Spätblühende Stauden für Schmetterlinge: Die wichtigsten Nahrungsquellen im Oktober
Im Hochsommer ist ein blütenreicher Garten für Schmetterlinge vergleichsweise leicht zu gestalten. Lavendel, Dost, verschiedene Stauden und zahlreiche einjährige Pflanzen blühen gleichzeitig. Im Oktober sieht die Situation anders aus: Viele Sommerblumen sind verschwunden, die Tage werden kürzer und das Angebot an Nektar nimmt deutlich ab.
Trotzdem sind an milden Herbsttagen noch Tagfalter unterwegs. Je nach Region, Witterung und Art können beispielsweise Admiral, Tagpfauenauge oder andere spät aktive Falter weiterhin Nahrung suchen. Genau dann werden spätblühende Stauden für Schmetterlinge besonders interessant.
Ein ökologisch wertvolles Herbstbeet braucht dafür keine riesige Pflanzenvielfalt. Entscheidend sind die richtigen Arten und Sorten, gut zugängliche Blüten und eine Gartengestaltung, die nicht schon im September sämtliche Pflanzenreste entfernt.
Warum der Oktober für Schmetterlinge kritisch ist
Für Schmetterlinge verändert sich das Nahrungsangebot im Herbst schnell. Mit sinkenden Temperaturen und kürzeren Tagen endet die Blüte vieler typischer Gartenpflanzen. Gleichzeitig können einzelne milde und sonnige Oktobertage noch ausreichend warm sein, damit Falter aktiv werden.
Dann brauchen sie erreichbare Nektarquellen.
Das betrifft nicht alle Arten in gleicher Weise. Schmetterlinge verfolgen unterschiedliche Überwinterungsstrategien. Manche überstehen die kalte Jahreszeit als Ei, Raupe oder Puppe. Andere überwintern als erwachsene Falter. Wieder andere, darunter der Admiral, zeigen ausgeprägte Wanderbewegungen, wobei inzwischen auch Überwinterungsversuche in Mitteleuropa vorkommen können.
Deshalb wäre es falsch zu behaupten, jede spät blühende Pflanze sei für alle Schmetterlingsarten gleichermaßen wichtig.
Das Grundprinzip bleibt jedoch sinnvoll: Ein Garten, der vom Frühjahr bis weit in den Herbst hinein blüht, bietet Insekten über einen längeren Zeitraum Nahrung als eine Fläche, deren Blütenangebot bereits im Spätsommer endet.
Für den Oktober sind Pflanzen besonders interessant, deren Blüte tatsächlich bis in diese Zeit reicht. Der genaue Zeitraum hängt dabei von Sorte, Region und Witterungsverlauf ab.
Die wichtigsten Spätblüher
Nicht jede als „Herbstblüher“ verkaufte Pflanze ist automatisch eine gute Nektarquelle. Neben dem Blütezeitpunkt kommt es darauf an, ob Nektar und Pollen für Insekten erreichbar sind.
Einige Pflanzengruppen sind für herbstliche Gärten besonders interessant.
Herbstastern
Herbstastern gehören zu den klassischen Pflanzen für ein spätes Blütenangebot. Je nach Art und Sorte öffnen sie ihre Blüten vom Spätsommer bis weit in den Herbst.
Ihre zahlreichen kleinen Einzelblüten sind für verschiedene blütenbesuchende Insekten zugänglich. An sonnigen, milden Herbsttagen lassen sich an geeigneten Astern deshalb neben Bienen und Schwebfliegen auch Schmetterlinge beobachten.
Für einen ökologisch orientierten Garten sollten möglichst ungefüllte beziehungsweise einfach blühende Sorten ausgewählt werden.
Auch die Kombination verschiedener Blütezeiten ist sinnvoll. Statt zehn Pflanzen derselben Sorte zu setzen, können mehrere geeignete Astern mit leicht versetzten Blühphasen dafür sorgen, dass das Angebot nicht gleichzeitig endet.
Ein sonniger Standort unterstützt eine reiche Blüte und bietet Schmetterlingen gleichzeitig warme Plätze zur Aktivität.
Fetthenne

Fetthenne zieht im Spätsommer und Herbst zuverlässig Bienen und Schmetterlinge an.
