früchte bereitstellen.

Bei der Auswahl sollte auf die jeweilige Art, ihre Standortansprüche und ihre Herkunft geachtet werden.

Ergänzend sind heimische Gehölze wie Weißdorn, Schlehe und andere fruchttragende Sträucher für einen vogelfreundlichen Garten wertvoll.

Nicht jede dieser Pflanzen ist eine gleich wichtige Nahrungsquelle für Seidenschwänze.

Zusammen schaffen sie jedoch ein breiteres Angebot für zahlreiche heimische und überwinternde Vogelarten.

Früchte im Winter hängen lassen

Ein häufiger Fehler besteht darin, alle Früchte im Herbst aus optischen Gründen zu entfernen.

Für Vögel sind stehen gebliebene Beeren und kleine Früchte gerade im Winter interessant.

Wo keine Sicherheits- oder Pflegegründe dagegen sprechen, sollten geeignete Fruchtstände deshalb möglichst lange erhalten bleiben.

Ein naturnaher Garten bietet so Nahrung, ohne dass ständig zusätzliches Vogelfutter ausgebracht werden muss.

Beobachtungstipps – Geduld lohnt sich

Wer Seidenschwänze entdecken möchte, sollte zuerst nach geeigneten Nahrungsbäumen suchen.

Besonders im Winter fallen fruchttragende Ebereschen durch ihre orange-roten Beeren auf.

An solchen Stellen lohnt es sich, kurz stehen zu bleiben und die Baumkronen abzusuchen.

Ein Fernglas erleichtert die Bestimmung erheblich.

Die Federhaube, die schwarze Gesichtsmaske und die gelbe Schwanzspitze sind besonders hilfreiche Merkmale.

Auch der Ruf ist wichtig.

Wer sich den hohen, klingelnden Laut einmal eingeprägt hat, erkennt einen vorbeifliegenden Schwarm häufig schon am Geräusch.

Beobachtungen dokumentieren

Bei einer Sichtung lohnt es sich, Datum, Ort, ungefähre Anzahl und Verhalten festzuhalten.

Besonders interessant ist die genutzte Nahrungspflanze.

Solche Angaben können für die ornithologische Dokumentation hilfreich sein.

Der Dachverband Deutscher Avifaunisten nutzt unter anderem Beobachtungsmeldungen, um das jahreszeitliche Auftreten und außergewöhnliche Einflüge von Vogelarten auszuwerten.

Dabei sollte man berücksichtigen, dass mehrfach gemeldete Schwärme nicht automatisch unterschiedliche Individuen darstellen.

Abstand halten

Seidenschwänze lassen sich oft gut beobachten, ohne ihnen näherzukommen.

Ein ruhiger Standort mit freier Sicht ist meist ausreichend.

Wer einen fressenden Schwarm aufscheucht, beendet möglicherweise die Beobachtung für alle anderen.

Deshalb keine Zweige schütteln, keine Vögel gezielt aufscheuchen und keine künstlichen Lockversuche unternehmen.

Die beste Beobachtung ist diejenige, bei der die Tiere ihr natürliches Verhalten fortsetzen können.

Häufige Fragen

Warum kommen Seidenschwänze nicht jeden Winter nach Deutschland?

Ihr Winterzug hängt stark von der Nahrungsverfügbarkeit in den nördlichen Verbreitungsgebieten ab. Besonders die Vogelbeerenernte spielt eine wichtige Rolle. Zusätzlich beeinflussen Bruterfolg, Wetter und regionale Ausweichmöglichkeiten, wie weit die Vögel wandern.

Wann sieht man Seidenschwänze in Deutschland?

Die besten Chancen bestehen zwischen Spätherbst und zeitigem Frühjahr, häufig von November bis März. Bei starken Einflügen können die ersten Schwärme schon im Oktober erscheinen.

Wo findet man Seidenschwänze am häufigsten?

Besonders interessant sind Parks, Friedhöfe, Wohngebiete und Straßen mit fruchttragenden Ebereschen, Mehlbeeren und anderen geeigneten Gehölzen. Das regionale Auftreten schwankt jedoch stark zwischen den Wintern.

Woran erkennt man einen Seidenschwanz?

