Feldsalat und Winterspinat mit Raureif in einem Hochbeet

Wintergemüse säen: Feldsalat, Spinat und Asia-Salate für die Ernte in der kalten Jahreszeit

Im September betrachten viele Gemüsegärtner die Saison bereits als beendet. Tomaten werden langsamer, Bohnen verschwinden vom Beet und nach der Kartoffel- oder Zucchiniernte bleiben zunehmend freie Flächen zurück. Doch genau jetzt beginnt für einige Gemüsearten eine zweite Anbausaison.

Feldsalat, Spinat, Winterportulak und verschiedene Asia-Salate kommen mit niedrigen Temperaturen wesentlich besser zurecht als klassische Sommergemüse. Entscheidend ist allerdings, rechtzeitig zu säen. Im Winter ist nämlich meist nicht die Kälte allein der begrenzende Faktor. Mit kürzeren Tagen und sinkenden Temperaturen verlangsamt sich das Pflanzenwachstum zunehmend.

Wintergemüse säen bedeutet deshalb, die Pflanzen im Herbst so weit zu entwickeln, dass sie in der lichtarmen Jahreszeit bereits erntereif oder zumindest gut etabliert sind. Wann das gelingt, hängt von Region, Höhenlage, Witterung, Sorte und einem möglichen Schutz durch Vlies, Frühbeet oder Folientunnel ab.

Inhaltsverzeichnis

  1. Warum manche Gemüsearten Kälte brauchen statt sie nur zu ertragen
  2. Die wichtigsten Arten für die späte Aussaat
  3. Aussaat im September und Oktober
  4. Vlies, Folientunnel und Frühbeet
  5. Ernte im Winter
  6. Wintergemüse im Hochbeet, Kübel und auf dem Balkon
  7. Häufige Fehler
  8. Der Nebeneffekt für den Boden
  9. Häufige Fragen
  10. Fazit

Warum manche Gemüsearten Kälte brauchen statt sie nur zu ertragen

Wintergemüse wächst nicht deshalb gut, weil Frost sein Wachstum beschleunigt. Entscheidend ist vielmehr, dass geeignete Arten physiologisch mit niedrigen Temperaturen umgehen können.

Pflanzen, die sich im Herbst schrittweise an Kälte gewöhnen, können ihre Frosttoleranz erhöhen. Dieser Prozess wird als Abhärtung bezeichnet. Dabei verändern sich verschiedene Stoffwechselprozesse und die Zusammensetzung der Pflanzenzellen.

Trotzdem wächst Wintergemüse bei niedrigen Temperaturen nicht einfach weiter wie im September.

Der Deutsche Wetterdienst weist darauf hin, dass Pflanzen erst oberhalb artspezifischer Temperaturschwellen photosynthetisch ausreichend aktiv sind. Für viele Pflanzen liegt dieser Bereich bei Tagesmitteltemperaturen von ungefähr 5 bis 10 °C. Sinkt die Temperatur, laufen Wachstum und Stoffwechsel entsprechend langsamer.

Dazu kommt das Licht.

Im Erwerbsgemüsebau und bei intensiver Winterkultur wird häufig vom sogenannten „Persephone-Zeitraum“ gesprochen. Gemeint ist die Phase mit so kurzen Tagen, dass das Wachstum vieler Kulturen selbst unter Schutz nur noch sehr langsam voranschreitet. Das ist keine starre meteorologische Grenze für ganz Deutschland, sondern ein nützliches Anbaukonzept.

Für den Hausgarten bedeutet es: Die entscheidende Wachstumsarbeit sollte möglichst vor der dunkelsten Jahreszeit stattfinden. Im Dezember geht es häufig eher darum, einen vorhandenen Bestand zu erhalten und zu beernten, als kräftiges neues Wachstum zu erwarten.

Die wichtigsten Arten für die späte Aussaat

Die folgenden Aussaatfenster sind bewusst als regionale Orientierungswerte formuliert. In milden Regionen können Kulturen länger etabliert werden; in kälteren Lagen und Höhenlagen sollte entsprechend früher gesät werden. Sorte, Mikroklima und Schutzsystem verändern die tatsächlichen Termine zusätzlich.

Feldsalat

Feldsalat gehört zu den zuverlässigsten Kulturen für Herbst und Winter.

