Amphibien im Herbst: Wanderung zum Winterquartier und wie der Garten hilft
Es ist ein feuchter Herbstabend. Zwischen nassem Laub bewegt sich plötzlich etwas. Eine Erdkröte überquert langsam den Gartenweg, ein Grasfrosch verschwindet unter der Hecke, vielleicht entdeckt man sogar einen Molch zwischen Steinen.
Diese stille Wanderung bleibt oft unbemerkt. Während wir im Herbst Beete aufräumen und Gartenmöbel einlagern, suchen auch viele Amphibien einen Platz für die kommenden kalten Monate.
Dabei brauchen sie häufig weniger aktive Hilfe, als man denkt. Entscheidend ist vielmehr, ihnen geeignete Lebensräume zu lassen: Laub, Totholz, lockere Erde, geschützte Hohlräume und sichere Wege durch den Garten. Ebenso wichtig ist es, unbeabsichtigte Fallen zu entschärfen.
Inhaltsverzeichnis
- Welche Arten im Garten unterwegs sind
- Warum sie jetzt wandern
- Wo Amphibien überwintern
- Wie der Garten hilft
- Gefahren erkennen und vermeiden
- Der rechtliche Schutzstatus einheimischer Amphibien
- Wenn man einem Tier auf dem Weg begegnet
- Häufige Fehler
- Häufige Fragen
- Fazit
Welche Arten im Garten unterwegs sind
Deutschland besitzt verschiedene heimische Amphibienarten. Das Bundesamt für Naturschutz führt in der aktuellen Roten Liste insgesamt 21 in Deutschland wild lebende Amphibienarten.
Welche davon tatsächlich einen Garten besuchen, hängt stark von Region, Landschaft, Gewässern und den angrenzenden Lebensräumen ab. Drei Arten begegnen Gartenbesitzern vergleichsweise häufig.
Erdkröte
Die Erdkröte (Bufo bufo) ist mit ihrem gedrungenen Körper, der warzigen Haut und den auffälligen Augen gut erkennbar. Sie verbringt einen großen Teil des Jahres an Land und ist überwiegend in der Dämmerung und nachts unterwegs.
Gärten mit Hecken, Laub, Totholz, Kompostbereichen und anderen geschützten Stellen können geeignete Landlebensräume bieten. NABU nennt für die Überwinterung der Erdkröte unter anderem feuchte Erdhöhlen sowie Bereiche unter Kompost- und Laubhaufen; auch Totholz- und Steinhaufen können Schutz bieten.
Grasfrosch
Der Grasfrosch (Rana temporaria) ist farblich ausgesprochen variabel. Viele Tiere zeigen hinter dem Auge einen dunkleren Schläfenfleck. Auch er verbringt einen erheblichen Teil seines Lebens außerhalb des Laichgewässers.
Feuchte, strukturreiche Gärten können ihm Nahrung und Deckung bieten. Im Herbst zieht er sich in geschützte Winterquartiere zurück. Je nach lokalen Bedingungen können Grasfrösche sowohl an Land als auch im Wasser überwintern.
Teichmolch
Der Teichmolch (Lissotriton vulgaris) wirkt außerhalb der Fortpflanzungszeit wesentlich unscheinbarer als während der Frühjahrsmonate. Nach der Zeit im Laichgewässer leben die Tiere an Land und suchen dort Verstecke.
Unter Totholz, Steinen, in Bodenhohlräumen und anderen frostgeschützten Strukturen können sie geeignete Rückzugsorte finden.
Gerade deshalb sollte ein herbstlicher Garten nicht überall vollständig „sauber“ sein.
Warum sie jetzt wandern
Die bekannte Amphibienwanderung im Frühjahr führt zum Laichgewässer. Im Herbst geht es in eine andere Richtung: Viele Tiere suchen geeignete Überwinterungsplätze auf.
Amphibien sind wechselwarm. Ihre Körpertemperatur wird stark von der Umgebung bestimmt. Mit fallenden Temperaturen sinken Aktivität und Stoffwechsel.
Für die kalten Monate benötigen sie deshalb geschützte Quartiere, in denen starke Temperaturschwankungen und Austrocknung möglichst vermieden werden.
Ein gutes Winterquartier muss nicht warm sein. Entscheidend ist vielmehr ein geeignetes Mikroklima: geschützt, ausreichend feucht und möglichst frostfrei beziehungsweise so gelegen, dass das Tier starken Frostperioden entgehen kann.
Dafür bewegen sich Amphibien mitunter durch Gärten, über Wege und zwischen Grundstücken.