Hohe Fetthennen beziehungsweise spät blühende Arten und Sorten aus der Gruppe Hylotelephium sind besonders praktische Pflanzen für sonnige, eher trockene Gartenbereiche.
Ihre flachen Blütenstände bestehen aus zahlreichen kleinen Einzelblüten. Dadurch entsteht eine gut zugängliche Fläche, auf der verschiedene Insekten Nahrung aufnehmen können.
Je nach Sorte beginnt die Blüte bereits im Spätsommer und kann bis in den Herbst reichen.
Für den Garten hat die Fetthenne noch weitere Vorteile: Sie kommt mit relativ trockenen Standorten zurecht, benötigt wenig Pflege und ihre vertrockneten Samenstände bleiben auch nach der Blüte strukturell interessant.
Deshalb müssen die Stängel im Herbst nicht abgeschnitten werden. Sie können über Winter stehen bleiben und erst vor dem neuen Austrieb zurückgenommen werden.
Damit verbindet die Pflanze zwei Prinzipien eines naturnäheren Gartens: spätes Blütenangebot und weniger radikales Aufräumen.
Herbst-Anemone
Herbst-Anemonen bringen auf hohen, schlanken Stielen auffällige Blüten hervor. Je nach Art, Sorte und Standort reicht ihre Blüte vom Spätsommer bis in den Herbst.
Für Insekten sind insbesondere ungefüllte Formen interessant, bei denen die Blütenmitte frei zugänglich bleibt.
Herbst-Anemonen bevorzugen andere Bedingungen als trockenheitsverträgliche Fetthennen. Sie eignen sich eher für humosere, ausreichend mit Feuchtigkeit versorgte Standorte und können beispielsweise am Gehölzrand oder in entsprechenden Staudenbeeten eingesetzt werden.
Das zeigt einen wichtigen Grundsatz: Ein schmetterlingsfreundliches Beet sollte nicht dadurch entstehen, dass möglichst viele empfohlene Pflanzen unabhängig vom Standort zusammengesetzt werden.
Die Pflanze muss zum Boden, Licht und Wasserangebot passen.
Nur eine gesunde, kräftig blühende Pflanze kann zuverlässig ein gutes Blütenangebot liefern.
Goldrute
Goldruten können im Spätsommer und Herbst große Mengen kleiner gelber Blüten tragen, die von zahlreichen Insekten besucht werden.
Bei der Auswahl ist allerdings Vorsicht erforderlich.
Neben der heimischen Gewöhnlichen Goldrute (Solidago virgaurea) kommen in Deutschland auch nordamerikanische Goldruten vor, insbesondere Kanadische und Riesen-Goldrute. Diese können sich außerhalb von Gärten stark ausbreiten und naturschutzfachlich problematisch werden.
Deshalb sollte eine Empfehlung nicht einfach „Goldrute pflanzen“ lauten.
Für einen naturnahen Garten ist es sinnvoller, die genaue Art zu kennen und Pflanzen auszuwählen, die zum Standort und zum regionalen Naturschutz passen. Besonders in der Nähe empfindlicher Lebensräume sollte verhindert werden, dass problematische Arten aus dem Garten entkommen.
Die Tatsache, dass eine Pflanze von Insekten besucht wird, bedeutet nicht automatisch, dass sie aus ökologischer Sicht in jeder Landschaft empfehlenswert ist.
Efeu
Efeu ist botanisch keine Staude, gehört aber unbedingt in eine Betrachtung später Nahrungsquellen.
Älterer, blühfähiger Efeu kann im Herbst eine besonders auffällige Nahrungsquelle darstellen. Seine unscheinbaren grünlich-gelben Blüten erscheinen zu einer Zeit, in der viele andere Pflanzen bereits verblüht sind.
An sonnigen Tagen können sich daran zahlreiche Insekten sammeln.
Wichtig ist allerdings, dass Efeu erst in seiner Altersform blüht. Junge, kriechende oder frisch gepflanzte Triebe bilden nicht sofort Blüten. Wer einen alten, blühenden Efeubestand besitzt, sollte deshalb berücksichtigen, welchen Wert dieser im Herbst haben kann, bevor er ihn vollständig entfernt oder zur falschen Zeit stark zurückschneidet.