Aussaat: Je nach Region hauptsächlich August bis September für die Winterernte. In milden Regionen kann eine spätere Kultur noch funktionieren; die Bayerische Gartenakademie empfiehlt im September weiterhin die Aussaat und nennt Pflanzungen von Jungpflanzen bis Mitte Oktober. In kälteren Lagen sollte früher begonnen werden.

Saattiefe: flach, ungefähr 0,5 bis 1 cm.

Reihenabstand: etwa 10 bis 15 cm.

Keimung: Feldsalat keimt bei mäßigen Bodentemperaturen zuverlässig; sehr warmer Boden kann die Keimung verschlechtern. Im Spätsommer kann deshalb Beschattung der Saatfläche hilfreich sein.

Frosthärte: etablierte, geeignete Sorten sind winterhart. Die Widerstandsfähigkeit hängt von Sorte, Entwicklungsstadium und Witterungsverlauf ab.

Ernte: Bei früher Aussaat kann die Ernte im Herbst beginnen. Spätere Bestände liefern je nach Region und Schutz im Winter oder zeitigen Frühjahr.

Winterspinat

Spinat ist eine klassische Nachkultur nach Sommergemüse.

Aussaat: Je nach Region von August bis September. In milden Lagen sind spätere Aussaaten für eine Überwinterung möglich; in kälteren Regionen sollte Winterspinat genügend Zeit erhalten, vor längeren Frostphasen mehrere Blätter auszubilden.

Saattiefe: ungefähr 2 bis 3 cm.

Reihenabstand: 20 bis 25 cm. Die Bayerische Gartenakademie empfiehlt bei Herbstspinat mindestens etwa 25 cm zwischen mehreren Reihen.

Keimung: Spinat bevorzugt eher kühle Bedingungen und kann bei großer Spätsommerhitze schlechter auflaufen.

Frosthärte: wintergeeignete Sorten können niedrige Temperaturen überstehen. Entscheidend sind Sorte und Abhärtung.

Ernte: Frühe Aussaaten liefern bereits im Herbst. Überwinternde Bestände können an milden Wintertagen oder im zeitigen Frühjahr weitergeerntet werden.

Winterportulak

Winterportulak, auch Postelein genannt, ist ausdrücklich eine winterharte Kultur. Er darf nicht mit dem wärmeliebenden Sommerportulak verwechselt werden.

Aussaat: Je nach Region etwa September bis Oktober. In milden Regionen kann eine spätere Aussaat unter Schutz sinnvoll sein; in kälteren Lagen ist ein früher Start zuverlässiger.

Saattiefe: sehr flach, nur leicht mit Erde bedecken.

Reihenabstand: ungefähr 10 bis 15 cm ist für den Hausgarten praktikabel.

Keimung: Winterportulak ist eine Kultur für kühlere Bedingungen; hohe Bodentemperaturen sind für die Herbstkultur nicht notwendig.

Frosthärte: winterhart.

Ernte: Je nach Aussaat und Region ab Spätherbst und über die Wintermonate. Werden die Blätter oberhalb des Vegetationspunktes geschnitten, kann die Pflanze erneut austreiben.

Asia-Salate

Unter dem Begriff Asia-Salate werden unterschiedliche Blattgemüse zusammengefasst, beispielsweise Mizuna und verschiedene Senfblatt-Typen.

Aussaat: Je nach Region August bis September für eine schnelle Herbsternte. In milden Regionen sind spätere Saaten unter Schutz möglich. In kälteren Lagen wird die Entwicklungszeit ab Oktober schnell knapp.

Saattiefe: bei vielen Sorten etwa 0,5 bis 1 cm.

Reihenabstand: für Baby-Leaf-Kultur dichter, für größere Einzelpflanzen weiter. Die jeweilige Sortenangabe sollte Vorrang haben.

Keimung: Bei noch warmem Herbstboden erfolgt die Keimung meist rasch.

Frosthärte: stark sortenabhängig. Leichte Fröste werden von verschiedenen Asia-Salaten vertragen, für eine zuverlässige Winterkultur ist ein Vlies oder Frühbeet jedoch hilfreich.

Ernte: junge Blätter können häufig bereits im Herbst geschnitten werden. Unter Schutz verlängert sich die Nutzung.