Besonders an milden, feuchten Abenden können Tiere noch unterwegs sein. Ein Garten ist für sie deshalb kein isolierter Raum, sondern möglicherweise nur ein kleiner Abschnitt zwischen Sommerlebensraum und Winterquartier.
Genau hier können wir helfen: nicht indem wir die Tiere einsammeln und an einen vermeintlich besseren Ort tragen, sondern indem wir sichere Wege und geeignete Strukturen erhalten.
Wo Amphibien überwintern

Eine ungestörte, feuchte Ecke wie diese bietet genau den Schutz, den Amphibien jetzt suchen.
Ein Amphibienquartier sieht selten spektakulär aus.
Ein Haufen Herbstlaub unter einer Hecke kann bereits wertvoll sein. Zwischen den Blättern entstehen feuchte, windgeschützte Zwischenräume. Noch stabiler wird die Struktur, wenn darunter Äste oder Totholz liegen.
Auch Steinhaufen können Hohlräume bieten. Wichtig ist, dass sie nicht nur dekorativ auf einer geschlossenen Betonfläche liegen, sondern möglichst Kontakt zum natürlichen Boden haben.
NABU nennt Totholz- und Steinhaufen sowie feuchte Erdhöhlen, Kompost- und Laubhaufen ausdrücklich als mögliche Rückzugsbereiche für Erdkröten.
Auch lockere Erde, Spalten unter Wurzeln und andere vorhandene Hohlräume können genutzt werden.
Problematisch sind dagegen künstliche Vertiefungen, aus denen ein Tier nicht wieder herauskommt.
Ein Kellerschacht kann aus Sicht einer Kröte zunächst wie ein dunkler, feuchter Unterschlupf wirken. Fällt das Tier hinein und sind die Wände glatt und senkrecht, verwandelt sich der vermeintliche Schutzraum jedoch in eine Falle.
Ähnliches gilt für tiefe Kellertreppen, Schächte und andere abgesenkte Bereiche.
Deshalb ist es sinnvoll, solche Stellen im Herbst gezielt zu kontrollieren und dauerhaft gegen das Hineinfallen von Kleintieren zu sichern.
Mehr zur Anlage strukturreicher Rückzugsräume: Steinhaufen im Naturgarten anlegen
Wie der Garten hilft
Amphibienfreundliche Gartengestaltung bedeutet vor allem, Strukturen zu schaffen und Gefahren zu reduzieren.
Durchgänge im Zaun
Ein vollständig geschlossener Zaun oder eine durchgehende Sockelmauer kann Wanderwege unterbrechen.
Wo es sicher und baulich möglich ist, helfen kleine bodennahe Durchgänge zwischen benachbarten Gartenbereichen. Dadurch bleibt das Grundstück für bodengebundene Wildtiere durchlässig.
Noch besser ist eine lockere Hecke anstelle einer vollständig geschlossenen Grundstücksbegrenzung.
Ein naturnaher Garten funktioniert schließlich nicht als Insel. Tiere müssen hinein- und wieder hinausgelangen können.
Flache Teichränder mit Ausstiegshilfe
Ein Gartenteich kann für Amphibien wertvoll sein – vorausgesetzt, Tiere können ihn selbstständig verlassen.
Mindestens ein Uferbereich sollte flach auslaufen. Bei Teichen oder Wasserbecken mit steilen beziehungsweise glatten Wänden sind dauerhaft befestigte Ausstiegsmöglichkeiten wichtig.
Steine, raues Holz oder geeignete Rampen können dabei helfen. Entscheidend ist, dass eine Ausstiegshilfe tatsächlich vom Wasser bis über die Kante reicht und nicht verrutschen kann.
Auch andere offene Wasserbehälter sollten daraufhin geprüft werden, ob hineingefallene Tiere wieder herauskommen.
Ungestörte Ecken
Eine der einfachsten Maßnahmen kostet weder Geld noch Arbeit: einen Teil des Gartens in Ruhe lassen.
Unter einer Hecke darf Laub liegen bleiben. Ein alter Ast muss nicht sofort in den Häcksler. Hinter einem Schuppen kann ein kleiner Totholzhaufen entstehen.
Solche Übergangsbereiche zwischen Vegetation, Boden, Laub und Holz schaffen unterschiedliche Mikroklimata.
Was für Menschen nach einer etwas „unordentlichen“ Ecke aussieht, kann für Amphibien ein wichtiger Rückzugsraum sein.
Wer grundsätzlich mehr solcher Strukturen schaffen möchte, findet weitere Ansätze unter Naturgarten anlegen: die wichtigsten Grundlagen.
