Der Dachs in Deutschland: Winterruhe, Bau und Leben im Familienverband
Wenn im Herbst die Tage kürzer werden, bereitet sich ein ungewöhnlicher Waldbewohner auf die kalte Jahreszeit vor. Tief unter der Erde liegt sein weit verzweigtes Zuhause, das manchmal schon von mehreren Generationen genutzt wurde.
Dort verbringt der Dachs einen großen Teil seines Lebens.
Der Europäische Dachs (Meles meles) gehört zur Familie der Marder und ist in Deutschland weit verbreitet. Trotzdem bekommen ihn viele Menschen niemals lebend zu Gesicht.
Das liegt vor allem an seiner Lebensweise.
Dachse sind überwiegend in der Dämmerung und nachts aktiv. Tagsüber ruhen sie meist in ihren unterirdischen Bauen.
Besonders interessant wird ihr Verhalten im Winter. Anders als Igel halten Dachse keinen echten Winterschlaf. Sie verbringen die kalte Jahreszeit in einer sogenannten Winterruhe, aus der sie zeitweise erwachen können.
Doch das ist nur eine Besonderheit dieser Tiere.
Dachse leben häufig in Familienverbänden, bauen erstaunlich umfangreiche unterirdische Anlagen und besitzen einen vielseitigen Speiseplan.
Inhaltsverzeichnis
- Aussehen und Lebensweise
- Der Bau
- Winterruhe statt Winterschlaf
- Nahrung
- Dachs im Garten
- Verantwortungsvolles Beobachten
- Gefahren und Schutz
- Häufige Fragen
- Fazit
Aussehen und Lebensweise
Der Europäische Dachs ist der größte heimische Vertreter der Marderfamilie.
Sein Körper wirkt kräftig und gedrungen. Die Beine sind relativ kurz, während der Kopf lang gestreckt ist.
Besonders auffällig ist die schwarz-weiße Gesichtszeichnung.
Die typische Gesichtsmaske
Zwei dunkle Streifen verlaufen über die Augen in Richtung Ohren.
Dazwischen und daneben liegen helle Bereiche.
Diese Zeichnung macht den Dachs selbst auf Bildern mit wenig Licht gut erkennbar.
Das Fell auf dem Rücken ist überwiegend grau, während Beine und Unterseite deutlich dunkler erscheinen.
Kräftige Grabpfoten
Die Vorderpfoten besitzen starke Krallen.
Damit kann der Dachs Erde lockern und umfangreiche Gangsysteme anlegen.
Sein Körperbau ist besonders gut an das Leben in selbst gegrabenen Erdbauten angepasst.
Nachtaktiver Familienbewohner
Dachse verbringen den Tag überwiegend unter der Erde.
Erst in der Dämmerung verlassen sie ihre Baue, um Nahrung zu suchen.
Dabei orientieren sie sich besonders über ihren gut entwickelten Geruchssinn.
Anders als häufig angenommen, leben Dachse nicht grundsätzlich als Einzelgänger.
In geeigneten Lebensräumen bilden sie Familiengruppen, die auch als Dachssippen oder Clans bezeichnet werden.
Wie groß ein solcher Verband ist, hängt unter anderem von Lebensraum und Nahrungsangebot ab.
Der Bau

Gut genutzte Dachsbaue erkennt man an einem großen Erdhaufen vor den Eingängen und glattgetretenen Pfaden.
Eingang eines Dachsbaus mit frisch ausgegrabener Erde
Ein Dachsbau ist weit mehr als ein einfaches Loch im Boden.
Er kann aus mehreren Eingängen, Gängen und unterirdischen Kammern bestehen.
Ein unterirdisches Gangsystem
Dachse graben bevorzugt dort, wo der Boden ausreichend trocken und stabil ist.
Häufig liegen ihre Baue in Wäldern, an bewachsenen Hängen oder in geschützten Gehölzbereichen.
Die Gänge verbinden unterschiedliche Kammern.
Einige Bereiche dienen als Ruheplätze, andere werden für die Jungenaufzucht genutzt.
Ein Zuhause für Generationen
Besonders bemerkenswert ist die lange Nutzung vieler Dachsbauten.
Geeignete Anlagen können über Jahre und sogar Generationen hinweg bestehen bleiben.
Dabei werden bestehende Gänge erweitert oder neue Bereiche angelegt.
Nicht jeder Dachsbau ist allerdings riesig.
Kleinere Anlagen können ebenso vorkommen.
Hinweise auf einen Dachsbau
Typische Merkmale sind größere Eingänge, ausgegrabene Erde und regelmäßig genutzte Wechsel.