Rucola

Rucola eignet sich vor allem für eine schnelle Herbstkultur.

Aussaat: Je nach Region bis in den frühen Herbst. In milden Regionen kann unter Schutz später gesät werden; in kälteren Lagen sollte die Kultur bereits im Spätsommer etabliert sein.

Saattiefe: etwa 0,5 bis 1 cm.

Reihenabstand: ungefähr 20 cm.

Keimung: bei milden Herbsttemperaturen normalerweise zügig.

Frosthärte: abhängig von Art und Sorte. Mehrjährige Wilde Rauke ist robuster als viele als Salatrauke angebotene Typen.

Ernte: junge Blätter werden geschnitten, sobald sie ausreichend groß sind. Bleibt das Herz erhalten, ist ein weiterer Austrieb möglich.

Winterkresse

Winterkresse beziehungsweise Barbarakraut ist eine robuste Blattpflanze für die kühle Jahreszeit.

Aussaat: Je nach Region Spätsommer bis früher Herbst. In kälteren Lagen sollte die Rosette vor dem Winter gut entwickelt sein.

Saattiefe: flach säen und nur dünn mit Erde bedecken.

Reihenabstand: etwa 20 bis 25 cm ist für eine Kultur in Reihen praktikabel.

Keimung: erfolgt bei milden Herbstbedingungen zuverlässig.

Frosthärte: als winterharte Pflanze kann Winterkresse die kalte Jahreszeit als Rosette überstehen.

Ernte: Blätter lassen sich im Herbst und an frostfreien Wintertagen nutzen; im Frühjahr beginnt die Pflanze wieder stärker zu wachsen.

Radieschen unter Schutz

Radieschen sind keine klassische Dauerkultur für den tiefen Winter. Unter Vlies, Folientunnel oder im Frühbeet lässt sich ihre Saison jedoch verlängern.

Aussaat: Je nach Region bis in den September. In milden Regionen kann eine spätere Aussaat unter Schutz gelingen; in kälteren Lagen nimmt die Erfolgssicherheit mit sinkender Lichtmenge schnell ab.

Saattiefe: etwa 1 cm.

Reihenabstand: ungefähr 15 cm, innerhalb der Reihe etwa 5 cm.

Keimung: Radieschen keimen bereits bei vergleichsweise niedrigen Temperaturen, entwickeln sich bei milder Witterung jedoch wesentlich schneller.

Frosthärte: leichte Kälte wird vertragen; für stärkeren Frost ist Schutz erforderlich.

Ernte: möglichst vor längeren Frostperioden beziehungsweise unter geschütztem Anbau im Spätherbst.

Knoblauch und Winterzwiebeln

Knoblauch ist keine Winterernte im engeren Sinn. Er wird im Herbst gepflanzt, überwintert und nutzt das Frühjahr für seine weitere Entwicklung.

Pflanzzeit: Je nach Region im Herbst. In kälteren Lagen wird so gepflanzt, dass die Zehen vor längerem Bodenfrost noch einwurzeln können; in milden Regionen ist das Zeitfenster größer.

Pflanztiefe: Bei Knoblauch sind etwa 5 bis 8 cm eine geeignete Orientierung.

Abstand: Die Bayerische Landesanstalt nennt beim Knoblauch etwa 20 cm zwischen den Pflanzen.

Keimtemperatur und Frosthärte: Hier werden keine Samen ausgesät, sondern Zehen gesteckt. Herbstgeeignete Sorten überwintern im Boden.

Ernte: im folgenden Sommer, wenn das Laub deutlich vergilbt.

Winterzwiebeln beziehungsweise überwinternde Zwiebeltypen werden ebenfalls im Spätsommer oder Herbst etabliert und im folgenden Jahr genutzt.

Wintersteckzwiebeln

Wintersteckzwiebeln werden nicht ausgesät, sondern als kleine Zwiebeln gesteckt.

Pflanzzeit: Je nach Region im frühen bis mittleren Herbst. In kälteren Lagen ist ein früherer Termin sinnvoll, damit die Zwiebeln vor längeren Frostphasen Wurzeln bilden. In milden Regionen bleibt mehr Spielraum.

Pflanztiefe: so stecken, dass die Spitze noch knapp sichtbar beziehungsweise nur leicht mit Erde bedeckt ist; Sortenhinweise beachten.