Verzicht auf Pestizide
Amphibien leben unmittelbar am Boden und besitzen eine empfindliche, durchlässige Haut. Ein naturnaher Garten sollte deshalb möglichst ohne chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und unnötige Giftanwendungen auskommen.
Das hilft nicht nur Amphibien. Auch viele ihrer Beutetiere – darunter Insekten und andere Wirbellose – profitieren von einem vielfältigen, wenig belasteten Garten.
Gefahren erkennen und vermeiden
Viele Risiken für Amphibien im Garten entstehen nicht absichtlich.
Mähroboter gehören dazu. Besonders problematisch ist ihr Betrieb in der Dämmerung und nachts, wenn zahlreiche bodenlebende Tiere aktiv sind. Wer einen Mähroboter verwendet, sollte ihn deshalb nicht unbeaufsichtigt in den Abend- und Nachtstunden fahren lassen.
Offene Licht- und Kellerschächte sind ein weiteres Problem. Eine dauerhaft befestigte, feinmaschige Abdeckung kann verhindern, dass Tiere überhaupt hineinfallen.
Wo eine Abdeckung nicht möglich ist, sollte eine geeignete Ausstiegshilfe vorhanden sein. Auch Kellertreppen mit hohen, glatten Stufen können zur Falle werden.
Im Herbst kommt eine weitere Gefahr hinzu: Laubsauger.
Laub ist kein leerer Gartenabfall. Zwischen und unter den Blättern halten sich zahlreiche kleine Tiere auf. Wer Laub mit starker Saugwirkung entfernt und zerkleinert, kann diese Tiere unbemerkt erfassen.
Schonender ist es, Laub mit einem Rechen zusammenzutragen und zumindest einen Teil davon unter Hecken oder in geschützten Gartenecken liegen zu lassen.
Ähnliche Vorsicht hilft übrigens auch anderen Gartenbewohnern. Mehr dazu: Igelfreundlicher Garten im Herbst
Der rechtliche Schutzstatus einheimischer Amphibien
Hier ist eine genaue Formulierung wichtig: Nicht alle heimischen Amphibien Deutschlands sind pauschal „streng geschützt“.
Nach der Bundesartenschutzverordnung stehen alle europäischen Amphibienarten unter besonderem Schutz. Die amtliche Anlage 1 der Verordnung führt „Amphibia spp.“ – alle europäischen Lurche – als besonders geschützt.
Ein Teil der heimischen Arten genießt darüber hinaus strengeren Schutz, insbesondere aufgrund europarechtlicher Vorgaben wie der FFH-Richtlinie. Das Bundesamt für Naturschutz dokumentiert entsprechend zahlreiche Amphibien- und Reptilienarten Deutschlands in den Anhängen der FFH-Richtlinie.
Für den Gartenalltag folgt daraus eine einfache Grundhaltung: Wild lebende Amphibien sind keine Tiere, die man aus Neugier fängt, mitnimmt oder eigenmächtig an einen anderen Ort umsiedelt.
Wer ein Tier schützen möchte, hilft ihm am besten durch einen sicheren Lebensraum und möglichst wenig Störung.
Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde
Wenn man einem Tier auf dem Weg begegnet
Eine Erdkröte sitzt mitten auf dem Gartenweg. Was nun?
In den meisten Situationen lautet die beste Antwort: Abstand halten und warten.
Das Tier kennt seinen Weg besser als wir. Es sollte nicht aus Neugier hochgenommen, herumgetragen oder an einen anderen Platz im Garten gesetzt werden.
Hunde und Katzen kann man für einige Minuten fernhalten. Gartengeräte werden ausgeschaltet. Danach bekommt das Tier Zeit, seinen Weg selbstständig fortzusetzen.
Auch vermeintlich gut gemeintes Umsiedeln kann problematisch sein. Amphibien nutzen bestimmte Lebensräume und Wanderwege; ein Ort, der für Menschen geeignet aussieht, muss für das Tier nicht geeignet sein.
Besteht dagegen eine akute Gefahrensituation oder befindet sich ein Tier in einer künstlichen Falle, sollte man sich im Zweifel an eine örtliche Naturschutzstelle oder Amphibienfachgruppe wenden, statt eigenmächtig eine dauerhafte Umsiedlung vorzunehmen.
Häufige Fehler
Der vielleicht häufigste Fehler ist übertriebener Ordnungssinn.
Ein Laubhaufen wird im November entfernt, obwohl sich darin bereits Tiere zurückgezogen haben könnten. Ein Totholzhaufen wird mitten im Winter umgesetzt. Ein vermeintlich „unordentlicher“ Bereich unter einer Hecke wird vollständig ausgeräumt.