Mehr zu dieser besonderen Pflanze steht im Beitrag Efeu im Garten.
Ungefüllt statt gefüllt – warum die Blütenform entscheidet
Eine große, spektakuläre Blüte ist nicht automatisch eine gute Nahrungsquelle.
Bei stark gefüllten Züchtungen wurden Staubblätter und andere Blütenorgane häufig zugunsten zusätzlicher Blütenblätter verändert. Dadurch können Pollen und Nektar reduziert oder für Insekten schwer erreichbar sein.
Für ein insektenfreundliches Beet sind deshalb ungefüllte oder nur wenig gefüllte Blüten in vielen Fällen die bessere Wahl.
Das lässt sich besonders gut bei Korbblütlern beobachten. Bei einer offenen Blüte können Schmetterlinge, Wildbienen, Honigbienen und Schwebfliegen direkt an die zahlreichen kleinen Einzelblüten gelangen.
Bei einer dicht gefüllten Sorte kann die Blüte für das menschliche Auge beeindruckend wirken, während der Zugang zu Nahrung deutlich schlechter ist.
Das bedeutet nicht, dass jede ungefüllte Sorte automatisch ökologisch wertvoll ist. Auch Nektarmenge, Blütezeit, Pflanzenart und Standort spielen eine Rolle.
Als einfache Einkaufsregel ist die Blütenform dennoch hilfreich: Wer Insekten unterstützen möchte, sollte nicht ausschließlich nach Farbe und Blütengröße auswählen, sondern prüfen, ob die Blütenmitte zugänglich ist.
Beete bewusst länger stehen lassen statt früh zu räumen
Ein insektenfreundlicher Herbstgarten endet nicht mit der letzten Blüte.
Viele Gärten werden im Oktober vollständig „winterfest“ gemacht: Stauden werden bodennah abgeschnitten, Samenstände entfernt, Laub abgeräumt und trockene Stängel entsorgt.
Aus ökologischer Sicht ist diese Ordnung nicht immer sinnvoll.
Abgestorbene Stängel, Samenstände und trockene Pflanzenteile können über den Winter Struktur und Schutz bieten. Samenstände dienen außerdem verschiedenen Vogelarten als mögliche Nahrungsquelle.
Auch Laub hat eine Funktion. Unter einer lockeren Laubschicht finden kleine Tiere geschützte Bereiche, während das Material langsam zersetzt wird und in den natürlichen Stoffkreislauf zurückkehrt.
Natürlich muss nicht jeder Quadratmeter unangetastet bleiben. Wege können freigehalten und kranke Pflanzenteile entfernt werden. Ebenso kann stark vernässtes oder problematisches Material dort beseitigt werden, wo Pflanzen darunter leiden würden.
Der bessere Ansatz lautet: gezielt statt pauschal aufräumen.
Viele robuste Stauden können bis zum späten Winter oder Frühjahr stehen bleiben. Mehr dazu erklärt der Beitrag Stauden im Winter stehen lassen.
Wer das gesamte Gartenjahr für Insekten strukturieren möchte, findet weitere Grundlagen unter Insektenfreundlicher Garten anlegen.
Häufige Fehler
Nur an den Sommer denken: Ein Beet kann im Juni voller Blüten sein und im Oktober trotzdem kaum Nahrung bieten. Unterschiedliche Blühzeiten sollten von Anfang an eingeplant werden.
Ausschließlich gefüllte Sorten kaufen: Nicht jede dekorative Blüte bietet einen guten Zugang zu Nektar und Pollen. Ungefüllte Formen sind häufig die bessere Wahl.
Goldrute ohne Artbestimmung pflanzen: Heimische und eingeführte Goldruten sollten nicht gleichgesetzt werden. Stark ausbreitungsfähige nichtheimische Arten können außerhalb des Gartens problematisch werden.
Efeu vor der Blüte stark schneiden: Ein älterer Efeubestand kann eine wichtige späte Blütenquelle sein. Ein ungünstig terminierter Schnitt entfernt möglicherweise genau die blühfähigen Triebe.
Das Beet im Herbst vollständig räumen: Ein radikaler Herbstschnitt beseitigt Strukturen, die über Winter für Tiere nützlich sein können.