Reihenabstand: etwa 25 cm, in der Reihe ungefähr 10 cm.

Keimtemperatur: entfällt, da Steckzwiebeln gepflanzt und nicht aus Samen gezogen werden.

Frosthärte: nur ausdrücklich für die Herbstpflanzung geeignete Wintersteckzwiebeln verwenden.

Ernte: je nach Sorte und Nutzung vom Frühjahr als Grünzwiebel bis zum Frühsommer beziehungsweise Sommer als ausgereifte Zwiebel.

Aussaat im September und Oktober

Aussaat von Feldsalat in eine flache Saatrille im Beet

Feldsalat wird nur wenige Millimeter tief gesät — zu tiefe Saat ist ein häufiger Grund für lückige Reihen.

Im Herbst entscheidet eine sorgfältige Saatbettbereitung besonders stark über den Erfolg.

Nach der Sommerkultur wird der Boden nicht tief umgegraben. Erntereste und Unkraut werden entfernt, anschließend wird die Oberfläche mit Kultivator oder Rechen gelockert.

Für Feldsalat und andere feine Saaten sollte das Saatbett krümelig und eben sein. Große Hohlräume erschweren den Kontakt zwischen Samen und feuchtem Boden.

Der noch warme Boden ist im September ein Vorteil. Er ermöglicht eine schnelle Keimung, solange ausreichend Feuchtigkeit vorhanden ist.

Genau hier liegt gleichzeitig das Risiko: Sonnige Septembertage können die obersten Millimeter des Bodens innerhalb weniger Stunden austrocknen. Eine frisch gekeimte Wurzel besitzt kaum Reserven und erreicht noch keine tieferen feuchten Bodenschichten.

Die Saatfläche wird deshalb gleichmäßig feucht gehalten, ohne sie zu vernässen. Bei Feldsalat und Spinat weist die Bayerische Gartenakademie darauf hin, dass sehr warme Bedingungen die Keimung beeinträchtigen können.

Im Oktober verschiebt sich das Problem. Dann ist meist nicht mehr Austrocknung, sondern fehlende Entwicklungszeit der begrenzende Faktor.

Vlies, Folientunnel und Frühbeet

Vlies verändert das Mikroklima direkt über der Kultur. Es reduziert Wind, mildert Temperaturspitzen und kann empfindlichere Pflanzen vor leichten Nachtfrösten schützen.

Ein Folientunnel bietet stärkeren Schutz vor Niederschlag und kann die Saison zusätzlich verlängern. Er muss allerdings gelüftet werden.

Unter geschlossener Folie steigt an sonnigen Tagen die Temperatur schnell. Gleichzeitig sammelt sich Kondenswasser. Bleiben Blätter über lange Zeit feucht und fehlt Luftbewegung, entstehen günstige Bedingungen für Fäulnis und Pilzerkrankungen.

Die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen weist deshalb ausdrücklich auf die notwendige Belüftung von Frühbeeten hin. An sonnigen frostfreien Tagen muss überschüssige Wärme entweichen können.

Ein Schutzsystem ersetzt außerdem keine rechtzeitige Aussaat. Es hält einen bereits entwickelten Bestand länger nutzbar, kann aber fehlendes Winterlicht nicht vollständig ausgleichen.

Ernte im Winter

Wintergemüse wird möglichst an frostfreien Tagen geerntet.

Gefrorene Blätter sind spröde. Werden sie gedrückt oder geschnitten, während das Pflanzengewebe gefroren ist, entstehen leicht mechanische Schäden. Deshalb wartet man, bis die Pflanzen vollständig aufgetaut sind.

Feldsalat wird mit einem Messer knapp über der Wurzel abgeschnitten. Wer einzelne äußere Blätter von geeigneten Schnittkulturen erntet und das Herz stehen lässt, ermöglicht einen weiteren Austrieb.

Auch Spinat und Asia-Salate können als Schnittgemüse genutzt werden. Entscheidend ist, den Vegetationspunkt nicht unnötig zu entfernen.

Im Winter dauert dieser Nachwuchs allerdings wesentlich länger als im September. Die Pflanzen befinden sich nicht in derselben Wachstumsphase wie im Sommer.