Wer potenzielle Winterquartiere angelegt oder bewusst stehen gelassen hat, sollte sie während der kalten Monate möglichst nicht mehr auseinandernehmen.
Ein zweiter Fehler sind ungesicherte Kellerschächte. Besonders glatte, tiefe Schächte sollten so abgedeckt werden, dass Kleintiere nicht hineinfallen können.
Auch der Einsatz von Schneckenkorn und anderen Giften passt schlecht in einen amphibienfreundlichen Garten. Wer Nacktschnecken regulieren möchte, sollte zunächst auf Gartenstruktur, Pflanzenwahl und mechanische beziehungsweise kulturtechnische Maßnahmen setzen, statt unnötig Giftstoffe auszubringen.
Schließlich ist auch Aktionismus ein Fehler.
Nicht jede Kröte auf dem Gartenweg braucht menschliche „Rettung“. Häufig besteht die beste Hilfe darin, Gefahren zu beseitigen und das Tier ansonsten in Ruhe zu lassen.
Häufige Fragen
Wann suchen Amphibien ihre Winterquartiere?
Das hängt von Art, Region und Witterung ab. Mit sinkenden Temperaturen im Herbst ziehen sich viele Tiere zunehmend in geschützte Winterquartiere zurück. An milden, feuchten Tagen und Abenden können sie noch unterwegs sein.
Wo überwintert eine Erdkröte?
Erdkröten nutzen geschützte Quartiere an Land. NABU nennt unter anderem feuchte Erdhöhlen sowie Bereiche unter Kompost- und Laubhaufen; auch Totholz- und Steinhaufen können geeigneten Schutz bieten.
Soll ich eine Kröte im Garten in ein Winterquartier setzen?
Nein. Ein gesundes, frei bewegliches Tier sollte seinen Aufenthaltsort selbst wählen. Sinnvoller ist es, geeignete Strukturen anzubieten und Wanderwege nicht zu blockieren.
Darf ich Amphibien anfassen?
Wild lebende heimische Amphibien stehen unter Artenschutz. Im normalen Gartenalltag besteht außerdem meist überhaupt kein Grund, ein gesundes Tier anzufassen. Beobachten Sie es mit Abstand und lassen Sie es seinen Weg selbstständig fortsetzen. Die Bundesartenschutzverordnung stellt europäische Amphibien als Gruppe unter besonderen Schutz.
Können Amphibien in einem Gartenteich überwintern?
Das hängt von der Art und den Bedingungen ab. Einige Amphibien können aquatische Winterquartiere nutzen, andere überwintern überwiegend an Land. Man sollte deshalb nicht davon ausgehen, dass jedes Tier im Garten in den Teich gehört – und Tiere keinesfalls eigenmächtig dort hineinsetzen.
Was mache ich mit einem Kellerschacht?
Am besten verhindert man das Hineinfallen von vornherein durch eine geeignete, dauerhaft befestigte Abdeckung. Zusätzlich können sichere Ausstiegsmöglichkeiten sinnvoll sein. Schächte sollten regelmäßig kontrolliert werden.
Sind alle Amphibien in Deutschland streng geschützt?
Nein. Die korrekte pauschale Aussage lautet: Europäische Amphibienarten sind nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt. Bestimmte Arten besitzen darüber hinaus einen strengeren Schutzstatus.
Fazit
Die Herbstwanderung der Amphibien ist eines jener Naturereignisse, die direkt vor unserer Haustür stattfinden und trotzdem leicht übersehen werden.
Eine Erdkröte braucht dabei keinen perfekt gestalteten „Krötenbereich“. Sie braucht vor allem etwas, das in modernen, stark aufgeräumten Gärten zunehmend fehlt: sichere Wege und ungestörte Strukturen.
Ein Laubhaufen unter der Hecke, Totholz auf natürlichem Boden, Hohlräume zwischen Steinen, ein durchlässiger Zaun und ein Gartenteich mit sicherem Ausstieg können einen Garten deutlich lebensfreundlicher machen.
Genauso wichtig ist das Vermeiden von Fallen. Offene Kellerschächte, nächtlich fahrende Mähroboter, Laubsauger und unnötige Giftanwendungen lassen sich vermeiden oder entschärfen.
Und wenn an einem feuchten Herbstabend tatsächlich eine Kröte über den Gartenweg läuft?
Dann muss man meistens gar nichts tun.
Ein paar Minuten Ruhe, etwas Abstand und ein freier Weg sind oft die beste Hilfe.
Externe Quellen
NABU – Naturschutzbund Deutschland