Kohlmeise und Blaumeise an einer winterlichen Futterstelle

Stunde der Wintervögel: So zählen Sie mit und erkennen die häufigsten Gartenvögel

Eine Stunde am Fenster, auf dem Balkon oder im Garten kann mehr sein als eine entspannte Vogelbeobachtung. Bei der Stunde der Wintervögel werden aus einzelnen Beobachtungen Daten für ein langfristiges Citizen-Science-Projekt.

Jedes Jahr im Januar ruft der NABU gemeinsam mit seinem bayerischen Partner LBV dazu auf, eine Stunde lang die Vögel im Siedlungsraum zu beobachten und zu zählen.

Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Ein Notizblock, etwas Geduld und eventuell ein Fernglas reichen aus.

Entscheidend ist, richtig zu zählen: Von jeder Vogelart wird nicht jeder einzelne Besuch addiert, sondern die höchste Anzahl notiert, die während der Stunde gleichzeitig zu sehen ist.

So kann jeder mitmachen – und gleichzeitig lernen, Kohlmeise, Haussperling, Amsel und andere Wintergäste genauer zu unterscheiden.

Inhaltsverzeichnis

  1. Was die Stunde der Wintervögel ist
  2. So machen Sie mit
  3. Die häufigsten Vogelarten im deutschen Garten
  4. Vögel richtig bestimmen
  5. Den besten Beobachtungsplatz einrichten
  6. Beobachten ohne zu stören
  7. Warum Zählungen wichtig sind
  8. Mit Kindern mitmachen
  9. Häufige Fehler
  10. Häufige Fragen
  11. Fazit

Was die Stunde der Wintervögel ist

Die Stunde der Wintervögel ist eine bundesweite Mitmachaktion zur Vogelbeobachtung.

Sie findet jährlich im Januar statt. Naturinteressierte beobachten dabei eine Stunde lang Vögel im Garten, auf dem Balkon, an einer Futterstelle oder in einem anderen geeigneten Bereich des Siedlungsraums.

Citizen Science in einfacher Form

Das Prinzip wird als Citizen Science oder Bürgerwissenschaft bezeichnet.

Menschen sammeln nach einer einheitlichen Methode Beobachtungsdaten, die anschließend zusammengeführt und ausgewertet werden.

Für die Teilnahme braucht man weder ein Biologiestudium noch besondere Ausrüstung.

Auch eine Stunde, in der nur wenige Vögel erscheinen, ist eine gültige Beobachtung.

Was die Aktion zeigen soll

Ziel ist nicht, sämtliche Vögel Deutschlands vollständig zu erfassen.

Die über viele Orte gesammelten Daten ermöglichen vielmehr Vergleiche zwischen Jahren und Regionen. Dadurch können Veränderungen in der winterlichen Vogelwelt sichtbar werden.

Genau deshalb ist eine einheitliche Zählmethode wichtig.

So machen Sie mit

Notizbuch, Fernglas und Tasse auf der Fensterbank zur Vogelzählung

Notizblock und Fernglas genügen, um in einer Stunde alle Vögel im Garten festzuhalten.

Die Teilnahme ist bewusst unkompliziert.

Der NABU veröffentlicht für jedes Jahr das genaue Aktionswochenende im Januar. Innerhalb dieses Zeitfensters wählen Sie einen geeigneten Zeitpunkt und beobachten genau eine Stunde lang.

Einen festen Beobachtungsort wählen

Geeignet sind beispielsweise:

  • ein Garten
  • ein Balkon
  • eine Futterstelle
  • ein Innenhof
  • ein Park im Wohnumfeld

Ein Fensterplatz ist besonders angenehm, weil die Vögel aus dem Haus beobachtet werden können, ohne dass man sie durch die eigene Anwesenheit draußen beunruhigt.

Die wichtigste Zählregel

Von jeder Art wird die höchste Anzahl notiert, die während der Stunde gleichzeitig beobachtet wird.

Ein Beispiel:

Zunächst sitzen zwei Amseln im Garten.

Zwanzig Minuten später erscheinen vier Amseln gleichzeitig.

Kurz vor Ende der Beobachtung ist nur noch eine Amsel zu sehen.

Gemeldet werden vier Amseln.

Die Zahlen 2 + 4 + 1 werden nicht addiert. Sonst könnten dieselben Vögel mehrfach gezählt werden.

Beobachtungen melden

Nach der Zählung werden die Ergebnisse über die von den Veranstaltern bereitgestellten Meldewege übermittelt.

Der NABU stellt dafür insbesondere ein Online-Formular bereit. Digitale Bestimmungsangebote wie die NABU-Vogelwelt können zusätzlich beim Erkennen unbekannter Arten helfen.