Solche Wechsel sind schmale, durch wiederholtes Begehen entstandene Pfade.
Die genannten Merkmale beweisen für sich allein jedoch noch nicht, dass ein Bau aktuell von Dachsen bewohnt wird.
Auch andere Tiere können Erdhöhlen nutzen.
Nutzung durch andere Tiere
Verlassene oder zeitweise ungenutzte Bereiche eines Dachsbaues können anderen Tieren als Unterschlupf dienen.
Besonders bekannt ist die Nutzung geeigneter Erdbauten durch Füchse.
Unter bestimmten Bedingungen können verschiedene Arten sogar unterschiedliche Bereiche einer größeren Anlage nutzen.
Ein Dachsbau ist deshalb nicht immer ausschließlich einem einzigen Bewohner vorbehalten.
Winterruhe statt Winterschlaf
Die Dachs-Winterruhe wird häufig mit echtem Winterschlaf verwechselt.
Biologisch handelt es sich jedoch um unterschiedliche Formen der Überwinterung.
Was bei der Winterruhe geschieht
Während der kalten Jahreszeit reduziert der Dachs seine Aktivität deutlich.
Er verbringt viel Zeit im Bau und benötigt weniger Energie als während seiner aktiven Phasen.
Seine Körperfunktionen werden teilweise heruntergefahren.
Die Körpertemperatur sinkt dabei jedoch nicht so stark ab wie bei typischen Winterschläfern.
Der Unterschied zum Igel
Ein Igel hält echten Winterschlaf.
Dabei sinken Körpertemperatur, Herzfrequenz und Stoffwechsel erheblich.
Beim Dachs bleibt die Körpertemperatur dagegen vergleichsweise stabil.
Er kann aus seiner Ruhephase leichter erwachen.
Deshalb ist die Bezeichnung Winterruhe zutreffender.
Dachse können im Winter aktiv werden
Die Winterruhe ist kein monatelanger ununterbrochener Schlaf.
Während milder Witterungsphasen können Dachse ihren Bau verlassen und Nahrung suchen.
Wie häufig das geschieht, hängt von Temperatur, Nahrungsangebot und individuellen Bedingungen ab.
Auch in der kalten Jahreszeit ist ein Dachs außerhalb seines Baues deshalb nicht automatisch krank oder orientierungslos.
Energiereserven helfen
Vor dem Winter können Dachse Fettreserven aufbauen.
Diese helfen ihnen, längere Ruhephasen mit eingeschränkter Nahrungssuche zu überstehen.
Die Reserven ersetzen jedoch nicht grundsätzlich jede Nahrungsaufnahme während der gesamten kalten Jahreszeit.
Ruhe ist besonders wichtig
Ein Dachsbau ist im Winter ein wichtiger Rückzugsort.
Störungen können dazu führen, dass Tiere unnötig Energie verbrauchen oder geschützte Bereiche verlassen.
Deshalb sollten bekannte Baue nicht betreten, geöffnet oder absichtlich aufgesucht werden, um ruhende Tiere zu sehen.
Nahrung
Dachse sind Allesfresser.
Ihr Speiseplan besteht sowohl aus tierischer als auch aus pflanzlicher Nahrung.
Welche Bestandteile überwiegen, hängt stark von Jahreszeit und Lebensraum ab.
Regenwürmer
Regenwürmer gehören in vielen Lebensräumen zu den wichtigsten Nahrungsquellen.
Besonders auf feuchtem Grünland können Dachse zahlreiche Würmer finden.
Mit ihrer empfindlichen Schnauze spüren sie Nahrung am Boden und in den oberen Bodenschichten auf.
Insekten und Larven
Auch Käfer, Insektenlarven und andere kleine Wirbellose werden gefressen.
Dachse durchsuchen dafür Laub, lockere Erde und andere geeignete Bereiche.
Ihre kräftigen Vorderpfoten helfen ihnen beim Graben.
Früchte und Fallobst
Im Spätsommer und Herbst können Früchte einen wichtigen Teil der Nahrung bilden.
Auf Streuobstwiesen und in Gärten nutzen Dachse beispielsweise heruntergefallenes Obst.
Das erklärt, warum sie gelegentlich in der Nähe von Obstbäumen auftauchen.
Mais und Feldfrüchte
Auch Mais und andere Feldfrüchte können gefressen werden.
In landwirtschaftlich geprägten Landschaften nutzen Dachse solche Nahrungsquellen, wenn sie verfügbar sind.
Ihr Speiseplan bleibt jedoch vielfältig.