Typisch sind die spitze Federhaube, das graubraune Gefieder, die schwarze Gesichtsmaske, die gelbe Schwanzspitze und die kleinen roten, wachsartigen Flügelanhänge. Hinzu kommen hohe, klingelnde Rufe.

Was fressen Seidenschwänze im Winter?

Sie ernähren sich überwiegend von kleinen Früchten. Besonders wichtig sind Vogelbeeren. Auch Früchte anderer geeigneter Gehölze und Mistelbeeren können genutzt werden.

Kann ich Seidenschwänze mit einem Futterhaus anlocken?

Ein gewöhnliches Körnerfutterhaus ist dafür nicht die wichtigste Maßnahme. Natürliche Fruchtquellen sind wesentlich interessanter. Ein Garten mit geeigneten beerentragenden Gehölzen kann Nahrung anbieten, garantiert aber keine Sichtung.

Sind Seidenschwänze in Deutschland selten?

Sie sind unregelmäßige Wintergäste. In manchen Jahren werden nur wenige beobachtet, während starke Invasionswinter zahlreiche Schwärme bringen können. Ihre Seltenheit lässt sich deshalb nicht unabhängig vom jeweiligen Winter beurteilen.

Fazit

Der Seidenschwanz gehört zu den Wintergästen, die selbst erfahrene Vogelbeobachter immer wieder überraschen.

Seine auffällige Federhaube, die gelbe Schwanzspitze und die roten, wachsartigen Flügelanhänge machen ihn unverwechselbar.

Noch interessanter ist jedoch sein Wanderverhalten.

Während viele Zugvögel jedes Jahr vergleichsweise regelmäßige Routen nutzen, reagieren Seidenschwänze stark auf das wechselnde Nahrungsangebot ihrer nördlichen Lebensräume.

Besonders die Vogelbeerenernte beeinflusst, wie lange die Vögel in ihren üblichen Aufenthaltsgebieten bleiben können.

Werden Früchte knapp, können große Schwärme neue Nahrungsgebiete suchen.

Wie weit sie dabei wandern, hängt zusätzlich von der Zahl der vorhandenen Vögel, der räumlichen Verteilung der Nahrung und den Wetterbedingungen ab.

Deshalb ist eine Invasion nicht einfach vorherzusagen.

Der außergewöhnliche Winter 2004/05 zeigt, wie eindrucksvoll ein solcher Einflug ausfallen kann. Andere Winter bleiben dagegen nahezu ohne größere Beobachtungen.

Für Naturfreunde bedeutet das vor allem eines:

Aufmerksam bleiben.

Zwischen November und März lohnt sich ein Blick auf fruchttragende Ebereschen in Parks, Wohngebieten und Gärten.

Wer plötzlich einen Schwarm kompakter Vögel mit auffälligen Federhauben entdeckt und dazu helle, klingelnde Rufe hört, könnte einem der faszinierendsten Wintergäste Europas begegnet sein.

Auch im eigenen Garten lässt sich etwas für solche Besucher tun.

Eine heimische Vogelbeere, geeignete Mehlbeeren und weitere fruchttragende Gehölze schaffen natürliche Nahrungsangebote.

Sie helfen nicht nur möglichen Seidenschwänzen, sondern vielen anderen Vogelarten.

Ob die nordischen Gäste tatsächlich erscheinen, bleibt trotzdem offen.

Gerade diese Ungewissheit macht den Reiz aus.

Manchmal genügt ein einziger Wintermorgen, um aus einem gewöhnlichen Vogelbeerbaum den Mittelpunkt eines außergewöhnlichen Naturschauspiels zu machen.

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Quellen und weiterführende Informationen

  • NABU – Nordische Wintergäste und das Invasionsverhalten des Seidenschwanzes
  • Dachverband Deutscher Avifaunisten – Dokumentation der Seidenschwanzinvasion 2004/05
  • Dachverband Deutscher Avifaunisten – Vögel in Deutschland 2013, regional unterschiedliche Wintereinflüge
  • Dachverband Deutscher Avifaunisten – Rückblick auf den Winter 2021/22
  • Institut für Vogelforschung „Vogelwarte Helgoland“ – Wissenschaftliche Forschung zum Vogelzug

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