Welche Meldewege und Fristen im jeweiligen Jahr angeboten werden, sollte direkt auf der aktuellen Aktionsseite geprüft werden.

Die häufigsten Vogelarten im deutschen Garten

Der NABU stellt für die Wintervogelbeobachtung typische und häufig gemeldete Arten vor. Welche davon tatsächlich an einem bestimmten Zählplatz erscheinen, hängt von Region, Lebensraum, Witterung und Nahrungsangebot ab.

Kohlmeise

Die Kohlmeise gehört zu den am leichtesten erkennbaren Gartenvögeln.

Typisch sind der schwarze Kopf mit großen weißen Wangen, die gelbliche Unterseite und der schwarze Längsstreifen auf der Brust.

Sie besucht häufig Futterstellen und bewegt sich geschickt in Bäumen und Sträuchern.

Blaumeise

Die Blaumeise ist kleiner als die Kohlmeise.

Ihre blaue Kopfplatte, blauen Flügelpartien und weißen Wangen sind auffällig. Die Unterseite erscheint gelblich.

An dünnen Zweigen kann sie erstaunlich akrobatisch klettern.

Haussperling

Der Haussperling wird meist einfach Spatz genannt.

Männchen besitzen unter anderem eine graue Kopfplatte, braune Seiten am Kopf und eine schwarze Kehlpartie. Weibchen wirken unauffälliger braun und graubeige.

Haussperlinge treten häufig in Gruppen auf und sind eng an menschliche Siedlungen gebunden.

Feldsperling

Der Feldsperling ähnelt dem Haussperling.

Ein gutes Erkennungsmerkmal ist der dunkle Fleck auf der hellen Wange. Außerdem besitzt er einen braunen Scheitel.

Männchen und Weibchen sehen beim Feldsperling sehr ähnlich aus.

Amsel

Das erwachsene Amselmännchen ist mit seinem schwarzen Gefieder und dem gelblich bis orangefarben wirkenden Schnabel leicht zu erkennen.

Weibchen sind überwiegend braun.

Amseln suchen häufig am Boden nach Nahrung und wenden dabei Laub.

Rotkehlchen

Das orangefarbene Gesicht und die ebenso gefärbte Brust machen das Rotkehlchen unverwechselbar.

Es sitzt häufig relativ aufrecht auf niedrigen Zweigen oder anderen erhöhten Stellen.

Im Garten kann es bei der Nahrungssuche am Boden beobachtet werden.

Buchfink

Beim Buchfinken unterscheiden sich die Geschlechter deutlich.

Das Männchen besitzt unter anderem eine rötliche Unterseite und einen blaugrauen Kopf. Weibchen sind wesentlich unauffälliger gefärbt.

Auffällig sind bei beiden Geschlechtern helle Flügelzeichnungen.

Grünfink

Der Grünfink ist ein kräftig gebauter Fink mit starkem Schnabel.

Männchen wirken deutlich gelbgrün, Weibchen zurückhaltender graugrün. Gelbe Bereiche an Flügeln und Schwanz können bei der Bestimmung helfen.

Er kann an Futterstellen auftreten, besonders wenn Samen angeboten werden.

Elster

Die Elster ist deutlich größer als die bisher genannten Arten.

Ihr schwarz-weißes Gefieder und der lange Schwanz machen sie schon aus größerer Entfernung gut erkennbar.

Bei geeignetem Licht zeigen die dunklen Federn einen metallischen Glanz.

Vögel richtig bestimmen

Bei der Stunde der Wintervögel geht es nicht darum, möglichst viele Arten zu melden.

Wichtiger ist eine möglichst zuverlässige Bestimmung.

Zuerst die Größe vergleichen

Ist der unbekannte Vogel ungefähr so groß wie eine Meise, ein Spatz, eine Amsel oder eine Elster?

Solche Vergleiche helfen häufig mehr als eine geschätzte Zentimeterangabe.

Färbung genau betrachten

Achten Sie auf mehrere Merkmale gleichzeitig:

Kopfzeichnung, Brustfarbe, Flügelstreifen, Schnabelform und Schwanzlänge ergeben zusammen ein wesentlich zuverlässigeres Bild als ein einzelner Farbfleck.

Verhalten beobachten

Auch die Bewegung liefert Hinweise.

Eine Amsel sucht anders am Boden als eine Meise im Geäst. Sperlinge erscheinen häufig in Gruppen, während ein Rotkehlchen am Futterplatz auch einzeln auftreten kann.

Rufe einbeziehen

Wer einen Vogel zunächst nur hört, kann den Ruf als zusätzliche Bestimmungshilfe verwenden.

Stimmen sollten aber zusammen mit sichtbaren Merkmalen betrachtet werden, wenn eine sichere Meldung erfolgen soll.