Der Dachs ist weder ein reiner Pflanzenfresser noch ein ausschließlich auf Beutetiere spezialisierter Räuber.
Dachs im Garten
Manchmal entdeckt ein Gartenbesitzer morgens kleine Löcher im Rasen oder aufgewühlte Erde.
Ein möglicher Verursacher ist der Dachs.
Allerdings kommen auch andere Tiere infrage.
Kleine Löcher im Rasen
Dachse suchen mit ihrer Schnauze und ihren Pfoten nach Nahrung im Boden.
Dabei können flache Vertiefungen entstehen.
Besonders auf Rasenflächen mit vielen Regenwürmern oder Insektenlarven kann dies auffallen.
Einzelne Löcher beweisen aber noch keinen Dachsbesuch.
Pfotenabdrücke erkennen
Dachsspuren zeigen häufig fünf Zehen und deutliche Krallenabdrücke.
Die Form unterscheidet sich damit von typischen Hunde- oder Katzenspuren.
Auf weichem Boden lassen sich solche Unterschiede manchmal erkennen.
Für eine sichere Zuordnung müssen jedoch mehrere Merkmale zusammenpassen.
Weitere Hinweise
Auch regelmäßig genutzte Pfade oder charakteristische Spuren der Nahrungssuche können auf Dachse hinweisen.
Dachse legen außerdem sogenannte Latrinen an.
Dabei handelt es sich um kleine Vertiefungen, in denen Kot abgesetzt wird.
Solche Stellen spielen auch bei der Kommunikation zwischen Dachsen eine Rolle.
Nicht jedes Loch muss geschlossen werden
Wer einen Dachsbesuch vermutet, sollte zunächst die Situation beobachten.
Wildtiere dürfen nicht bedrängt oder eigenmächtig eingefangen werden.
Bei erheblichen Schäden oder einem Bau in einem sicherheitsrelevanten Bereich sollte fachlicher Rat eingeholt werden.
Verantwortungsvolles Beobachten
Einen Dachs in freier Natur zu entdecken, ist ein besonderes Erlebnis.
Gerade deshalb sollte die Beobachtung möglichst störungsarm erfolgen.
Abstand halten
Bekannte Dachsbauten sind keine geeigneten Orte für unmittelbare Annäherung.
Besonders während der Jungenaufzucht und Winterruhe ist Ruhe wichtig.
Eingänge dürfen nicht versperrt, geöffnet oder verändert werden.
Dämmerung beachten
Dachse sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv.
Wer zufällig einen Dachs beobachtet, sollte stehen bleiben und ausreichend Abstand halten.
Ein Nachlaufen oder Verfolgen ist nicht sinnvoll.
Keine Tiere anlocken
Dachse sollten nicht mit ausgelegtem Futter an Menschen gewöhnt werden.
Das kann ihr Verhalten verändern und Konflikte fördern.
Auch Jungtiere werden nicht berührt oder aufgenommen.
Rechtliche Einordnung
Der Dachs gehört nach dem Bundesjagdgesetz zu den Tierarten, die dem Jagdrecht unterliegen.
Für ihn gelten Jagd- und Schonzeiten.
Die bundesrechtliche Jagdzeitenverordnung nennt eine Jagdzeit vom 1. August bis zum 31. Oktober. Die Länder können davon abweichende Regelungen treffen.
Deshalb müssen die aktuell geltenden Bestimmungen des jeweiligen Bundeslandes geprüft werden.
Aus der Zugehörigkeit zum jagdbaren Wild folgt ausdrücklich keine Erlaubnis für Privatpersonen, Dachse zu fangen, zu verfolgen oder ihre Baue zu beeinträchtigen.
Bekannte Dachsbauten sollten grundsätzlich ungestört bleiben.
Bei geplanten Eingriffen oder Konflikten sind die zuständige Jagdbehörde beziehungsweise andere örtlich zuständige Fachstellen die richtigen Ansprechpartner.
Gefahren und Schutz
Obwohl Dachse in Deutschland weit verbreitet sind, sind sie verschiedenen Gefahren ausgesetzt.
Straßenverkehr
Eine der wichtigsten Gefahren ist der Straßenverkehr.
Dachse bewegen sich während ihrer nächtlichen Nahrungssuche teilweise über größere Strecken.
Dabei müssen sie gelegentlich Straßen überqueren.
Besonders an viel befahrenen Verkehrswegen besteht ein erhebliches Risiko.
Zerschneidung von Lebensräumen
Straßen und andere Barrieren können Lebensräume voneinander trennen.