Wintergemüse im Hochbeet, im Kübel und auf dem Balkon

Hochbeete sind für Feldsalat, Spinat, Winterportulak und Asia-Salate gut geeignet.

Durch ihre erhöhte Position lassen sie sich einfach mit Vlies oder einem kleinen Tunnel abdecken. Hinweise zur ganzjährigen Nutzung können im internen Beitrag „Hochbeet im Herbst und Winter nutzen“ ergänzt werden.

Auch Kübel funktionieren. Entscheidend sind ausreichend große Gefäße und ein ungehinderter Wasserabzug. Staunässe ist im Winter besonders problematisch.

Töpfe frieren schneller durch als gewachsener Gartenboden. Je größer das Gefäß, desto langsamer reagiert der Wurzelraum auf kurzfristige Temperaturschwankungen.

Gegossen wird auch im Winter, allerdings deutlich zurückhaltender. An frostfreien Tagen wird geprüft, ob das Substrat tatsächlich trocken ist.

Häufige Fehler

Der häufigste Fehler ist eine zu späte Aussaat. Winterhärte bedeutet nicht, dass eine Pflanze im Dezember schnell wachsen kann. Der Bestand muss sich möglichst vor der lichtarmen Phase entwickeln.

Auch zu tiefe Saat führt zu lückigen Reihen. Besonders kleine Samen sollten nur so tief liegen, wie es die jeweilige Kultur verlangt.

Zu dichte Bestände bleiben länger feucht und konkurrieren um Licht. Reihensaat erleichtert deshalb Pflege, Ausdünnung und Ernte.

Bei Frost sollte nicht geerntet werden. Erst wenn die Blätter wieder aufgetaut sind, wird geschnitten.

Eine kräftige Stickstoffdüngung im Spätherbst ist ebenfalls unnötig. Bei geringer Wachstumsleistung können die Pflanzen zusätzliche Nährstoffe kaum sinnvoll nutzen.

Feuchte Herbstwochen begünstigen außerdem Schnecken. Kontrollieren Sie besonders geschützte Bereiche unter Brettern, Töpfen und dichtem Pflanzenmaterial. Junge Kulturen können mit Schneckenzäunen oder Barrieren geschützt werden; Verstecke unmittelbar neben der Saat sollten reduziert werden. Chemische Bekämpfungsmittel sind dafür nicht erforderlich.

Der Nebeneffekt für den Boden

Wintergemüse liefert nicht nur Ernte.

Eine bewachsene Fläche schützt den Boden vor der direkten Wirkung von Regen. Wurzeln halten die obere Bodenschicht zusammen, während die Blätter die Oberfläche beschatten.

Die Bayerische Gartenakademie empfiehlt ausdrücklich, abgeerntete Beete wieder zu begrünen. Pflanzen schützen vor Erosion, Verschlämmung und Verkrustung und nehmen noch vorhandene Nährstoffe auf.

Das ist besonders bei Stickstoff relevant. Bleibt mineralischer Stickstoff nach der Sommerkultur ungenutzt im Boden, kann Nitrat während niederschlagsreicher Perioden in tiefere Bodenschichten verlagert werden.

Feldsalat, Spinat oder Winterportulak verbinden deshalb zwei Funktionen: Sie liefern Lebensmittel und halten das Beet länger biologisch aktiv.

Wo keine Winterkultur mehr sinnvoll etabliert werden kann, sind Gründüngung oder eine geeignete Mulchdecke Alternativen. Dazu passen die internen Beiträge „Boden über den Winter schützen: Gründüngung und Mulch“ sowie „Kompost richtig anlegen“.

Häufige Fragen

Ist es Mitte Oktober noch zu spät für Feldsalat?

Das hängt stark von Region, Witterung und Kulturverfahren ab. Die Bayerische Gartenakademie empfiehlt die Aussaat im September und nennt das Pflanzen vorgezogener Feldsalat-Jungpflanzen bis Mitte Oktober. In milden Regionen und unter Schutz ist das Zeitfenster größer. In kälteren Lagen ist Mitte Oktober für eine direkte Aussaat zur baldigen Winterernte meist deutlich weniger zuverlässig.

Muss ich Wintergemüse gießen?