Digitale Hilfen verwenden

Der NABU bietet mit seinem Vogeltrainer Lernmaterial zu häufigen Wintervögeln an.

Auch die NABU-Vogelwelt-App kann bei der Bestimmung helfen.

Eine App ist jedoch eine Ergänzung zur eigenen Beobachtung. Bei Unsicherheit ist es besser, eine Art nicht voreilig zu melden.

Den besten Beobachtungsplatz einrichten

Für die Teilnahme muss keine neue Futterstelle angelegt werden.

Ein vorhandener Garten oder Balkon genügt.

Vom Fenster beobachten

Ein Fenster mit Blick auf Sträucher, Bäume oder eine bestehende Futterstelle ist ideal.

Die Vögel können aus einiger Entfernung beobachtet werden, während man selbst ruhig im Haus bleibt.

Futterstelle übersichtlich halten

Wer bereits füttert, kann die Futterstelle in die Beobachtung einbeziehen.

Sie sollte so gestaltet sein, dass Vögel möglichst nicht im Futter sitzen und es mit Kot verunreinigen.

Sauberkeit ist wichtiger als eine möglichst große Futtermenge.

Wasser anbieten

Eine Vogeltränke kann auch im Winter genutzt werden.

Sie sollte flach, sicher aufgestellt und regelmäßig gereinigt werden. Bei Frost muss frisches, zugängliches Wasser bereitgestellt werden, wenn die Tränke betrieben wird.

Deckung in der Umgebung

Sträucher und Gehölze bieten Vögeln Rückzugsmöglichkeiten.

Die unmittelbare Umgebung einer Futter- oder Wasserstelle sollte gleichzeitig so übersichtlich sein, dass sich Katzen nicht unbemerkt direkt daneben anschleichen können.

Beobachten ohne zu stören

Eine Citizen-Science-Zählung soll das Verhalten der Vögel möglichst wenig beeinflussen.

Deshalb ist Zurückhaltung wichtig.

Abstand halten

Ein Fernglas ermöglicht genaue Beobachtungen, ohne näher an die Tiere heranzugehen.

Wer vom Fenster aus zählt, hat oft einen besonders störungsarmen Beobachtungsplatz.

Nicht verfolgen

Fliegt ein Vogel hinter eine Hecke oder in einen Baum, wird ihm nicht gefolgt.

Die Stunde der Wintervögel ist keine Suche nach versteckten Tieren.

Nester, Schlafplätze und andere Rückzugsorte bleiben ungestört.

Ruhe bewahren

Häufiges Öffnen von Türen, Herumlaufen direkt an der Futterstelle oder der Versuch, Vögel für Fotos anzulocken, verfälscht die natürliche Beobachtung.

Geduld ist die bessere Methode.

Warum Zählungen wichtig sind

Eine einzelne einstündige Zählung kann nicht bestimmen, wie viele Vögel tatsächlich in einer Stadt oder einem Landkreis leben.

Das ist auch nicht das Ziel.

Die Stärke der Aktion liegt in der wiederholten Anwendung derselben Methode an vielen Orten.

Wenn Daten über Jahre miteinander verglichen werden, können Veränderungen bei einzelnen Arten und regionale Unterschiede sichtbar werden.

Die Ergebnisse müssen dabei vorsichtig interpretiert werden.

Wetter und Nahrungsverfügbarkeit können beispielsweise beeinflussen, wie viele Vögel während einer bestimmten Stunde in Gärten oder an Futterstellen erscheinen.

Deshalb bedeutet eine geringe Zahl in einem einzelnen Garten nicht automatisch, dass die betreffende Art insgesamt stark zurückgegangen ist.

Citizen Science wird besonders aussagekräftig, wenn viele standardisiert erhobene Beobachtungen über längere Zeiträume zusammenkommen.

Mit Kindern mitmachen

Die Stunde der Wintervögel eignet sich gut als erste praktische Begegnung mit Vogelbeobachtung.

Ein einfacher Zählbogen macht die Aufgabe übersichtlich.

Bilder statt komplizierter Namen

Für jüngere Kinder können Fotos oder Zeichnungen häufiger Arten verwendet werden.

Neben jedem Vogel bleibt Platz für Zählstriche und die endgültige Höchstzahl.

Aufgaben verteilen

Eine Person beobachtet die Futterstelle, eine andere den Boden und eine dritte die Bäume.

Anschließend werden die Beobachtungen gemeinsam abgeglichen.

Wichtig bleibt: Pro Art wird nur die höchste gleichzeitig beobachtete Zahl gemeldet.

Unterschiede entdecken

Statt möglichst viele Arten „abzuhaken“, können Kinder zwei ähnliche Vögel vergleichen.