Dadurch werden Wanderbewegungen zwischen geeigneten Gebieten erschwert.
Querungshilfen und geeignete Durchlässe können an entsprechenden Stellen helfen.
Verlust strukturreicher Landschaften
Dachse benötigen geeignete Bauplätze und ausreichend Nahrung.
Hecken, Feldgehölze, Grünland, Wälder und abwechslungsreiche Kulturlandschaften bieten dafür wichtige Voraussetzungen.
Werden solche Strukturen beseitigt, kann die Lebensraumqualität sinken.
Was Menschen beitragen können
Der wichtigste Beitrag besteht darin, geeignete Lebensräume zu erhalten und unnötige Störungen zu vermeiden.
Auch vorsichtiges Fahren in wildreichen Bereichen kann helfen, Verkehrsunfälle zu vermeiden.
Ein Dachs benötigt keinen direkten Kontakt zu Menschen, um geschützt zu werden.
Häufige Fragen
Hält der Dachs Winterschlaf?
Nein. Dachse halten Winterruhe. Dabei reduzieren sie ihre Aktivität, senken ihre Körpertemperatur aber nicht so stark wie echte Winterschläfer. Während milder Phasen können sie den Bau verlassen.
Leben Dachse allein oder in Familien?
Dachse können in Familienverbänden leben. Solche Gruppen bestehen je nach Lebensraum und Situation aus mehreren verwandten Tieren. Nicht jeder Dachs lebt jedoch dauerhaft in einer großen Gruppe.
Wie alt kann ein Dachsbau werden?
Geeignete Dachsbauten können über viele Jahre und Generationen genutzt werden. Die Tiere erweitern und verändern ihre unterirdischen Anlagen im Laufe der Zeit.
Was frisst ein Dachs im Winter?
Wenn Dachse während milder Winterphasen Nahrung suchen, nutzen sie das jeweils verfügbare Angebot. Dazu können Regenwürmer und andere kleine Wirbellose gehören. Während längerer Ruhephasen leben sie teilweise von ihren Fettreserven.
Ist ein Dachs im Garten gefährlich?
Dachse meiden normalerweise den direkten Kontakt mit Menschen. Sie sollten dennoch nicht bedrängt, angefasst oder in die Enge getrieben werden. Bei einem verletzten oder auffällig verhaltenden Tier ist fachlicher Rat sinnvoll.
Darf man einen Dachsbau entfernen?
Ein Dachsbau sollte nicht eigenmächtig verändert, geöffnet oder beseitigt werden. Der Dachs unterliegt dem Jagdrecht, und die örtlichen Vorschriften müssen beachtet werden. Bei notwendigen Maßnahmen sollte vorab die zuständige Behörde kontaktiert werden.
Fazit
Der Europäische Dachs gehört zu den interessantesten heimischen Säugetieren.
Seine schwarz-weiße Gesichtsmaske macht ihn unverwechselbar, doch seine überwiegend nächtliche Lebensweise sorgt dafür, dass viele Menschen ihn nur selten sehen.
Besonders bemerkenswert sind seine unterirdischen Baue.
Sie können aus zahlreichen Gängen und Kammern bestehen und über Generationen genutzt werden.
Auch das Familienleben ist komplexer, als häufig angenommen wird.
Dachse können in sozialen Gruppen zusammenleben, in denen mehrere Generationen miteinander verbunden sind.
Im Winter ziehen sie sich für längere Ruhephasen in ihre Baue zurück.
Dabei handelt es sich ausdrücklich nicht um echten Winterschlaf.
Während der Winterruhe bleiben ihre Körperfunktionen vergleichsweise aktiv, und die Tiere können bei geeigneten Bedingungen wieder auf Nahrungssuche gehen.
Als Allesfresser nutzen Dachse ein vielfältiges Angebot aus Regenwürmern, Insekten, Früchten und Feldfrüchten.
Gelegentlich führt sie diese Nahrungssuche auch in Gärten.
Wer dort typische Spuren entdeckt, sollte jedoch nicht vorschnell eingreifen.
Dachse sind Wildtiere und gehören zu den Arten, die dem Jagdrecht unterliegen. Welche Jagd- und Schonzeiten gelten, hängt von den aktuellen bundes- und landesrechtlichen Regelungen ab.
Ihre Baue sollten grundsätzlich nicht gestört werden.
Für Naturfreunde ist deshalb die beste Haltung einfach: beobachten, Abstand halten und Lebensräume erhalten.
So bleibt der Dachs das, was er sein sollte – ein faszinierender, weitgehend ungestörter Bewohner unserer Wälder und Kulturlandschaften.