Nur eine einzige Spätblüher-Art pflanzen: Wetter, Boden und Sortenunterschiede beeinflussen die Blüte. Mehrere geeignete Pflanzenarten machen das Nahrungsangebot robuster.
Häufige Fragen
Welche Stauden blühen im Oktober noch für Schmetterlinge?
Je nach Sorte, Standort und Witterung können unter anderem Herbstastern, spät blühende Fetthennen und Herbst-Anemonen noch Blüten tragen. Auch Goldruten können spät blühen, wobei die konkrete Art sorgfältig ausgewählt werden sollte.
Ist Efeu für Schmetterlinge geeignet?
Blühfähiger älterer Efeu stellt im Herbst Nektar und Pollen bereit und wird von verschiedenen Insekten besucht. Junge Efeupflanzen blühen allerdings noch nicht.
Sind gefüllte Blüten für Schmetterlinge wertlos?
Nicht in jedem Fall vollständig, aber stark gefüllte Sorten bieten häufig schlechteren Zugang zu den nektar- und pollenbildenden Bereichen. Für gezielt insektenfreundliche Pflanzungen sind ungefüllte Blüten daher meist die sinnvollere Wahl.
Soll man verblühte Stauden im Oktober zurückschneiden?
Nicht grundsätzlich. Viele gesunde Stauden können über den Winter stehen bleiben. Ihre Stängel und Samenstände geben dem Garten Struktur und können Tieren Nahrung oder Schutz bieten. Der Rückschnitt kann bei geeigneten Arten bis zum späten Winter oder Frühjahr warten.
Warum sehe ich im Oktober nur an warmen Tagen Schmetterlinge?
Schmetterlinge sind wechselwarme Tiere. Ihre Aktivität hängt stark von der Umgebungstemperatur und Sonneneinstrahlung ab. Deshalb werden erwachsene Falter an milden, sonnigen Herbsttagen eher aktiv als bei kaltem und nassem Wetter.
Reicht ein Herbstbeet aus, um Schmetterlingen zu helfen?
Nein. Entscheidend ist ein möglichst kontinuierliches Angebot über die gesamte Vegetationsperiode sowie ein geeigneter Lebensraum für die verschiedenen Entwicklungsstadien. Raupen benötigen beispielsweise passende Futterpflanzen, während erwachsene Falter häufig Nektarquellen nutzen.
Fazit
Spätblühende Stauden für Schmetterlinge schließen eine wichtige zeitliche Lücke im Garten. Wenn im Oktober viele Sommerblumen bereits verschwunden sind, können Herbstastern, Fetthennen, Herbst-Anemonen und sorgfältig ausgewählte Goldruten weiterhin Nahrung bereitstellen. Blühender Efeu ergänzt dieses Angebot als besonders später Gehölzblüher.
Entscheidend ist dabei nicht allein, dass eine Pflanze im Herbst Farbe zeigt. Ihre Blüten müssen für Insekten tatsächlich zugänglich sein. Ungefüllte Formen sind deshalb häufig wertvoller als stark gefüllte Züchtungen.
Ebenso wichtig ist der Umgang mit dem Beet nach der Blüte. Wer im Oktober nicht sofort sämtliche Stängel, Samenstände und Laubbereiche entfernt, erhält zusätzliche Strukturen für die kalte Jahreszeit.
Ein wirklich schmetterlingsfreundlicher Garten entsteht schließlich nicht durch eine einzelne „Schmetterlingspflanze“. Er verbindet Blüten vom Frühjahr bis in den Herbst mit Raupenfutterpflanzen, Rückzugsorten und einer möglichst schonenden Pflege. So wird aus einem dekorativen Herbstbeet ein funktionierender Teil eines größeren Lebensraums.
Quellen für die redaktionelle Prüfung
NABU – Naturschutzbund Deutschland
Redaktioneller Hinweis: Vor der Veröffentlichung sollten konkrete Fachseiten der genannten Organisationen insbesondere zu Schmetterlingsgärten, spät blühenden Nahrungspflanzen und invasiven Goldruten geprüft und direkt verlinkt werden. Nicht verifizierte Unterseiten-URLs wurden bewusst nicht ergänzt.