Ja. Auch winterharte Pflanzen benötigen Wasser. Im Herbst muss insbesondere die Keimphase gleichmäßig feucht gehalten werden. Im Winter wird an frostfreien Tagen kontrolliert und nur bei Bedarf gegossen. Kübel trocknen anders aus als gewachsener Boden und benötigen besondere Aufmerksamkeit.

Kann Feldsalat Frost vertragen?

Etablierte Pflanzen wintergeeigneter Sorten sind frosthart. Trotzdem sollte Feldsalat nicht in gefrorenem Zustand geerntet oder stark mechanisch belastet werden. Nach dem Auftauen lässt er sich wieder normal schneiden.

Kann ich im Oktober noch Spinat säen?

Je nach Region kann eine späte Saat zur Überwinterung möglich sein, doch die Ernte verschiebt sich dann meist ins Frühjahr. In kälteren Lagen ist eine Septemberaussaat deutlich zuverlässiger. Entscheidend ist, dass sich vor der lichtarmen Winterphase ein ausreichender Bestand entwickelt.

Brauche ich für Wintergemüse ein Gewächshaus?

Nein. Feldsalat, Winterspinat und Winterportulak können je nach Sorte und Region auch im Freiland überwintern. Vlies, Frühbeet oder Folientunnel erweitern jedoch die Erntemöglichkeiten und schützen vor ungünstiger Witterung.

Warum wächst mein Feldsalat im Dezember kaum noch?

Niedrige Temperaturen und kurze Tage reduzieren die Photosynthese und damit den Zuwachs. Winterhärte bedeutet, dass die Pflanze Kälte überstehen kann – nicht, dass sie bei jeder Winterwitterung kräftig weiterwächst.

Soll ich Wintergemüse im Herbst noch düngen?

Eine kräftige späte Düngung ist normalerweise nicht sinnvoll. Viele Herbstkulturen können Nährstoffe nutzen, die von der vorherigen Sommerkultur im Boden zurückgeblieben sind. Eine bedarfsgerechte Bodenpflege und Fruchtfolge sind sinnvoller als eine pauschale Stickstoffgabe im Spätherbst.

Fazit

Wintergemüse säen verlängert die Gartensaison nicht dadurch, dass Pflanzen im Dezember plötzlich wie im Sommer wachsen. Erfolgreicher Winteranbau beruht auf einem anderen Prinzip: Feldsalat, Spinat, Winterportulak und andere robuste Kulturen werden rechtzeitig etabliert, solange Bodenwärme und Tageslicht noch ausreichendes Wachstum ermöglichen.

Je nach Region verschiebt sich dieses Zeitfenster. In milden Regionen Deutschlands bleiben spätere Aussaaten länger möglich. In kälteren Lagen und Höhenlagen sollte früher begonnen werden. Vlies, Folientunnel und Frühbeet können die Kultur schützen, ersetzen aber weder Licht noch einen ausreichend frühen Start.

Besonders zuverlässig sind Feldsalat, Winterspinat und Winterportulak. Asia-Salate, Rucola und Radieschen erweitern die Auswahl für den Herbst und geschützten Anbau. Knoblauch und Wintersteckzwiebeln verfolgen ein anderes Prinzip: Sie werden im Herbst etabliert, überwintern und nutzen das folgende Frühjahr für ihre weitere Entwicklung.

Gleichzeitig bleibt ein bepflanztes Beet über den Winter bedeckt. Regen trifft nicht unmittelbar auf nackte Erde, Wurzeln halten die Bodenstruktur zusammen und vorhandene Nährstoffe können von den Pflanzen aufgenommen werden.

So endet das Gemüsejahr nicht automatisch mit den letzten Tomaten. Wer Aussaatzeit, Region, Licht und Temperatur zusammendenkt, kann freie Septemberbeete in produktive Winterflächen verwandeln.

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  • Boden über den Winter schützen: Gründüngung und Mulch
  • Hochbeet im Herbst und Winter nutzen
  • Fruchtfolge und Mischkultur im Gemüsebeet
  • Kompost richtig anlegen

Quellen und weiterführende Informationen

  • Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau – Bayerische Gartenakademie
  • Julius Kühn-Institut – Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen
  • Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen – Gartenbau und Gemüsebau
  • Bundeszentrum für Ernährung – Gemüse, Saison und Winterportulak
  • Deutscher Wetterdienst – Agrarmeteorologie, Wetter und Pflanzenwachstum

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