Was unterscheidet Blaumeise und Kohlmeise?

Wie erkennt man Feld- und Haussperling?

Solche kleinen Aufgaben vermitteln Artenkenntnis direkt an lebenden Vögeln.

Häufige Fehler

Alle Beobachtungen addieren

Derselbe Vogel kann während einer Stunde mehrfach erscheinen.

Deshalb wird ausschließlich die höchste gleichzeitig beobachtete Anzahl pro Art gemeldet.

Nach wenigen Minuten aufhören

Eine kurze Beobachtung ersetzt die vorgesehene Stunde nicht.

Vögel kommen und gehen. Manche Arten erscheinen erst spät im Beobachtungszeitraum.

Unsichere Arten raten

Eine Meldung wird nicht zuverlässiger, wenn ein unbekannter Vogel unbedingt einen Namen bekommen soll.

Im Zweifel helfen Bestimmungsmaterialien oder man lässt die unsichere Art weg.

Nur direkt am Futterhäuschen schauen

Auch Bäume, Sträucher, Dächer und der Boden gehören zum Beobachtungsbereich.

Nicht alle Wintervögel besuchen eine Futterstelle.

Vögel für die Zählung aufscheuchen

Das widerspricht dem Sinn der Beobachtung.

Die Tiere werden weder verfolgt noch aus Verstecken oder Ruheplätzen getrieben.

Häufige Fragen

Wann findet die Stunde der Wintervögel statt?

Die Aktion findet jährlich im Januar statt. Das genaue Aktionswochenende und die Meldefristen werden vom NABU beziehungsweise in Bayern vom LBV für das jeweilige Jahr veröffentlicht.

Wie lange muss ich zählen?

Genau eine Stunde innerhalb des vorgesehenen Aktionszeitraums.

Wie verhindere ich Doppelzählungen?

Von jeder Art wird die höchste Anzahl gemeldet, die während der Stunde gleichzeitig zu sehen war. Einzelne Beobachtungen werden nicht zusammengezählt.

Brauche ich ein Fernglas?

Nein. Ein Fernglas erleichtert jedoch die Bestimmung weiter entfernter Vögel.

Muss ich eine Futterstelle haben?

Nein. Gezählt werden können Vögel im Garten, vom Balkon oder an einem anderen geeigneten Beobachtungsplatz im Siedlungsraum. Eine Futterstelle ist keine Voraussetzung.

Was mache ich mit einem Vogel, den ich nicht bestimmen kann?

Nutzen Sie zunächst eine Bestimmungshilfe. Bleibt die Art unsicher, sollte sie nicht einfach geraten werden.

Sind auch wenige oder gar keine Vögel ein gültiges Ergebnis?

Ja. Die Zählung soll zeigen, was während der festgelegten Stunde tatsächlich beobachtet wurde. Das Ergebnis sollte nicht künstlich ergänzt werden, nur weil ungewöhnlich wenige Vögel erscheinen.

Fazit

Die Stunde der Wintervögel verbindet etwas sehr Einfaches mit einem langfristigen wissenschaftlichen Nutzen: eine Stunde ruhig hinschauen.

Man braucht dafür weder Spezialwissen noch eine große technische Ausrüstung.

Ein Notizblock und ein geeigneter Beobachtungsplatz genügen.

Die wichtigste Regel ist schnell gelernt: Von jeder Art wird die höchste Anzahl notiert, die gleichzeitig beobachtet wird.

Während dieser Stunde verändert sich oft auch der eigene Blick auf den Garten.

Aus „einer Meise“ werden plötzlich Kohl- und Blaumeise. Aus „einem Spatz“ werden Haus- und Feldsperling. Man bemerkt, wie anders sich Amsel, Rotkehlchen und Buchfink bewegen und wie viel die Form eines Schnabels oder eine kleine Kopfzeichnung über eine Vogelart verrät.

Genau diese Aufmerksamkeit macht Citizen Science zugänglich.

Die einzelnen Beobachtungen ergeben keine vollständige Vogelzählung Deutschlands. Gemeinsam und über mehrere Jahre nach derselben Methode erhoben, können sie jedoch helfen, Veränderungen und regionale Unterschiede in der winterlichen Vogelwelt zu erkennen.

Dabei bleibt die wichtigste Voraussetzung immer dieselbe: Die Vögel stehen an erster Stelle.

Sie werden beobachtet, aber nicht verfolgt. Rückzugsorte bleiben ungestört. Unsichere Bestimmungen werden nicht geraten.

So wird eine ruhige Stunde am Fenster zu einer einfachen Möglichkeit, die heimische Vogelwelt besser kennenzulernen und gleichzeitig Daten zu einem langfristigen Beobachtungsprojekt beizutragen.

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